Blick über Frankfurts Dächer
"Spiegelung vom Dach des Fleming's Hotel am Eschenheimer Turm" Bild © Torsten Andreas Hoffmann

Die Stadt Frankfurt hat es ihm angetan: Wo sonst in Deutschland gibt es eine solche Skyline für einen Fotografen? Seine Begeisterung - und auch Wut - hat der Fotograf Torsten Andreas Hoffmann nun in einen Bildband gepackt.

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Mann schaut in Kamera

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In der Leica Galerie in Frankfurt ist Torsten Andreas Hoffmann bereits verewigt. Dort, wo wir uns treffen, hängen seine Bilder als Fototapete an der Wand. An diesem Wochenende präsentiert Hoffmann hier seinen Fotoband "Frankfurt - Stadt der Kontraste". Der gebürtige Rheinländer hat etliche Jahre in der Stadt am Main gelebt, sie hat ihn inspiriert und wohl auch eine entscheidende Rolle gespielt, dass er hier seine Karriere als Fotograf begann.

Auf Entdeckungstour zu gehen, durch Frankfurt zu streifen, auf Gebäude zu klettern, ungewöhnliche Orte und Blickwinkel auszutesten, Stadtentwicklung zu dokumentieren: Das fasziniert Hoffmann. "Ich liebe grafische Formen, und die finden sich am stärksten in der Architektur", sagt er.

Magische Augenblicke

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Für Fotofans

Hoffmann bearbeitet seine Farbbilder mit Lightroom. Für die Umwandlung in Schwarz-Weiß benutzt er Silver Efex. Für das Fine Tuning setzt er Photoshop ein.

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Hoffmann fotografiert in Farbe und wandelt die Ergebnisse in Schwarz-Weiß um. Er arbeitet mit drei Bildbearbeitungsprogrammen. So erhält er seine kontrastreichen Bilder, die die Stadt und ihre Häuser, aber auch Menschen in ihrer Umgebung magisch wirken lassen. Fast so, als wären sie der Realität entrückt.

Der Himmel über Frankfurt

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Auch der Himmel wirkt auf Hoffmanns Fotografien alles andere als gewöhnlich. "Ich liebe diese surrealen Atmosphären", sagt er, "die Magie des Himmels ist bei der Schwarz-Weiß-Fotografie ganz besonders wichtig." Sein Blick auf die Dinge sei dabei ein ausgesprochen subjektiver. "Ich möchte ganz bewusst Emotionen in die Bilder bringen, und das geht gut über diese Himmelstimmungen."

Manche Blicke auf die Stadt dürften selbst eingefleischten Frankfurtern noch nicht aufgefallen sein. Wenn er zum Beispiel die Turmspitze des Doms durch das Gitterraster der My-Zeil-Passage fotografiert oder die Fassade des Eurotowers mit der des 400 Meter entfernten Maintowers optisch zusammenbringt.

Über 15 Jahre lang hat Hoffmann den Aufbau des Europaviertels dokumentiert - und dabei nicht nur Schönes gesehen. Bei ihm hat sich der Eindruck verfestigt, dass dort "hauptsächlich für die Upper Class" gebaut werde. Menschen aus dem danebenliegenden Gallusviertel erzählen Hoffmann, dass ihre Mieten um 200 Euro gestiegen seien, nur weil das Gallusviertel an das höherwertige Europaviertel angrenzt.

"Das ist das einzige, was mich an Frankfurt stört. Es ist das Zentrum eines aus dem Ruder gelaufenen Kapitalismus, der wenigen dient und vielen schadet." Da müsse der Staat eingreifen.

Gegensätze, Fluchten, Idyllen, Umbrüche

Sein Frankfurt-Buch hat Hoffmann in Kapitel mit Oberbegriffen wie "Gegensätze", "Fluchten", "Idyllen" und "Umbrüche" unterteilt. Diese Überschriften sind Programm für seinen Blick auf die Architektur der Stadt. Ein Kapitel ist der Neuen Altstadt gewidmet, deren Entstehung er mit seiner Kamera begleitet hat.

Fotografie von Frankfurt
Bild © Societäts-Verlag/ Torsten Andreas Hoffmann

Im Kapitel "Situationen" hat der Fotograf Alltagsszenen mit Stadtbewohnern zusammengestellt. Und ein schräger Humor blitzt auf, wenn er in "Idyllen" ein Bild aus dem Gallusviertel veröffentlicht, wo zwei Wandaufschriften miteinander konkurrieren: "Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden" thront über dem Hinweis der Stadt "Wir bauen. Die neue Linie U5 ins Europaviertel".

Die Dunkelkammer über der Badewanne

Zur Fotografie kam Hoffmann schon als 13-Jähriger: Da blickte er ganz neidisch auf die Kamera und die Dunkelkammer eines Freundes. Schon bald hatte er sich sein eigenes Fotolabor im Badezimmer über der Badewanne eingerichtet, bekam seine erste eigene Kamera, und los ging es mit der Schwarz-Weiß-Fotografie. "Mit 15 habe ich meine erste Spiegelreflexkamera bekommen, die wurde mir mit 18 in Marseille in der Jugendherberge gestohlen", erzählt er von den schwierigen Anfängen.

Mann steht vor Fotografie
Torsten Andreas Hoffmann vor seiner Fotografie von der Frankfurter Skyline Bild © hr

"Keiner wollte nach Frankfurt"

1977 bekam Hoffmann einen Studienplatz in Frankfurt zugewiesen. "Niemand aus meinem Studiengang wollte dahin. Frankfurt war damals die verrufenste Stadt Deutschlands", erinnert er sich lachend. Doch für ihn wurde das eine sehr schöne Zeit - wenn er sein Biologie- und Russisch-Studium auch vorzeitig an den Nagel hängte und vorerst nach Braunschweig weiterzog, um Kunstpädagogik mit Schwerpunkt Fotografie zu studieren.

Nach ersten Fotoerfahrungen in den USA lebte er zunächst von ABM-Stellen, fotografierte aber immer weiter. "Nachdem ich mich definitiv für die Fotografie entschieden habe, ging es auch ganz gut nach oben, auch wenn man davon nicht reich wird", sagt er.

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International geschätzter Fotokünstler

Mittlerweile ist Hoffmann mehrfach ausgezeichnet, er gewann unter anderem 2017 als auch 2018 den 2. Preis des Monochrome Award im Bereich Architektur und war auf der Architekturbiennale in Venedig mit seinen Arbeiten vertreten. Magazine wie Geo, Merian oder mare haben seine Fotos veröffentlicht.

Hoffmann hat mehr als 20 Bildbände und Bücher rund ums Fotografieren herausgebracht, mit denen er auch international bekannt wurde. Sein Buch "Die Kunst der Schwarzweißfotografie" etwa wurde in sechs Sprachen übersetzt und für den Deutschen Fotobuchpreis 2008 nominiert. Bekannt ist er auch für seine Essays in Fotozeitschriften wie etwa c't Digitale Fotografie. Sein umfangreiches Wissen gibt Hoffmann in Fotoworkshops weiter.

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