Ausstellung Gilbert & George

Es geht um Leben, Tod, Sex, Geld und Religion: Die Frankfurter Schirn widmet dem Künstlerpaar Gilbert und George eine große Ausstellung und zeigt ihre provokanten Collagen.

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Audioseite Die Schirn widmet Gilbert & George eine große Retrospektive

Ausstellung Gilbert & George
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Wer die obere Galerie der Frankfurter Schirn betritt, wird von einer Bilderflut erschlagen. Die großformatigen Collagen des britischen Künstlerpaars Gilbert und George füllen die gesamten Wände aus. Es gibt kaum ein Fläche, die nicht bedeckt ist. Das ist typisch für die beiden: Kunst nimmt bei ihnen einen großen Raum ein. So groß wie das Leben selbst.

Ihre Arbeiten sind bunt, anstößig, widersprüchlich und laut. Die verrückten Bilder zeigen viel nackte Haut. Symbolisch aufgeladen mit religiösen und nationalistischen Zeichen bekämpfen die Motive alles, was autoritär ist: die Kirche, den Staat, die heterosexuelle Norm.

Mit britischem Understatement Tabus brechen

Missbrauch durch Priester, Angst vor Islamisierung - für Gilbert und George ist nichts tabu. Das macht ihre Kunst so relevant für die Gesellschaft. Dabei wirken die beiden in ihren perfekt sitzenden Anzügen und unauffälligen Krawatten auf den ersten Blick nicht provokativ, sondern wie zwei nette, typisch britische ältere Herren - nur um dem Betracher im nächsten Moment ihre Genitalien oder den Allerwertesten auf ihren Collagen entgegenzustrecken.

Ausstellung Gilbert & George

Als sich die beiden Studenten der Bildhauerei 1967 in der Londoner Saint Martin's School of Art kennenlernen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Gilbert und George werden zu einer Einheit, die nicht mehr unterscheidet zwischen Kunst und Leben. Sie inszenieren sich als "Living Sculptures" und machen sich selbst zum Gegenstand ihrer großformatigen Bildwelten.

Bilder, die zum Denken anregen

Außerdem sammeln sie im Londoner Stadtteil Spitalfields, wo sie seit 50 Jahren leben, Zeitungsschlagzeilen, Aufkleber und Werbeanzeigen. Diese Fundstücke, die Menschen hinterlassen haben, werden Teil ihrer riesige Collagen und spiegeln das urbane Leben wider.

Ausstellung Gilbert & George

Die Frankfurter Schirn zeigt in ihrer Ausstellung 45 Werke von 1971 bis 2019. Ein Rundgang durch die Schirn verspricht unterhaltsam und kurzweilig zu werden. Denn auch wenn die bunten Bilder Oberflächlichkeit suggerieren - langfristig brennen sie sich ein und regen zum Denken an. Und wie passt die böse Gesellschaftskritik nun mit den netten älteren Herren zusammen? Nun ja, typisch britisch eben.

Sendung: hr2, 12.03.2021, 08:15 Uhr