Traumberuf Artist? Die Freunde Karim El Nakib und Raoul Rogula haben diesen Beruf gelernt und sind derzeit auf Tour auch durch Hessen. Trotz Pandemieauflagen und Verletzungsrisiko können sich die beiden nichts Schöneres vorstellen, wie sie im Interview erzählen.

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Audioseite Artist: Traumberuf seit der Schulzeit für das Duo "Kraoul"

Raoul und Karim bei einer Hebefigur
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In einem Moment emotional, im anderen hektisch und energiegeladen: Mit ihren Darbietungen will das Artisten-Duo Kraoul sein Publikum nach eigener Aussage berühren. Karim El Nakib und Raoul Rogula treten immer zusammen auf, das soll auch ihr Künstlername Kraoul symbolisieren. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt schon zu Schulzeiten in der Zirkus-AG.

Ihren Beruf haben sie richtig gelernt an der Staatlichen Artistenschule in Berlin. Nach Abschluss ihrer Ausbildung im Jahr 2020 sind die beiden 22 Jahre alten Darmstädter seit Mitte Juli auf Absolvententour durch Deutschland. Am 16. August stehen sie in Marburg und vom 26. bis 29. August in Darmstadt auf der Bühne. Wie sie mit Blackouts umgehen, welchen Einfluss die Pandemie auf ihre Arbeit hat und was sie sich von der Tour erhoffen, erzählen sie im hessenschau.de-Interview.

hessenschau.de: Wenn Sie auf einer Party erzählen: "Mein Beruf ist Artist" - wie reagiert Ihr Gegenüber in den meisten Fällen?

Rogula: Ich habe erst gerade jemanden im Restaurant kennengelernt. Er hat auch gefragt, was ich beruflich mache. Und er wusste gar nichts mit dem Beruf anzufangen und meinte: "Ah cool und wo arbeitet man denn damit?". Da war er ganz interessiert. Das war so eine Real-Life-Story. Meistens wissen die Menschen nichts damit anzufangen.

hessenschau.de: Wie sind Sie beide zu dem Berufswunsch Artist gekommen?

Das Artisten-Duo bei einer ihrer ersten Hebefiguren am Meer

El Nakib: In der Zirkus-AG unserer Schule haben wir einmal die Woche Training gehabt. Da habe ich noch Partnerakrobatik mit einem Mädchen gemacht und Raoul hat jongliert. Aber irgendwann sind wir von dort aus zum Kinder- und Jugendzirkus gekommen und haben da Partnerakrobatik gemacht. 2016 sind wir dann zum European Youth Circus in Wiesbaden gegangen. Dort haben wir Leute von der Staatlichen Artistenschule Berlin kennengelernt und dadurch kam uns die Idee, das beruflich zu machen und wir haben uns als Duo beworben.

hessenschau.de: Warum haben Sie sich für die Partner- und nicht für die Soloakrobatik entschieden?

Rogula: Wir können einfach nicht allein, glaube ich.

El Nakib: Und wir sind auch beste Freunde. Da war das relativ klar, dass wir zusammen nach Berlin ziehen. Und dass wir zusammen auf die Schule gehen und nichts solo machen wollen. Auch bei Blackouts auf der Bühne ist das gut: Dadurch, dass wir zu zweit sind geht es ganz gut, das zu überspielen. Der andere weiß immer irgendwie, wo es weiter geht.

hessenschau.de: Wie sind die Reaktionen der Zuschauenden auf Ihre Darbietungen? Ist Ihnen da ein konkretes Erlebnis im Kopf geblieben?

Rogula: Letztes Jahr waren wir auch schon auf der Absolvententour dabei und dann haben wir nach einem Spielort eine E-Mail von einem Zuschauer bekommen. Er hat geschrieben wie begeistert er von uns sei und dass er bei unserer lustigeren Nummer ganz fröhlich war, dass die Sonne aufgegangen sei. Ihm seien dagegen bei unserer ruhigeren Nummer die Tränen gekommen. Das hat uns sehr berührt.

hessenschau.de: Wie gefährlich ist der Beruf Artist*in?

Rogula: Schon relativ gefährlich. Also ich habe mich die Tage auch verletzt. Das wird aber wieder. Es ist immer ein Risiko da, dass man sich verletzten kann. Dem kann man natürlich vorbeugen mit gutem Aufwärmen und Krafttraining.

hessenschau.de: Ihr Beruf ist an körperliche Fitness gekoppelt. Gibt es einen Plan B für das Alter?

El Nakib: Entweder man stellt die Darbietung so um, dass sie später noch funktioniert. Oder man wird Trainer oder Trainerin. Es gibt viele Möglichkeiten, aber wir wollen so lange wie möglich auf der Bühne stehen und werden das auch immer wieder versuchen durchzuziehen, wenn es irgendwie geht.

hessenschau.de: Wie geht es für Sie nach der Absolvent*innentour weiter?

El Nakib: Letztes Jahr nach Abschluss der Ausbildung war ja Corona und da hatten wir nur sehr wenige Auftritte. Deswegen wurden wir auch gefragt, ob wir dieses Jahr nochmal mit auf Tour gehen wollen. Wir versuchen natürlich, so viele Jobs wie möglich zu bekommen, was letztes Jahr eben nicht funktioniert hat. Aber ich glaube, die jetzige Tour ist ein guter Anfang, um nochmal gesehen zu werden und vielleicht mehr Auftritte zu bekommen. Varieté oder Zirkus können wir uns auch gut vorstellen. Alles auf der Rundbühne macht einfach Spaß, weil man viel mehr mit dem Publikum interagieren kann.

Rogula: Zum Teil ist das auch noch Nostalgie, wegen des Kinder- und Jugendzirkus. Damals war das auch eine Rundbühne.

hessenschau.de: Inwiefern hat die Pandemie Ihre Arbeit verändert?

Ein Portrait der beiden Artisten

El Nakib: Wir konnten in Berlin zur Corona-Hochphase kaum trainieren, weil die Hallen geschlossen waren. Wir haben dann viel im Garten trainiert und sind nach Darmstadt zu unserem alten Kinderzirkus gefahren. Dort durften wir trainieren und die Halle nutzen, weil wir Profiartisten sind. Wir konnten auch keine Förderung beantragen, weil wir unsere Selbstständigkeit zu spät angemeldet haben.

hessenschau.de: Was haben Sie aus dieser Zeit gelernt?

El Nakib: Dass unser Beruf sehr unbeständig ist. Dass viel dazwischenkommen kann. Aber auch, dass man am Ball bleiben muss und es so schaffen kann.

Rogula: Wir haben den Worstcase miterlebt. Wir sind jetzt für alles gewappnet.

Das Gespräch führte Celine Schäfer.

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