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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Auf die Idee muss man erst einmal kommen"

Blick auf den Kubus.

Corona macht erfinderisch: Damit die Konzerte des Rheingau Musik Festivals unter den aktuellen Hygieneregeln stattfinden können, haben die Organisatoren einen mobilen Konzertsaal gebaut - und der ist satte 900 Quadratmeter groß.

Ein Dutzend Monteure wuseln mit Holzleisten und Werkzeug umher, der Boden ist mit Sägespänen bedeckt: Am Schloss Johannisberg entsteht derzeit ein mobiler Konzertsaal für das Rheingau Musik Festival.

Ein bisschen verrückt, diese Idee, sagt Techniker Matthias Becker lachend: "Es war schon immer so, dass wir verrückte Ideen hatten, und dann versucht haben, sie so zu konkretisieren, dass sie am Ende umsetzbar waren."

Holz, Stahl und Glas fügen sich hier in geradliniger Architektur zu einem Kubus. 900 Quadratmeter groß, acht Meter hoch, passgenau zwischen die historischen Wirtschaftsgebäude im sogenannten Cuvéehof und eine mächtige, alte Zeder gezwängt.

Aufgeben war keine Option

Festival-Intendant Michael Herrmann, der in der Nähe wohnt, schaut regelmäßig vorbei, wie der Bau vorangeht. "Das ist eine Riesenherausforderung", gibt er zu. "Aber wir mussten diese Herausforderung annehmen, weil wir in den Fürst-von-Metternich-Saal nach Hygienebestimmungen nur 80 bis 100 Personen reinbringen durften. Normalerweise gehen 450 rein."

So viele Zuhörer braucht es auch, damit sich Kammerkonzerte mit namhaften Ensembles, aber auch jungen Künstlern rechnen.

Das Schloss Johannisberg als Spielstätte aufgeben war keine Option, denn es gehört seit Beginn zum Festival. Also musste eine temporäre Lösung her - und auf die muss man erst einmal kommen.

"Wir machen das"

Skizze des Konzert-Kubus für das Rheingau Musik Festival

"Ich würde sagen, man muss nicht nur darauf kommen, man muss es sich auch zutrauen", erklärt Geschäftsführer Marsilius von Ingelheim augenzwinkernd. "Und das Team von Matthias Becker, das sagte: Wir machen das. Und wir machen das vor allem in Eigenregie."

Becker ist gelernter Tontechniker und ein Mann der ersten Stunde beim Festival. Er zog Europas größtes Akustik-Büro zu den Planungen hinzu. Spezielle Wandstrukturen und ein Deckensegel sollen nun dafür sorgen, dass sich der Schall im Konzertsaal selbst verstärkt.

Im Schachbrettmuster-Sitzplan finden 550 Zuhörer Platz, regulär sogar 1.200. Damit ist der neue Kubus der größte Kammermusiksaal weit und breit.

Das Festival als Pionier

Der 57-jährige Becker sieht sich als Pionier: "Das hat noch keiner gemacht. Zumindest in Europa habe ich noch keinen gesehen. Sonst hätten wir ihn ja angemietet." Die Pianistin Gabriela Montero weiht den Konzert-Kubus am 1. Juli ein.

Anfang September, wenn das Rheingau Musik Festival zu Ende geht und sich im Schloss Johannisberg die Weinlese ankündigt, bauen Matthias Becker und seine Mannschaft den Kubus wieder ab. Auf 30 LKW verpackt kann er dann ins Zwischenlager oder zum nächsten Einsatz fahren.

Die Investition von einer halben Million Euro wird zur Hälfte aus dem Bundesprogramm Neustart Kultur gefördert, sagt Marsilius von Ingelheim: "Der Kubus hat eine Lebensdauer von ungefähr 15 Jahren, haben wir mal geschätzt, und er wird uns begleiten. Wo er allerdings stehen wird in den nächsten Jahren, das ist noch offen, aber er wird auf jeden Fall Hauptspielort des Festivals auch in den nächsten Jahren."

Weitere Informationen

Das Rheingau Musik Festival

Das Rheingau Musik Festival beginnt am Samstag (26. Juni) im Kloster Eberbach in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Das Eröffnungskonzert wurde in diesem Jahr als Benefizkonzert des Bundespräsidenten ausgewählt. Den Auftakt macht das hr-Sinfonieorchester mit Musik von Sibelius und Mendelssohn-Bartholdy. Bis Anfang September bietet das Festival mit rund 190 Konzerten einen Mix aus Klassik, Jazz und Weltmusik. Schwerpunkte sind in diesem Jahr Mozart und dem Tango-Revolutionär Astor Piazolla gewidmet. Bislang musste nur ein einziges Konzert abgesagt werden, weil die Künstler aus einem Virus-Variantengebiet nicht einreisen dürfen - das der britischen Band Smokie. Bei den Konzerten gelten Abstands- und Hygieneregeln. Eingelassen wird nur, wer getestet, geimpft oder genesen ist.

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