Audio

Audioseite Ausstellung "And This is Us": intensiv und humorvoll

Animationsbild einer weiblichen Person

Wer die künftigen Stars der Kunstszene kennenlernen will, hat jetzt die Gelegenheit: In einer großen Ausstellung präsentiert der Frankfurter Kunstverein neue, aufregende Talente.

Die Fenster sind abgedunkelt, die weißen Sessel lauschig-bequem. Die Stehlampe strahlt weiches Licht ab, und aus den Lautsprechern kommt Musik von Brian Eno und David Bowie. Was aussieht wie eine Hipster-Wohnung im Prenzlauer Berg in Berlin, ist Teil eines Kunstwerks im Frankfurter Kunstverein. In der Residenzwohnung des Vereins, dort, wo sonst junge Künstler eine Zeit lang leben dürfen, zeigt der junge Brite Matt Welch einen Film, den er extra für den Kunstverein produziert hat.

Es geht um Melancholie und Traurigkeit, sagt Welch: "Ich nutze Nostalgie um die Geografie eines Ortes, einer Stadt zu bestimmen." Welch studiert an der Frankfurter Städelschule und erforscht am Beispiel von Berlin, wie es ist, wenn man sich fremd fühlt.

In seinem Film ist eine selbst gebaute, riesige und schlauchartige Skulptur zu sehen. Sie erinnert im Innern an eine Speiseröhre und erzeugt im Film anatomische Bilder, die täuschend echt aussehen. Die Skulptur befindet sich allerdings in seinem Offenbacher Atelier.

Frage nach der eigenen Identität

Kunstwerk "Sugarmacht" von Faina Yunusova: ein lila Zimmer

Welchs Arbeit ist Teil der Gruppenausstellung "And This is Us" (1. Juni bis 5. September 2021). Unter diesem Titel präsentiert der Frankfurter Kunstverein alle zwei Jahre die Arbeiten von Studierenden der Städelschule und der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach. Es sind Arbeiten von Shootingstars der Kunstszene, Positionen junger Studierender, die unterschiedlicher und aufregender nicht sein können.

Franziska Nori, die Direktorin des Kunstvereins, zeigt, was die jungen Kunstschaffenden in Zeiten von Corona bewegt und verschafft ihnen damit "die dringend benötigte Sichtbarkeit, die in der Pandemie verloren ging." Es geht um die großen Fragen wie die nach der eigenen Identität. "Jede neue Generation bringt neue und wichtige Sensibilitäten hervor", sagt Nori. Sensibilitäten - und in Zeiten von Corona noch mehr Kreativität.

Kunst macht erfinderisch

Da viele Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten über Monate weder zeigen noch verkaufen konnten, schlossen sich drei junge Studierende der HfG zum Künstlerkollektiv Magma Maria zusammen. Während des Lockdowns riefen sie andere Künstlerinnen und Künstler auf, ihre Arbeiten in einem eigens angemieteten, autonomen Raum in Offenbach sicher hinter Schaufensterscheiben zu zeigen. Anschließend sollten die Werke auf Ebay versteigert werden.

Kunstwerk aus Kaugummis von Isabell Ratzinger: menschliche Silhouetten an einer Wand

Damit erzeugten sie trotz der Pandemie eine breite Öffentlichkeit, sagt Franziska Nori. Die Aktion des jungen Künstlerkollektivs beeindruckte Nori so sehr, dass sie sich entschloss, Magma Maria im Frankfurter Kunstverein parallel zur Ausstellung eine temporäre Heimat zu schenken. "Ich fand das eine kluge Art mit Pandemie und Sichtbarkeit umzugehen", erklärt sie. Deshalb will die Direktorin diese Aktion nun "mit einem Augenzwinkern" unter dem Titel "Frankfurter Kunstvertrieb" präsentieren.

Entlang der Schaufensterfassade im Erdgeschoss des Kunstvereins stellt Magma Maria über den Sommer hinweg wechselnde Kunstwerke aus oder kuratiert sie, dann werden sie zum Verkauf angeboten. Besucher können sich die Werke also auch nachts, wenn der Verein geschlossen ist, anschauen und auf Ebay ersteigern, erklärt Nori.

Ganzheitliches Erlebnis mit Musik

Im Kunstverein werden für "And This is Us" alle Etagen mit Filmen, Skulpturen und Videoinstallationen bespielt. Die dort für Grafik zuständige Studierende Elena Sacco hat zudem ein musikalisches Programm kuratiert, das beim Betrachten der Werke ein ganzheitliches Erlebnis verschaffen soll. In "Listening Sessions" werden drei Nachwuchs-DJs je einen Abend mit elektronischer Musik gestalten.

So können die Besucherinnen und Besucher auch eine neue Generation junger Musikerinnen und Musiker kennenlernen.

Sendung: hr-iNFO kultur, 28.05.2021, 20.35 Uhr