Affen in der Altstadt Frankfurt
Die Affengruppe macht sich die Frankfurter Altstadt zu eigen. Bild © Katrin Kimpel

Die Affen sind los: Sie kommen in Rudeln und durchkämmen die neue Frankfurter Altstadt. Was das soll?

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hs

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Sie rennen, sie schleichen, sie gestikulieren: Rund 40 Affen bewegen sich durch die neue Altstadt in Frankfurt. Die Passanten sind verwirrt, lachen und zücken ihre Smartphones - ein tolles Motiv.

Das Performancekollektiv Ligna hat die Affeninvasion mit starken Anlehnungen an den Science-Fiction-Film "Planet der Affen" inszeniert, die Teilnehmer sind Theaterbesucher, die sich für die Veranstaltung ein Ticket gekauft haben. Jeder Teilnehmer bekommt eine Affenmaske und einen grauen Mantel im Kimono-Style, unter der Maske trägt jeder Kopfhörer. Darüber werden Musik und Text gesendet - und Anweisungen, was der Affe tun soll, wenn er in der Stadt unterwegs ist.

"Die Teilnehmer sind nicht als Personen sichtbar. Die schützende Maske gibt ihnen einen Handlungsraum, den sie sonst nicht haben", sagt Künstler Ole Frahm von Ligna.

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"Invasion vom Planet der Affen"

"Invasion vom Planet der Affen"
Performance, Uraufführung
Ligna (Frankfurt/ Hamburg/ Köln)
Mousonturm Koproduktion

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Ziel der Affengruppe ist die neue Altstadt, die in zwei Wochen offiziell und ganz feierlich eröffnet werden soll und mit ihrer nostalgischen und kleinteiligen Architektur polarisiert.

Über die Kopfhörer bekommen die Affen etwa die Anweisung, sich auf dem neuen Hühnermarkt an die Häuserwände zu stellen und zu versuchen, die Wände wegzudrücken. "Mauern wegdrücken ist ein Bild dafür, dass alles, was gebaut wird, natürlich nicht für die Ewigkeit gebaut ist", sagt Frahm.

Das ergebe ein allgemein entspannteres Verhältnis zur Architektur - gut für alle, die die neue Altstadt für nicht gelungen halten. "Wir wollen fragen, ob das wirklich der richtige Raum ist, um in die Zukunft zu schauen."

Affenmasken, Künstler Ole Frahm im Kostüm
Die Affenmasken liegen für die Teilnehmer bereit. Künstler Ole Frahm hat die Transformation schon geschafft. Bild © Katrin Kimpel

Mit der Affeninvasion will das Künstlerkollektiv aber nicht nur die Architektur in Frankfurt in Frage stellen. Es ist auch die Suche nach der eigenen Herkunft: Woher kommt man? Wo befinde man sich in der Welt? Es geht auch um den Perspektivwechsel: "Wie bei Planet der Affen, dessen Faszination es ja schließlich ist, sich vorzustellen, dass die Welt mal komplett von Affen übernommen wird", so Frahm.

Selfies mit Affen und ein Gefühl von Freiheit

Die Passanten auf dem Eisernen Steg, dem Römer und in der neuen Altstadt um den Hühnermarkt reagieren heftig auf die Aktion, Verwirrung wird deutlich. "Soll das das Affentheater darstellen, das die Politik derzeit aufführt?", fragt ein Passant.

Affenselfie mit Touristen
Uah! Was ist das? Affenselfie mit Touristen Bild © Katrin Kimpel

Viele Smartphones werden gezückt, die Affen fotografiert und die Affen fotografieren zurück - eine Anweisung, die über die Kopfhörer kommt mit der Aufforderung, die Bilder in den sozialen Medien unter #altstadtaffen zu posten.

"Ich habe die Stadt noch nie so absurd erlebt wie heute", sagt Deniz. Der 26-Jährige hat die rund 70 Minuten dauernde Tour im Affenkostüm mitgemacht. "Im Schutzmantel der Maske habe ich mich seltsam und frei gefühlt." Verwirrend sei das gewesen, sagt Teilnehmer Adrian. Im Affenkostüm sei er ein anderer gewesen und habe die Menschen wie im Film als Feinde wahrgenommen.