Ein Kleinkünstler auf der farbig beleuchteten Bühne.

Leere Bühnenräume bei laufenden Kosten: Die Corona-Krise bringt Künstler und Veranstalter in finanzielle Nöte. Die Landesregierung will mit einem Fonds und Stipendien helfen.

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Die Corona-Krise trifft die Kulturbranche besonders hart: Großveranstaltungen sind noch bis mindestens August abgesagt. Theater, Museen und Kinos dürfen zwar seit ein paar Tagen wieder öffnen - allerdings unter strengen Abstands- und Hygieneregeln. Das Land Hessen hat nun ein umfassenderes Hilfspaket für die Kunst- und Kulturbranche auf den Weg gebracht. Die Details erläuterte Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) am Montag in Wiesbaden.

Demnach stellt das Land insgesamt 50 Millionen Euro für die Kunst- und Kulturbranche zur Verfügung. Die Hilfen sollen sowohl während der Corona-Pandemie greifen, als auch danach.

"Kunst und Kultur elementarer Bestandteil des Lebens"

"Kunst und Kultur sind elementarer Bestandteil unseres Lebens", begründete Ministerin Dorn das Hilfsprogramm. Sie seien für eine vielfältige, offene, kreative Gesellschaft, für die Reflexion über die Welt und als Ausdrucksform von Menschen unverzichtbar.

Die Hilfen für Kulturschaffende gliedern sich in drei Bausteine. Neben Soforthilfen geht es dabei darum, den Übergang und innovative Ansätze für die Zeit nach der Corona-Krise zu fördern.

Soforthilfen für Festival-Veranstalter

Festival-Veranstalter, die wegen der geltenden Corona-Auflagen ihre Veranstaltungen absagen oder in den digitalen Raum verlegen müssen, können neben den bereits laufenden Hilfsprogrammen für Kleinunternehmen und Vereine weitere Soforthilfen beantragen.

Die Höhe richtet sich nach der Zahl der im Schnitt der vergangenen drei Jahre verkauften Eintrittskarten. Für öffentlich getragene Festivals erhalten die Veranstalter 2,50 Euro je Ticket, private oder von gemeinnützigen Vereinen getragene Festivals werden mit 5 Euro je Ticket unterstützt. Diese Soforthilfen sind auf insgesamt 500.000 Euro gedeckelt. Die Anträge können Veranstalter vom 1. Juni bis 30. November beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst stellen.

Arbeitsstipendien für freie Künstler

Für den Übergang aus der Corona-Krise können freie Künstler ab 1. Juni Arbeitsstipendien in Höhe von einmalig 2.000 Euro beantragen. Damit will ihnen das Kulturministerium ermöglichen, noch während der Corona-Krise neue Projekte zu erarbeiten. Die Förderung richtet sich an alle in Hessen lebenden und in der Künstlersozialkasse versicherten Kulturschaffenden - also etwa an Schauspieler oder Sänger, aber auch an freie Journalisten. Die Hessische Kulturstiftung stellt dafür im Auftrag des Landes einen zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung.

Das Stipendium kann ab 1. Juni über die Hessische Kulturstiftung beantragt werden und wird laut Ministerin Dorn nicht als Einkommen auf Grundsicherungsleistungen angerechnet.

Kulturfonds "innovativ eröffnen"

Auch über die Corona-Pandemie hinaus sollen Kulturschaffende Unterstützung erhalten. Der Fonds "innovativ neu eröffnen" richtet sich an Kultureinrichtungen mit regelmäßigen Veranstaltungen wie Kinos, Konzertsäle und Musik-Locations, aber auch Freie Bühnen oder Literaturhäuser.

Sie können etwa für die coronabedingte Entwicklung neuer Formate, Umbauten oder Öffentlichkeitsarbeit jeweils 18.000 Euro erhalten. 500 solcher Fonds-Pakete sollen voraussichtlich ab dem 1. Juli über Anträge beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst vergeben werden.

Projektstipendien für freie Gruppen und Einzelkünstler

In der Zeit der Pandemie sind laut Kulturministerin Dorn viele neue Ansätze für Kulturveranstaltungen und künstlerische Formate entstanden. Diese sollen realisiert und dokumentiert werden. An freie Gruppen und Einzelkünstler vergibt das Kulturministerium dafür Projektstipendien. Es stehen Mittel für 250 Gruppen in Höhe von je 18.000 Euro sowie für 1.000 Künstler in Höhe von je 5.000 Euro zur Verfügung. Diese Förderung hängt von der Bewertung der Projekte durch eine Fachjury ab. Bewerbungen für diese Stipendien können ausschließlich vom 1. bis 8. August 2020 online eingereicht werden.

Die Landtagsopposition bezeichnete das Paket des Landes als nicht ausreichend. Zudem habe es sehr lange gedauert, bis die Regierung tätig geworden sei. Durch die Koppelung der Hilfen an die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse bleiben Menschen unberücksichtigt, die freiberuflich im Kulturbereich arbeiten, aber dort keine Mitglieder sind. Das betreffe etwa den ganzen Bereich der Veranstaltungstechnik, kritisierte die Linke.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.05.2020, 19.30 Uhr