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Ehrenamtliche Ausgräber entdecken Hügelgrab in Fulda

hessenschau vom 14.09.2022

In Großenlüder bei Fulda legt ein Team von Ehrenamtlichen ein altes Hügelgrab frei. Es könnte über 3.500 Jahre alt sein. Die zuständige Archäologin hofft nun, dass die Bürgerwissenschaftler weitergraben können.

Mitten im Wald bei Großenlüder (Fulda) ist eine bunte Truppe mit Schaufeln und Kelle angerückt, um einen Erdhügel zu untersuchen. Ältere und Junge, die meisten kommen aus der Gegend. Sie wollen belegen, was Archäologen schon lange vermuten: dass dieser Hügel ein Grab sein könnte.

Unter ihnen: Nina Reith, Gymnasiastin aus Bimbach. "Abtragen, abkratzen, abschaben", so beschreibt die 17-Jährige ihre Arbeit. Jedes Bröckchen, jeder unscheinbare Stein wird freigelegt und genau unter die Lupe genommen. Eine schmutzige Arbeit in sengender Sommerhitze – aber Nina findet sie spannend. Seit drei Jahren ist sie Mitglied im Arbeitskreis Archäologie in Fulda und das ist ihre erste Ausgrabung.

Bürgerwissenschaftler im Einsatz

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Wenn aus Bürgern Archäologen werden

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"Citizen Science" oder "Bürgerwissenschaft" heißt es, wenn interessierte Laien Wissenschaftler unterstützen oder auch eigene Forschungsprojekte durchführen. Häufig geht es darum, großräumige oder langfristige Beobachtungen zu machen oder große Datenmengen auszuwerten. In Großenlüder dagegen können die Wissenschafts-Interessierten ganz handfest mitarbeiten.

Junge Frau mit Zopf steht im Wald, im Hintergrund arbeiten Leute.

Eine Woche lang bearbeitet der Grabungstrupp den Hügel im Wald. Schon nach zwei Tagen tauchen die ersten Steine im senkrechten Schnitt durch den Hügel auf. Der Fuldaer Kreisarchäologin Milena Wingenfeld ist sofort klar, was das zu bedeuten hat. Diese Brocken liegen nicht zufällig so zusammen. Die haben Menschen bewusst so angeordnet und dann den Hügel darüber aufgeschüttet. Das hier dürfte tatsächlich ein altes Grab sein.

Abenteuer Hügelgrab

Auch Elias Klein treibt es in den staubigen Dreck am Hügelgrab. Er studiert an der Hochschule Fulda Ernährungswissenschaft. Aber schon seit Jahren ist er lizensierter Sondengänger und streift über osthessische Äcker – auf der Suche nach Metallfunden. Manchmal ist es sogar Schmuck aus der Eisenzeit, den er findet, an die Oberfläche gekommen zum Beispiel beim Pflügen des Ackers.

Ein junger Mann mit Basecap gräbt in der Erde

Er kennt sich schon gut aus, trotzdem ist dieses Hügelgrab-Projekt auch für ihn ein Abenteuer. Er erkennt gleich: In der Mitte des Hügels scheint eine Art Grab-Aufbau gewesen zu sein und an den Rändern des Hügels liegen die Reste einer rundum laufenden Mauer. Archäologin Wingenfeld bestätigt das.

Unter dem Hügel - eine Grabkammer

Nur vier Tage nach Grabungsstart zeigt sich der Aufbau des Hügels beeindruckend klar. Der Mauerring um den Hügel hatte einen Durchmesser von etwa elf Metern. Es zeigt sich eine ausgedehnte Steinschicht im Zentrum des Hügels - die Grabkammer. Sie ist so groß, dass darauf auch mehr als ein Leichnam Platz gefunden hätte. Ob es aber mehrere Bestattungen gab, lässt sich leider nicht beweisen.

In den jahrtausendealten Sandstein-Schichten der Hügelfüllung haben sich keine Knochen oder Beigaben erhalten. Nachträgliche Bestattungen von verbrannten Leichen in Keramik-Urnen wären denkbar, nachweisen lässt sich das noch nicht. Aber die Auswertung der Funde hat ja gerade erst begonnen.

Friedhof der Hügelgräber

Hügelgräber wie diese passen gut zu den bisherigen Funden aus der Gegend, sagt Wingenfeld. Der Aufbau ist von anderen Gräbern aus der Mittleren Bronzezeit bekannt – also etwa 1.500 Jahre vor Christus. Im Gebiet um den Trätzhof wird eine regelrechte Nekropole vermutet, also ein Gräberfeld mit Hügelgräbern und Flächgräbern dazwischen, die jünger sind. Nur wo genau die vielen beerdigten Menschen in der Nähe gelebt haben und dann gestorben sind, bleibt weiter ein ungelöstes Rätsel.

Eine Gruppe von Leuten macht auf dem Waldboden sitzend Frühstückspause

Nun hofft Milena Wingenfeld darauf, dass die Grabungsgenehmigung noch einmal erweitert wird. Bis jetzt war von Amts wegen nur ein senkrechter Schnitt in den Hügel gestattet. Zu gerne würde sie aber auch oberhalb der Grabkammer horizontal in den Hügel hineingraben. Vielleicht klappt das ja noch – dann natürlich wieder mit den Ehrenamtlichen vom Arbeitskreis Archäologie.

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