Tatort Falscher Hase

Es existiert noch, das Lagerfeuer, an dem sich die Familie abends versammelt, um Geschichten zu lauschen: Sonntags ist Tatort-Zeit, und das seit 50 Jahren. Sieben Fakten zum hr-Tatort, die Sie wahrscheinlich noch nicht kannten - nackte Tatsachen inklusive.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 50 Jahre Hessentatort: "Das war schon ziemlich irre"

Tatort: Im Schmerz geboren
Ende des Audiobeitrags

Seit dem 29. November 1970 wird jeden Sonntagabend ermordet, gelitten und ermittelt: Es ist Tatort-Zeit. Erster Frankfurter Ermittler war Kommissar Konrad (Klaus Höhne). Seit 2015 klären dort die Kommissare Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Jannecke (Margarita Broich) TV-Verbrechen auf. In Wiesbaden ermittelt seit 2010 LKA-Mann Felix Murot (Ulrich Tukur). Mit ihm dürften viele Fans die meistdiskutierten Tatort-Fälle verbinden. Doch auch schon vorher gab es spektakuläre Dreharbeiten. Eine Auswahl.

Der "totlustigste" Zoff

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie "Wann wird endlich ein guter Krimi gesendet?" - Zuschauer kommentieren den Hessen-Tatort

Ende der Bildergalerie

Bei den Dreharbeiten zur Folge "Wo ist Max Gravert?" (2005) musste Jörg Himstedt, heute Leiter der Abteilung Fernsehspiel und Spielfilm im hr, als Komparse einspringen. Er übernahm die Rolle des Fahrers in einer Entführungsszene: Jürgen Vogel kidnappte als Bösewicht die damalige Kommissarin Sänger alias Andrea Sawatzki.

Szene aus dem Tatort Wo ist Max Gravert

Er sei ziemlich nervös gewesen, berichtet Himstedt. Immerhin sollte das Auto punktgenau auf das Kamerateam zufahren, möglichst auch schon beim ersten Versuch. Aber Jürgen Vogel hatte Spaß daran, seinen Chef zu piesaken. Er habe ihm die ganze Zeit von hinten seine Pistole in den Nacken gedrückt und das "totlustig" gefunden. Bis Himstedt explodierte: "Irgendwann hab ich gesagt: Du kannst das gerne weitermachen... Ich bin angeschnallt, ihr seid es nicht. Ich fahre jetzt da runter, knalle in den Zaun und dann fliegst du quer durch die Scheibe! Dann war Ruhe."

Der aufwendigste Dreh

Filmszene: hr-Tatort "Das letzte Rennen"

Ein Riesenevent, das nur einmal im Jahr stattfindet, war Dreh- und Angelpunkt in der Episode "Das letzte Rennen" (2006). Kommissar Fritz Dellwo alias Jörg Schüttauf nimmt darin am renommierten Frankfurt-Marathon teil, für den er monatelang trainiert hat. Die Kollegen wollen ihn davon abhalten, weil ein aus der Haft entflohener Schwerverbrecher Rache an Dellwo angedroht hat. Tatsächlich wird während des Massenstarts ein Läufer in der Nähe von Dellwo tödlich getroffen und noch während des Marathons beginnt die hektische Polizeiarbeit.

Für die Dreharbeiten waren bis zu sieben Drehteams an verschiedenen Standorten entlang der echten Marathon-Strecke im Einsatz. Sie fingen die Massen-Laufszenen aus verschiedensten Winkeln und den Einlauf in die Festhalle ein. Ein schweißtreibender Dreh, denn für die meisten Einstellungen galt: jetzt oder nie!

Der nasseste Drehort

Matthias Schweighöfer Tatort Weil sie böse sind

Laut Drehplan zum Tatort "Weil sie böse sind" (2010) sollte an einem bestimmten Tag eine bestimmte Szene am Frankfurter Osthafen gedreht werden. Allerdings hatte es davor zwei Stunden lang wie aus Kübeln geregnet, so dass alles komplett unter Wasser stand. Die Schlägerei, die dort inszeniert werden sollte, konnte unter diesen Bedingungen nicht gefilmt werden.

"Da haben wir dann wirklich mit dem gesamten Team inklusive aller Schauspieler diesen Drehort trockengelegt", erinnert sich Jörg Himstedt. "Indem wir mit Eimern und Lappen und allem möglichem anderen den Zustand von "nicht zu nass" wiederhergestellt haben." Mit mäßigem Erfolg: Letztendlich mussten sich die Schauspieler dann doch im Schlamm wälzen.

Die meisten Toten

Szene aus dem Tatort "Im Schmerz geboren"

Am häufigsten gestorben wurde - ganz klar - in der Folge "Im Schmerz geboren" (2014) mit Ulrich Tukur als Kommissar Felix Murot. Die aufmerksame Fangemeinde hat in diesem Tatort 53 Leichen gezählt, die meisten Toten forderte dabei eine Schießerei vor dem Wiesbadener Kurhaus. Normalerweise darf so viel Brutalität um 20.15 Uhr nicht gezeigt werden.

Die Drehbuchautoren und der Regisseur umgingen das aber mit einem Trick: Durch Zeitlupeneinstellungen, unterlegter klassischer Musik und besonderen Farbeffekten überhöhten sie diese Szene derartig, dass sie zum Teil eher wie ein bewegtes Gemälde wirkte. Jörg Himstedt schwärmt noch heute: "Es war eine gigantische Choreographie, mit Komparsen, mit echten SEK-Leuten, mit Schauspielern mit Special Effekts, also das war schon ziemlich irre."

Auch bei den Zuschauern schlug dieser Tatort ein: Zwar waren die Einschaltquoten nicht besonders hoch, aber dafür wurde im Netz noch tagelang über diese Folge diskutiert. Twitter-Nutzer setzten 20.557 Tweets ab - ein Rekord in der Tatort-Twitter-Geschichte.

Der lustigste Dreh

Szene aus Murot-Tatort "Wer bin ich?": hr-Redakteur Jens Hochstätt (Michael Rotschopf), "Tatort"-Regisseur Konrad (Justus von Dohnányi) und Ulrich Tukur, der sich selbst spielt.

Der Tatort "Wer bin ich" (2015) war ein Film im Film und inszenierte neben der Krimihandlung auch die Dreharbeiten zu einem fiktiven Fall. Die Schauspieler verkörperten sich zum Teil selbst und übertrafen sich mit Einfällen zu Ticks, die sie den Figuren verpassten. Der Schauspieler Wolfram Koch bekam für seine Filmfigur zum Beispiel permanenten Damenbesuch aufs Hotelzimmer.

Und bei einer - mittlerweile legendären - Szene in der hr-Kantine konnten sich die Schauspieler kaum einkriegen vor Lachen, berichtet Jörg Himstedt: "Da sitzt Justus von Dohnányi, der den Regisseur des fiktiven Films spielt, bei einer Drehbesprechung am Tisch und hat die ganze Zeit gegessen, hat das Biergulasch mit Inbrunst in sich hineingeschaufelt. Und da kam es zu regelrechten Lach-Flashs beim Filmteam." Das Biergulasch gibt es seit diesem Tatort-Dreh übrigens regelmäßig im Angebot der hr-Kantine.

Der frechste Tatort

Ein nackter Mann, nur mit einem Handtuch um die Hüften, läuft durch ein mäßig beleuchtetes Zimmer.

Kamerafahrt im Tatort "Falscher Hase" (2019) in Minute 45: Einer der Tatbeteiligten, gespielt von Friedrich Mücke, ist längere Zeit erst von hinten im Bild, dann auch in Großaufnahme von vorne - vollkommen nackt, das Gemächt ist deutlich zu sehen. Auch diese Szene ist hart an den FSK-Auflagen der Hauptsendezeiten entlanggeschrammt.

Regisseurin Emily Atef setzte sie aber ganz bewusst ein, erinnert sich Jörg Himstedt: "Sie fand es ganz lustig, das Klischee mal zu drehen, weil sonst ja fast immer nur nackte Frauen bei Schlafzimmerszenen zu sehen sind. Und der Schauspieler hatte damit auch kein Problem, denn der kommt vom Theater und wenn man dort ein bisschen provozieren möchte, dann ziehen die alle schnell die Hose runter."

Der langweiligste Tatort

Karl-Heinz von Hassel als Kommissar Brinkmann im Tatort "Havarie"

Jeder Tatort hat seine Fans und seine Kritiker. Viele Zuschauer fanden etwa die Murot-Folge "Wer bin ich?" langweilig, weil ihnen die Krimihandlung zu kurz kam. Andere fanden die Folge "Die Guten und die Bösen" unspannend, weil sich der Täter als solcher schon in den ersten 15 Minuten zu erkennen gab.

Der Fachmann, hr-Spielfilm-Leiter Jörg Himstedt, tat sich schwer mit der Figur des Edgar Brinkmann, von 1985 bis 2001 von Karl-Heinz von Hassel verkörpert: "Mit ihm konnte ich tatsächlich nichts anfangen, ich fand selbst die Dreharbeiten wahnsinnig langweilig", erzählt Himstedt. "Es war wahnsinnig statisch, es passierte nicht viel - ich fand die Filme unheimlich dröge."

Bildergalerie

Bildergalerie

zur hr.de Bildergalerie 50 Jahre Tatort - Hessische Ermittler*innen

Ende der Bildergalerie

Sendung: hr2-kultur, 27.11.2020, 10.55 Uhr