Deutsches Romantik-Museum Frankfurt

Nach zehn Jahren Vorbereitungszeit öffnet das Deutsche Romantik-Museum in Frankfurt. Darum lohnt sich der Besuch.

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Das Frankfurter Goethe-Haus bekommt mit dem Romantik-Museum einen neuen Nachbarn. Zehn Jahre hat das Kultur- und Forschungsinstitut Freies Deutsches Hochstift an der Realisierung des Museums gearbeitet. Bis zur offiziellen Eröffnung am 14. September 2021 ist noch einiges zu tun. hessenschau.de durfte aber vorab schon in die Ausstellung und erklärt, weshalb sich ein Besuch lohnt.

1. Das Museum ist weltweit einzigartig

Kaum zu glauben, aber bisher gibt es weltweit kein Romantik-Museum, das die gesamte Bandbreite der Epoche beleuchtet. Es gibt eine Vielzahl an Romantik-Gedenkstätten in Europa und in Deutschland, doch die sind immer nur auf eine Region oder Person konzentriert. Das Romantik-Museum in Frankfurt widmet sich nun erstmals den Errungenschaften dieser Epoche.

Für Wolfgang Bunzel, Leiter der Abteilung Romantik-Forschung im Freien Deutschen Hochstift, ist die Eröffnung eines Romantik-Museums längst überfällig: "Es hat bisher keine solche Einrichtung gegeben und das ist eigentlich unverständlich, weil es zu anderen, ganz wichtigen Epochen schon entsprechende Häuser gibt. Zur Romantik, die ja auch mit dem Deutschen ganz eng verbunden gedacht wird, hat es das nicht gegeben. Die Romantik braucht ein Zentrum und wir wollen dieses Zentrum heute bieten."

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Die Epoche der Romantik

Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die etwa vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte. Sie äußerte sich vor allem in der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik äußerte, sie umfasste aber auch Gebiete wie Geschichte, Theologie und Philosophie sowie Naturwissenschaften und Medizin. Zentrale Themen waren große Gefühle, Natursehnsucht, Verklärung des Mittelalters und Mystik. Bedeutende Vertreterinnen und Vertreter waren zum Beispiel E.T.A. Hoffmann (1776-1822) oder Bettina von Arnim (1785-1859).

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2. Es beherbergt die größte Romantik-Sammlung

Zeitschriften der Romantik im Deutschen Romantik Museum.

Das Freie Deutsche Hochstift sammelt seit 100 Jahren Bestände aller Art zur Romantik: original Handschriften, Werke der bildenden Kunst, Porzellan. "Wir haben die weltgrößte und von den Depots her bedeutende Romantik-Sammlung", sagt Wolfgang Bunzel. Doch die war bisher nur für Fachleute und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Viele wertvolle Stücke schlummerten Jahrzehnte im Archiv.

Das sollte sich ab 2011 ändern. "Ich hatte gerade mal wieder darüber nachgedacht, dass es sehr bedauerlich ist, dass die wunderbare Sammlung überhaupt nicht bekannt ist," sagt Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts. Als die Fläche neben dem Goethe-Haus frei wurde, war das die Chance, ein deutsches Romantik Museum zu gründen.

3. Die Ausstellung ist interaktiv

Ecke der dunklen Romantik im Deutschen Romantik Museum.

Von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück laufen und sich einfach nur berieseln lassen? Das ist nicht das Konzept des Romantik-Museums. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht. Zum Beispiel bei einer interaktiven Landkarte, die wichtige Personen und Orte der Romantik spielerisch vorstellt.

Oder bei der Station zu E.T.A. Hoffmanns Märchen "Meister Flo". Ein paar Mal kurbeln und schon setzen sich die sieben Illustrationen an der Wand in Bewegung. Figuren tanzen auf und ab, bunte Kreise drehen sich, ein Jäger schießt und verschwindet wieder im Gebüsch. Die Station "Blicke durchs Gedankenmikroskop" bringt so ganz spielerisch den Inhalt des Stücks näher.

Die Ausstellung gibt nichts vor, sondern lässt erleben. "Wir sagen auch an keiner Stelle was Romantik ist als Definition. Es gibt verschiedene Perspektiven darauf. Die Erfahrungen und Erlebnisse, die stehen viel mehr im Mittelpunkt" sagt Wolfgang Bunzel. Das Museum möchte alle ansprechen.

4. Die Umsetzung ist kreativ

Comic zur Handschrift eines Clemens Brentano Gedichts im Deutschen Romantik Museum.

Das Romantik-Museum stand vor einer großen Herausforderung: Wie können Gegenstände spannend dargestellt werden, die visuell in der Regel nicht besonders attraktiv sind? Den Großteil des Bestandes der Romantik-Sammlung machen Arbeiten auf Papier, also Originalhandschriften, Briefe oder literarische Erstausgaben aus. Eigentlich nichts, um lange davor zu verweilen. Die Idee: Die "trockenen" Stücke bekommen eine auf sie zugeschnittene Welt konzipiert.

So liegt die Handschrift eines Clemens-Brentano-Gedichts gut geschützt in einem "Schatzkistchen", das erst geöffnet werden muss. Darum herum gibt ein eigens für das Gedicht angefertigter und prominent aufgehängt Comic die nötige visuelle Unterstützung. Ausziehbare Transkriptionen helfen bei dem Versuch, die verschnörkelte Schrift zu entziffern.

5. Der Bau ist einfach nur schick

 Im Inneren des Deutschen Romantikmuseums

Schick, schicker, Romantik-Museum. Der Besuch lohnt sich neben der Ausstellung selbst auch aus architektonischer und innenarchitektonischer Sicht. Hier stimmt alles. Vom Eingangsbereich über den Fußboden bis zum Aufzug ist alles durchkonzipiert. Jede Farbe stimmt, jeder Mosaikstein passt. Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler setzte sich beim Architektenwettbewerb um das Museum durch.

Ein besonderes Highlight im Romantik-Museum ist im dritten Stock zu finden. Dort gibt es in der Wand einen schmalen Fensterstreifen, durch den ein einzigartiger Blick möglich ist. Dank einer Lücke im gegenüberliegenden Bau sind Paulskirche, Dom und EZB nebeneinander zu erkennen, als seien sie direkte Nachbarn.

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Audioseite Ein Museum, das eine Epoche erlebbar macht

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