"Das Selbstbildnis mit Sektglas" von Max Beckmann

Das Städel Museum in Frankfurt hat ein Werk des Künstlers Max Beckmann erworben - und nie zuvor so viel für ein Werk ausgegeben. Dafür gibt es mehr als einen guten Grund.

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Elf Gemälde, zwei Skulpturen und einen großen grafischen Bestand an Blättern: Das Frankfurter Städel hat eine umfangreiche Sammlung von Werken des großen Künstlers Max Beckmann. Für den Kauf eines Bildes hat das Museum mit fremder Hilfe jetzt eine Rekordsumme hingelegt.

Grund 1: Das Gemälde galt als unbezahlbar

Das Werk "Selbstbildnis mit Sektglas“ von Max Beckmann ist das teuerste Gemälde, das das Städel seit seiner Gründung 1815 erlangt hat. "Noch nie zuvor hat das Städel Museum eine einzelne Erwerbung in dieser Dimension gestemmt", sagt Städel Direktor Philipp Demandt. Seit 2011 hing das Bild zunächst als Leihgabe im Museum, nun ist es in dessen Besitz übergegangen.

Einen genauen Preis möchten Museumsdirektor und Förderer nicht nennen. Der Kaufpreis betrage zwar deutlich weniger als die 17 Millionen Euro, zu denen zuletzt ein Selbstbildnis von Beckmann in New York erstanden wurde. Der Marktwert liege aber eindeutig im zweistelligen Millionenbereich. Mit Hilfe der Ernst-von-Siemens-Stiftung, der Kulturstiftung der Länder, des Städelschen Museums-Vereins und fünf privater Mäzene konnte das Selbstbildnis erworben werden.

Grund 2: Max Beckmann malte dieses Bild in Frankfurt

Max Beckmann gilt als der bekannteste deutsche Vertreter der Klassischen Moderne. Er ist wie kaum ein anderer Künstler mit Frankfurt und dem Städel Museum verbunden. Zahlreiche seiner Gemälde zeigen Ausschnitte der Stadt, auch viele Bildnisse von Freunden und Bekannten unterstreichen seine enge Bindung zu Frankfurt.

Von 1915 bis 1933 lebte der Künstler in der hessischen Stadt. Hier entwickelte er seinen Stil und schuf einen Großteil seiner zentralen Werke. Ab 1925 unterrichtete er als Hochschullehrer an der Städelschule. 1937 floh Beckmann aus Deutschland. Er starb 1950 in New York.

Auch sein Selbstbildnis, eines von 35, entstand in Frankfurt. Angeblich soll der Künstler das Bild in der Schweizer Straße 3 im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen gemalt haben. Beckmann ist der einzige Künstler, dem ein eigener Saal im Städel Museum gewidmet wurde.

Grund 3: Selbstbildnisse sind Schlüsselwerke

Beckmanns "Selbstbildnis mit Sektglas"

Die Selbstbildnisse Beckmanns gelten als seine Schlüsselwerke. Viele entstanden in Frankfurt. In seinem "Selbstbildnis mit Sektglas" thematisiert der Künstler seine Stimmung 1919 nach dem Ersten Weltkrieg.

Im grellen Licht eines Frankfurter Nachtlokals sitzt Beckmann allein an der Theke. Eine Champagnerflasche steht im Kühler vor ihm. Doch eine gelassene Stimmung herrscht nicht. Der ehemalige Sanitätssoldat betäubt das Gefühl der Sinnlosigkeit, das der Krieg hinterlassen hat.

In seinen Gemälden beschäftigt er sich mit der bürgerlichen Vergnügungssucht in der Nachkriegszeit. "Es zeigt deutsche Geschichte und Identität", sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Das Gemälde entlarve die Weimarer Republik als Fassade.

Anders, als der Titel vermuten lässt, handelt es sich auf dem Bild wahrscheinlich nicht um ein Sektglas, sondern vielmehr um ein Champagnerglas. Das Gemälde soll Beckmann in der Bar im Frankfurter Hof zeigen. Dort hat er laut Augenzeugen mit Vorliebe Champagner getrunken.

Grund 4: Gemälde sollte nicht verkauft werden

Das Gemälde galt viele Jahre als weltweit bekanntes Kunstwerk, das nicht zu haben sei. Es stammt aus der Sammlung von Hermann Lange aus Krefeld. Er erwarb das Gemälde bereits in den 1920-er Jahren. Nach seinem Tod vermachte Lange es seinen Nachkommen. Seitdem befand es sich ununterbrochen im Besitz der Familie.

Das Bild sei nahezu unberührt und in guten Zustand, sagt Städel-Direktor Demandt. Es stecke auch noch immer in seinem Originalkeilrahmen. Zudem wurde es nie doubliert, also nicht mit einer stützenden zweiten Leinwand verklebt.

Vor einigen Jahren bereits wollte Demandt das Gemälde von den Lange-Erben erwerben. Jetzt, drei Jahre und viele intensive Gespräche später, ist es ihm gelungen. Die Eigentümer kamen dem Museum und seinen Fördern nach deren Angaben beim Preis "großzügig" entgegen.

Grund 5: Dem Museum fehlte ein großes Werk

Das Städel hat seit den 1920er-Jahren regelmäßig Arbeiten des Künstlers erworben und inzwischen eine der umfangreichsten Beckmann-Sammlungen weltweit. Es hat bislang aber an einem zentralen Gemälde gefehlt. Das sei nun mit dem "Selbstbildnis im Sektglas" im Museum vorhanden.

Seit seinem Amtsantritt 2016 im Städel Museum versuchte Direktor Demandt an das Selbstbildnis zu gelangen, zunächst ohne Erfolg. "Der Erwerb dieses Schlüsselwerks von Beckmann war mein Herzenswunsch", sagt er.

Vom 9. Dezember an wird es eine Sonderpräsentation "Städels Beckmann / Beckmanns Städel. Die Jahre in Frankfurt" im Frankfurter Museum geben. Die Schau soll sich mit dem Künstler und seiner Beziehung zu Frankfurt beschäftigen. Bis zum 5. April 2021 sind ausgewählte Werke und dokumentarisches Material von Max Beckmann zu sehen. Und im Zentrum soll das Selbstbildnis stehen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.10.2020, 19.30 Uhr