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"Ortswechsel" der Kunstsammlung der Bundesbank

Sie hängen sonst neben Garderobenständern, in Fluren oder Konferenzräumen der Deutschen Bundesbank. Nun wird ein Teil der Kunstsammlung der Bank im Frankfurter Museum Giersch ausgestellt - zum ersten Mal überhaupt.

Es ist ein echter Kunstschatz, den bislang kaum jemand zu Gesicht bekam: Das rot-orange Gemälde mit dem simplen Titel "429/65". Es stammt vom Münchner Maler Rupprecht Geiger (1908-2009), einem der wichtigsten abstrakten Künstler der Nachkriegsgeschichte. Die intensiven Farben dieses Schatzes konnten aber nur wenige Menschen genießen. Denn es hing in der Deutschen Bundesbank in Frankfurt - unzugänglich für Otto-Normalkunstliebhaber.

Arbeit von Rupprecht Geiger: 429/65, 1965, hochformatig und orange, sehr orange. Ein orangefarbener Verlauf. Oben ein Rechteck - heller orange.

Jetzt ist das Bild zusammen mit rund 90 weiteren Gemälden und Skulpturen aus der Bundesbank ins Museum Giersch der Goethe-Universität umgezogen. Hier ist es in der Ausstellung "Ortswechsel" noch bis zum 8. Januar 2023 zu sehen.

Hintergrund: Die Deutsche Bundesbank brauchte einen neuen - temporären - Platz für ihre Kunstsammlung, da das Bundesbank-Gebäude im Frankfurter Stadtteil Ginnheim saniert werden muss.

Bank sammelt seit der Gründung Kunst

"Es ist das erste Mal, dass die Deutsche Bundesbank Werke aus ihrer Sammlung öffentlich in einem Museum ausstellt", freut sich Birgit Sander, Direktorin des Museums Giersch. Vielen Menschen sei nicht bekannt, dass die Zentralbank nicht nur den Zahlungsverkehr abwickelt und für eine stabile Geldpolitik sorgt. Sie sammelt seit ihrer Gründung 1957 auch Kunst, bislang rund 5.000 Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Installationen und Fotografien.

"Damit sollten junge Künstler gefördert werden, die noch nicht so bekannt sind", sagt Iris Cramer, Kuratorin der Bundesbank-Kunstsammlung. Daneben sei den Initiatoren wichtig gewesen, den Mitarbeitenden auch wenig populäre Kunst näher zu bringen, ihren Horizont zu erweitern und Akzeptanz zu fördern. So haben sie sogar die Möglichkeit, selbst Kunstwerke aus einer Artothek für ihr Büro auszusuchen.

Corinne Wasmuht - Arbeit mit dem Titel "Monaco" aus dem Jahr 2004

Ausstellung mit elf Themenräumen

Glas schützt dann die besonders wertvollen Werke, berichtet Cramer. Und natürlich dürfe man kein Aquarell an sonnigen Plätzen aufhängen. Diebstahl fürchtet die Bank nicht: "Bisher ist noch nie was weggekommen", sagt Cramer. "Das liegt vermutlich an den strikten Ein- und Ausgangskontrollen unserer Bank." Diese sind nötig, weil in Ginnheim auch das Gold der Notenbank lagert.

Die Ausstellung in der Villa Giersch am Schaumainkai ist in elf unterschiedliche Themenräume unterteilt, deren Titel etwa "Fortführung des Gestischen", "Farbe absolut" oder "Geschichte und Geschichten" lauten. Zu sehen sind unter anderem Werke von Erich Heckel, Corinne Wasmuht, Frauke Dannert, Michael Riedel und vielen mehr.

Werk von Michael Riedel - Geldstapel in einer Vitrine

Keine Beschränkung bei der Auswahl

Bei der Auswahl der Kunstwerke habe es keine Beschränkungen gegeben, sagt Birgit Sander und fügt augenzwinkernd an, sie haben nur durch Türen und das Treppenhaus passen müssen. "Das war bei unserem größten Werk, einer performativen Arbeit von Anne Imhof mit 2,50 Metern Höhe, schon eine große Herausforderung." Die Aluminiumplatte, aufgeteilt in eine schwarze und weiße Hälfte, zeigt Kratzzeichnungen.

Erich Heckel: Saarschleife, 1946

Ob Otto-Normalkunstliebhaber auch nach der Ausstellung "Ortswechsel" dauerhaft Zugang zur Bundesbankkunst bekommt, ist nicht sicher, sagt Iris Cramer: "Andere Banken setzen die Kunst als Teil des Marketings und der Öffentlichkeitsarbeit ein", erklärt sie. "Als Bundesbank sind wir keine Geschäftsbank, die Kunden gewinnen muss."

Trotzdem gibt es erste Überlegungen, auf dem neuen Campus der Bank einen öffentlich zugänglichen Ausstellungraum zu schaffen. Allerdings wird mit dem Bezug der Neubauten frühestens 2027 gerechnet.

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Kunstsammlungen von Banken

Die Bundesbank hat nach eigenen Angaben jährlich 100.000 Euro zur Verfügung, um neue Kunst zu anzuschaffen. Dabei berät sie ein Kunstbeirat. Ziel ist den Angaben zufolge, die bestehende Sammlung sinnvoll mit Gegenwartskunst zu ergänzen. Zwischen 2000 und 2018 hat die Bank 50 Ausstellungen junger Künstler konzipiert, die nicht öffentlich zugänglich waren. Immer wieder leiht die Bank - so wie etwa die Deutsche Bank - auch einzelne Kunstwerke aus. Im Städelmuseum beispielsweise hängen Bilder von Gerhard Richter und von Sigmar Polke.

Auch andere Notenbanken sammeln Kunst. Spanien hat beispielsweise mehrere Werke des Malers und Grafikers Francisco de Goya bis hin zu Gegenwartskunst. Italien und Österreich sind eher auf klassische Kunst fokussiert, während Belgien und die Niederlande für ihre zeitgenössische Kunstsammlungen bekannt sind.

Andere Banken in Frankfurt haben Regelungen für den Zugang zu ihrer Kunst gefunden: Bei der Deutschen Bank kann man sich kostenfrei zu Führungen anmelden. Für den Ausstellungsraum der DZ Bank braucht man keinen Termin.

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde die "Figur in Blau" von Hein Heckroth in einer Bildunterschrift fälschlicherweise als Karl Horst Hödickes "Schlangenbändigerin" betitelt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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