Panorama-Bild vom zerstörten Frankfurt

Mit einem Friedenskonzert in Wiesbaden sollte ursprünglich an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erinnert werden. Doch Corona zwingt die Organisatoren zum Ausweichen - ins Internet.

Am Ende lief für das Wiesbadener Staatstheater alles auf Plan C hinaus. "C wie Corona", könnte man sagen, denn die anhaltende Pandemie hat in Hessen auch dem offiziellen Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Stempel aufgedrückt. Angedacht waren Konzerte vor Publikum, Ansprachen von Politikern, ein großer Staatsakt im Herzen der Landeshauptstadt. Geblieben ist am Ende eine rein virtuelle Veranstaltung.

Live-Stream statt Live-Konzert

Am Programm selbst hat sich dabei eigentlich wenig verändert. Nach wie vor steht das vom britischen Komponisten Benjamin Britten geschriebene "War Requiem" im Mittelpunkt. Ein 90-minütiges Werk, das dem Andenken der Opfer des Zweiten Weltkriegs gewidmet ist und erstmals 1962 im einst von deutschen Terrorbombern zerstörten Coventry Premiere feierte.

Komponist Benjamin Britten

Ursprünglich sollte das Requiem am Abend des 8. Mai im Großen Saal des Staatstheaters Wiesbaden ertönen - im Rahmen der Internationalen Maifestspiele. Die Besetzung wäre international gewesen: Eine Sopranistin aus Russland, ein Tenor aus Großbritannien, ein Bariton aus Deutschland. Dazu Chöre aus Deutschland, Frankreich und Polen. Ehemalige Kriegsgegner gemeinsam auf einer Bühne. An den beiden darauf folgenden Tagen wäre das Konzert in Hanau und Darmstadt wiederholt worden.

Weitere Informationen

Der Live-Stream

Die Video- und Ton-Installation zum 75. Jahrestag des Kriegsendes ist ab Freitag, 8. Mai, 19 Uhr für 24 Stunden auf der Sonderseite des Staatstheaters Wiesbaden abrufbar.

Ende der weiteren Informationen

Nach wie vor soll das "War Requiem" am kommenden Freitag erklingen. Allerdings nicht mehr im Staatstheater, sondern im Netz. Live-Stream statt Live-Konzert. Ein Staatsakt bleibt es dennoch. Landesregierung, Landtag und die Stadt Wiesbaden fungieren als Schirmherren.

Keine Projektion an die Theaterfassade

Brittens Requiem wird dabei zum Teil einer Video- und Audio-Installation, in der sich Musik und gesprochenes Wort abwechseln. Zwischen den einzelnen Abschnitten des Requiems sind dabei etwa die letzte Radio-Ansprache Hitlers, die Kapitulationserklärung durch Karl Dönitz aber auch die Rede von Bundespräsident Richard von Weizäckers von 1985, in der dieser den 8. Mai als "Tag der Befreiung" bezeichnete, zu hören.

Knapp drei Stunden lang ist die Installation. Von der Idee, sie durch Projektion an die Außenfassade des Staatstheaters einem größere Publikum zugänglich zu machen, haben die Organisatoren inzwischen endgültig Abstand genommen. Dieser "Plan B" allerdings soll in naher Zukunft nachgeholt werden - sobald Corona es zulässt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.05.2020, 19.30 Uhr