Eine Frau betrachtet ein Stillleben mit Apfelschale von August Macke

Zwar schließen alle Museen in Hessen wegen Corona jetzt bis Ende November. Aber in Wiesbaden wartet eine bunte, inspirierende Bilderflut darauf, entdeckt zu werden. Fünf Gründe, warum sich das Warten auf die August Macke-Ausstellung lohnt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wegbereiter der Klassischen Moderne: August Macke im Museum Wiesbaden

August Macke Wiesbaden Gartenbild
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1. August Macke war der Rockstar unter den Malern

Als August Macke 1914 mit 27 Jahren an der Westfront nur wenige Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs stirbt, gehört er zur Avantgarde der deutschen Maler. Expressionist und Mitbegründer der Künstlergruppe "Blauer Reiter" um Franz Marc, Wassily Kandinski und Gabriele Münter. Macke war kein Intellektueller, sondern Schulabbrecher und Studienabbrecher, aber all das tat keinen Abbruch, um ihm eine der wichtigsten Stimmen unter den modernen Malern zu geben. Zu seinen Freunden gehören Franz Marc, Max Ernst, aber auch Paul Klee, mit dem er eine Studienreise nach Tunis unternimmt, von der er mit vielen Fotos und Aquarellen zurückkehrt. Macke zeigt uns einen neuen frischen und unverstellten Blick auf unsere Welt, im beginnenden 20. Jahrhundert. Schon 1920, vor genau 100 Jahren, widmete ihm daher das Museum Wiesbaden eine Gedächtnisausstellung. Acht Werke, die damals ausgestellt waren, sind heute auch wieder zu sehen.

2. August Macke war Wegbereiter der klassischen Moderne

"Macke gehört in der Tat zu den Wegbereitern der klassischen Moderne und er hat, das ist wirklich erstaunlich, unglaublich schnell in einem ganz kurzen Rhythmus einen Schritt nach dem anderen gemacht", sagt Museumsdirektor Andreas Henning. Wofür andere Künstler Jahre gebraucht haben, das hat der deutsche Maler in einem unglaublichen Tempo geleistet. "Das zeigt die Qualität und das Bewußtsein, mit der er an die Arbeit gegangen ist". In Paris besucht Macke 1908 seinen Malerkollegen Robert Delaunay und taucht in die Welt der Farbenlehre ein. Paris wird für ihn zum Paradies. Von den Impressionisten schaut er sich die leuchtenden Farben ab. Paul Cezanne und Henri Matisse zeigen ihm den Weg in die Abstraktion. Er entwickelt seine wilden Pinselstriche, die ihn in die malerische Moderne katapultieren.

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August Macke Ausstellung im Museum Wiesbaden

August Macke
Paradies! Paradies?
30.Oktober 2020 bis 14. Februar 2021
Museum Wiesbaden
Das Museum Wiesbaden ist wegen Corona vom 3.11. - 30.11. geschlossen

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3. Mackes Bilder zeigen uns den Weg ins Paradies

Mackes Werk ist brandaktuell. Zu Beginn der Moderne, Anfang des 20. Jahrhunderts, war Europa gebeutelt von Krisen, Krankheit und einem räuberischen Kolonialismus. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als die europäischen Mächte um Macht und Einfluss kämpften, findet August Macke den Zugang zu seinem Paradies. "Ihm war wichtig, eine Welt zu zeigen, in der der Mensch aufgehoben ist - in Einklang und Einheit mit der Natur", sagt Roman Zieglgänsberger, der Kurator der Ausstellung in Wiesbaden. Natürlich wisse August Macke um die Fragilität eines Paradieses. Das schwinge auf dem zweiten und dritten Blick immer mit. "Aber das Schöne überwiegt. Deswegen fühlen wir uns aufgehoben in seinen Bildwelten und deswegen ist er heute auch so populär". Mackes Bilder erinnern uns, dass wir nur im Einklang mit der Umwelt ein Paradies erschaffen können.

4. In Zeiten von Corona gibt uns Macke Kraft

Mit August Macke tauchen wir in eine Welt, die uns Luft zum Atmen und Licht zum Leuchten gibt. Macke schafft einen Raum, der uns jenseits der Realität, daran erinnert, dass wir alle Antworten in uns tragen, um mit Krisen und Krankheiten wie Corona umzugehen. Dafür steht exemplarisch sein Bild "Der Seiltänzer", eines seiner Hauptwerke, das gleich am Eingang der Ausstellung zu sehen ist. So wie Macke sich als Seiltänzer sieht, so balancieren auch wir jeden Tag wie auf einem Drahtseil durchs Leben. Nicht im Außen, sondern im Innern finden wir unsere Mitte, um nicht abzustürzen. August Macke hilft uns, nach der Schönheit zu streben. In Zeiten von Corona gibt uns Macke einen inneren Raum aufzutanken.

5. Nach 50 Jahren ist Macke zurück im Rhein-Main-Gebiet

August Macke war dem Rheinland sehr verbunden. Noch heute sind in Bonn und Münster seine Hauptwerke zu sehen. Umso größer ist der Glücksfall, dass das Museum Wiesbaden mit dem Kunstmuseum Bonn ein Abkommen getroffen hat: In einem temporären Tausch werden rund 100 Kunstwerke von August Macke an das Museum Wiesbaden verliehen, das im Gegenzug seine umfangreiche und einzigartige Jawlenksi Sammlung nach Bonn gibt. Weil die meisten Macke Werke nur im Rheinland zu finden sind, und weil das Verleihen von Kunstwerken ein teures Unterfangen ist, gab es die letzten 50 Jahren keine Bilder von August Macke in der Rhein-Main Region zu sehen.