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Vor 20 Jahren: Das Aus der D-Mark

Eine Verkäuferin hält ein Bündel D-Mark-Scheine hoch.

Vor zwanzig Jahren wurde die D-Mark als Zahlungsmittel vom Euro abgelöst. Doch die alte Währung ist nicht tot zu kriegen. Vielleicht, weil in der alten D-Mark so viel Hessen steckte? Fünfmal Angeberwissen für hessische Patrioten.

Am 28. Februar 2002 durfte zum letzten Mal in Geschäften mit der alten D-Mark bezahlt werden. Seit zwanzig Jahren zahlen wir nun also mit Euro und Cent - trotzdem sind offenbar noch viele D-Mark-Scheine und Pfennig-Münzen im Umlauf. Die Bundesbank schätzte Ende November 2021 den ausstehenden Gesamtwert auf 12,35 Milliarden Mark (6,31 Mrd Euro).

Immerhin hat die Bundesbank im Jahr 2021 noch Scheine und Münzen im Nennwert von über 2,1 Millionen D-Mark in Euro umgetauscht. Aber manches davon wird wahrscheinlich nie umgetauscht werden - etwa weil Sammlerinnen und Sammler sich alte Scheine und Münzen gesichert haben. Sicher sind auch viele aus Hessen darunter - denn so viel Hessen steckte in der alten Währung:

1. Frankfurter Grafikdesigner entwarf den ersten Schein

Max Bittrof ist mit der D-Mark auf kreative Weise verbunden. Der Frankfurter Lithograf, Grafikdesigner und Briefmarkenkünstler entwarf bereits 1948 Geldscheine für die Bank Deutscher Länder - also dem Vorläufer der Bundesbank. Seine 5-, 50- und 100-D-Mark-Entwürfe eroberten die deutschen Haushalte.

Mit seinem 5-DM-Schein löste er eine heftige Debatte aus: Er wählte als Motiv die mythische Frauenfigur Europa. Bitroff zeigte sie nackt auf einem Stier. Das stieß vielen prüden Gemütern übel auf.

Als sich der Künstler 1959 - zwei Jahre nach der Gründung der Bundesbank - bei einer erneuten Ausschreibung mit Entwürfen für die D-Mark-Scheine bewarb, wurde er nicht mehr ausgewählt. Seine Entwürfe schafften es diesmal nur in die Ersatzserie.

2. 50-DM-Gesicht im Frankfurter Städel

Ölgemälde eines Mannes im Pelzmantel mit Kind

Der 50-D-Mark-Schein zeigte bis 1995 einen Mann mit ausladendem braunem Hut: Hans Urmiller, ein deutscher Jurist und Richter aus dem 16. Jahrhundert. Urmillers berühmtes Konterfei wurde von Barthel Beham gemalt, einem Schüler Albrecht Dürers. Das Originalgemälde, auf dem Urmiller übrigens nach rechts schaut, befindet sich noch heute im Frankfurter Städel.

3. Hessische Promis auf kleinen und großen Scheinen

Ab 1989 wurde die letzte Serie der alten D-Mark-Scheine gedruckt. Das war notwendig geworden, weil moderne Farbkopierer das Fälschen einfacher machten. Ein Gremium aus Historikern wurde beauftragt, die Persönlichkeiten festzulegen, die auf den Banknoten erscheinen sollten. Zur Auswahl standen rund 80 Personen, wobei auf Top-Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller und Dürer bewusst verzichtet wurde.

Alte D-Mark-Scheine

Frankfurts berühmtester Sohn schaffte es also nicht in den erlesenen Kreis. Von den acht D-Mark Persönlichkeiten sind über die Hälfte mit Hessen und Frankfurt eng verbunden:

  • Auf dem 5-DM-Schein ist die in Frankfurt geborene Schriftstellerin Bettina von Arnim, geborene Brentano, zu sehen.
  • Die in Frankfurt verstorbene Komponistin Clara Schumann wurde auf dem blauen 100-D-Mark Schein verewigt.
  • Für den Frankfurter Mediziner und Forscher Paul Ehrlich, Nobelpreisträger und Mitbegründer der modernen Chemotherapie, wurde der orangerote 200-D-Mark Schein reserviert.
  • Auch Maria Sibylla Merian wurde im Jahr 1647 in Frankfurt geboren. Sie war Malerin, Kupferstecherin und Naturforscherin. Ihr Porträt ziert die Vorderseite des 500-DM-Scheins.
  • Der wertvollste Schein der letzten D-Mark-Serie, der 1.000er, zeigt die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm, Sprachwissenschaftler und Sammler deutschen Sprach- und Kulturguts. Hinter ihnen sind Teile der Stadt Kassel zu sehen, wo sie lange Zeit lebten. Die Rückseite zierte übrigens der Limburger Dom.

4. Offenbacherin schmückte das 50-Pfennig-Stück

Ältere Dame hält ein Foto des 50-Pfennig-Stücks hoch.

Auch eine Münze ist eng mit einer Hessin verbandelt: mit der Offenbacher Künstlerin Gerda Jo Werner. Auf der Rückseite der 50-Pfennig-Münze war eine Frau zu sehen, die kniend einen Setzling pflanzt. Geschaffen wurde die Abbildung 1949 von Werners Ehemann Richard.

Richard M. Werner reichte bei einem Wettbewerb seinen Entwurf ein, für den er einen Akt seiner Frau mit verhüllenden Tüchern verfremdete. Werners Entwurf der jungen Eichen-Pflanzerin überzeugte auf Anhieb und wurde einstimmig ausgewählt. Nach eigenem Bekunden wollte er damit die unzähligen Trümmerfrauen ehren.

5. Der "Homburger Plan" und "Konklave von Rothwesten"

Von Juli 1947 bis Juni 1948 traf sich in Bad Homburg (Hochtaunus) regelmäßig eine Expertenkommission, um die Währungsreform vorzubereiten. Geleitet wurde die "Sonderstelle Geld und Kredit" vom späteren Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard. Die Kommission erarbeitete den "Homburger Plan", in dem die Neuordnung des Geldwesens in Deutschland durchgespielt wurde.

In der Gemeinde Fuldatal (Kassel) erblickte 1948 die neue D-Mark das Licht der Welt. In einer von den amerikanischen Streitkräften besetzten Kaserne kamen elf deutsche Finanzexperten zusammen. Unter der Leitung des US-Volkswirtschaftlers Edward Tenenbaum sollten sie beim "Konklave von Rothwesten" die gesetzlichen Grundlagen der Währungsreform schaffen.

Sieben Wochen arbeiteten sie abgeschieden von der Außenwelt und unter absoluter Geheimhaltung. Das Währungsreformmuseum in Rothwesten erinnert noch heute daran.