Darstellung von Videotelefonie auf einem Sammelbildchen zu "Zukunftsfantasien" aus dem "Echte Wagner Album Nr. 3" von 1930. Ausstellung Back to Future

Zukunftsvisionen von gestern zeigt das Frankfurter Museum für Kommunikation. Dass manches davon - wie Smartphones - nun allgegenwärtig ist, liegt auch an hessischen Entwicklern.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ausstellung zeigt Zukunftsvisionen von gestern

Zeichnung von Unterwasserwohnungen aus der Ausstellung "Back to Future"
Ende des Audiobeitrags

Neugierde, Unzufriedenheit, Hoffnung, auch Angst treiben seit jeher die Menschen zu neuen Ideen. Oft geht es dabei um die Technik der Zukunft. Und oft ist aus Fiktion Realität geworden, wie das Museum für Kommunikation in Frankfurt in "Back to Future" zeigt. Hier einige Beispiele aus der Ausstellung, denen Hessen auf die Sprünge halfen - mit einer Ausnahme.

Smartphones

Darstellung von Videotelefonie auf einem Sammelbildchen zu "Zukunftsfantasien" aus dem "Echte Wagner Album Nr. 3" von 1930. Ausstellung Back to Future

1930 ist das eine Vorstellung der Zukunft: Frauen rauchen, trinken und telefonieren per Bildtelefon. Ganz utopisch war das aber schon damals nicht.

Die Deutsche Reichspost nutzte im März 1936 schon einen Fernsehsprechdienst, doch gab ihn nach wenigen Jahren wieder auf: zu teuer, zu schlecht, zu aufwendig.

Fotografie eines Telefongesprächs in einer Fernsprechkabine der Deutschen Reichspost um 1936 in der Ausstellung "Back to Future"

Der Vorläufer: Telefon aus Gelnhausen

Die Entwicklung, die zum Smartphone führte, hatte in Hessen seinen Lauf genommen. 1861 erfand Philipp Reis aus Gelnhausen einen Fernsprechapparat. Um seine skeptischen Lehrerkollegen in Friedrichsdorf (Hochtaunus) von der Funktionsweise des von ihm sogenannten Telefons zu überzeugen, ließ er einen von ihnen den legendären Satz "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" in ein Gerät sprechen. Ein zweiter in einem anderen Raum verstand diesen Quatsch wunderbar, Experiment gelungen.

Reis starb früh an Tuberkulose, ohne ein Patent anzumelden. Das holte Graham Bell in den USA nach.

Schachcomputer

Illustration "Schachtürke" von Joseph Racknitz aus dem Jahr 1789 in der Ausstellung "Back to Future"

1769 erfindet der Mechaniker und österreich-ungarische Hofbeamte Wolfgang von Kempelen einen geheimnisvollen Mechanischen Schachspieler, einen Automaten mit orientalisch gekleideter Puppe - heute bekannt als "Schachtürke". Der Apparat entpuppt sich jedoch als Schwindel. Nicht die Maschine spielt Schach, sondern ein im Inneren des Kastens verborgener Mann.

Ende der 1950er Jahre wird die Fiktion Realität. Arthur Samuel, ein US-amerikanischer Forscher und Vordenker der Künstlichen Intelligenz, entwickelt für die Computerfirma IBM einen Rechner, der Dame beherrscht. Der Computer lernt während des Spiels die Züge, kann sich aber nur insgesamt 20 davon merken.

Später werden Schachcomputer allgegenwärtig - und auch wenn heute die meisten mit einer Schachsoftware auf ihrem Computer üben dürften, es gibt immer noch aktuelle Modelle.

IBM-Forscher Arthur Samuel und sein Dame-Computer, Foto aus der Ausstellung "Back to Future"

Der Vorläufer: Rechenmaschine aus Bad Hersfeld

Der Maschinenbauer, Architekt und Ingenieur Konrad Zuse war zu faul zum Rechnen, so geht die Legende. 1937 baute er eine automatische Rechenmaschine, die Zuse Z1. In Haunetal-Neukirchen (Hersfeld-Rotenburg) ging der Apparat in Serie, in Bad Hersfeld expandierte die Firma. 251 Rechner verkaufte die Zuse KG in alle Welt, bis sie Ende der 1960er Jahre von Siemens übernommen wurde. Das ganz große Geschäft machten dann eher US-Firmen wie eben IBM und Microsoft und Apple.

Videobeitrag

Video

zum Video "Back to Future" – Neue Ausstellung in Frankfurt

hs181120
Ende des Videobeitrags

Autonomes Fahren

Vision vom autonomen Fahren auf einer Zeichnung von 1974 aus der Ausstellung "Back to Future"

Autonomes Fahren war in den 1970er Jahren ein visionäres Thema - in abgeschwächter Form ist es das noch heute. Die Technik gab es damals noch nicht her, das Motiv dafür lag weniger auf der Sicherheit als auf einem Zugewinn an Lebensqualität.

Wohnen in der Stadt war teuer, Familien zogen aufs Land, eingekauft und gearbeitet wurde dort aber nicht. Mit selbstfahrenden Autos, so die Idee, könne man die Zeit des Pendelns familienfreundlich nutzen. Entworfen hat die hier zu sehende Vision Günter Radtke, Pressezeichner in der NS-Zeit und in der frühen Bundesrepublik und Mitbegründer der Zeitschrift Stern.

Fritz von Opel in seinem Raketenauto auf einem Bild von 1928

Ein Vorläufer auf Abwegen: Raketenauto aus Rüsselsheim

Wie viele Hersteller tüftelt auch Opel an einem autonom fahrenden Auto. Dass die Rüsselsheimer damit besonders weit vorne wären, kann man eher nicht sagen.

Auch Opels zu seiner Zeit revolutionärer Raketenantrieb setzte sich letztlich nicht durch - zumindest nicht auf Straßen abseits von Formel-1-Pisten. Die Idee dazu hatte der Südtiroler Astronom Max Valier, verwirklichen konnte die Maschine Fritz von Opel. Mit seinem Düsenauto stellte er 1928 mit 238 Stundenkilometern einen Geschwindigkeitsrekord auf: 238 Stundenkilometer! Opel bereitete damit immerhin der Flugzeugindustrie und der Raketenentwicklung den Weg.

Höhensonne

Zeichnung von Unterwasserwohnungen aus der Ausstellung "Back to Future"

In den 1960er Jahren gab es nicht nur den Wettlauf zum Mond, sondern auch für das Leben unter Wasser wurde erprobt - ebenfalls von der NASA. Die sogenannten Tektite Habitats wurden 1969 und 1970 für zahlreiche Missionen eingesetzt. Dort hielten es drei Wissenschaftler 60 Tage lang aus.

Lichttherapie mit Höhensonne für Kinder

Ein Vorläufer: Lichttherapie aus Hanau

Ob die Wissenschaftler für das Leben in der Dunkelheit eine Höhensonne hatten, ist nicht überliefert. Ihrer Gesundheit förderlich wäre die Erfindung aus Hanau gewesen. 1941 erfand Richard Küch von der Firma Heraeus das Gerät mit einer UV-Lampe aus Quarzglas und dem einprägsamen Werbeslogan: "Vor Krankheit und vor Müdigkeit / schützt Höhensonne jederzeit. / Gesundheit, Frische, Glück und Wonne / gibt euch die Hanau-Höhensonne."

Weitere Informationen

Back to Future

Die Ausstellung "Back to Future" des Museums für Kommunikation Frankfurt, Schaumainkai 53, kann während des Teil-Lockdowns nur online besucht werden, hier oder hier.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.11.2020, 19.30 Uhr