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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Von Raumfahrtkapseln und Steinzeithäusern

Zwei Entwurfszeichnungen von Skulpturen namens "Tiny Be" in Kombination. Eine kubische und eine amorphe Form auf je einer Wiese und darin und drumherum Menschen.

Im Rhein-Main-Gebiet findet die weltweit erste Ausstellungsreihe mit bewohnbaren Skulpturen statt. Das Ziel: unkonventionelle Antworten auf die Fragen finden, wie wir in Zukunft wohnen wollen. Jetzt kann man eine exklusive Nacht in den Skulpturen ersteigern.

Bagger graben tiefe Löcher in den Boden, es wird gehämmert und gesägt. Im Metzlerpark am Frankfurter Museumsufer laufen seit Mitte Mai die Vorbereitungen für die Ausstellung "Living in a sculpture". Dort entsteht ein temporärer, 24 Stunden am Tag zugänglicher Skulpturenpark mit Entwürfen von international renommierten Künstlern. Auch am Landesmuseum in Darmstadt und dem Kranzplatz in Wiesbaden werden Skulpturen aufgebaut.

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zum Video Bewohnbare Skulpturen im Frankfurter Metzlerpark

Tiny Be Ausstellung im Frankfurter Metzlerpark
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"Tiny Be", die Kunstinitiative hinter der Ausstellung, steht für eine gesellschaftliche Bewegung zum Einfachen, zur Reduktion und zum Verzicht. Mit dem Projekt will die Initiative relevante Fragen in Zeiten von Wohnraummangel und knappen Ressourcen stellen: Wie wollen wir leben? Und was brauchen wir wirklich, um gut wohnen und arbeiten zu können?

Übernachtung in einer Skulptur möglich

Tiny Be Ausstellung im Frankfurter Metzlerpark

Wer darauf von der Ausstellung fertige Antworten oder Rezepte erwartet, wird enttäuscht. Die Wohn-Skulpturen wollen die Besucherinnen und Besucher vielmehr dazu anregen, beim Aufenthalt in ihrem Inneren darüber neu und anders nachzudenken.

Das ist nicht nur durch Führungen, sondern auch sogenannte "Day and Night Experiences" möglich: Wer will, kann dort einen ganzen Tag verbringen - und sogar darin übernachten. Schon vor Ausstellungsbeginn können die allerersten Nächte bei einer Online-Auktion über das Auktionshaus Christie's ersteigert werden.

Ein Kunsterlebnis auf 30 Quadratmetern

Für die Gestaltung der Skulpturen hatten die Künstlerinnen und Künstler nur zwei Vorgaben: Sie dürfen maximal 30 Quadratmeter einnehmen und müssen aus nachhaltigen Ressourcen bestehen. Die Arbeiten propagieren Umweltschutz, ein neues Verhältnis zur Natur, zu Konsum, zu Technologie und Arbeit. Sie sind anders als die übliche Stadtplanung, anders als viele Architekten und Bauherren es vermutlich angehen würden. Viele sind gewagt, manche visionär.

Aber warum sollte man in einer Skulptur wohnen wollen? Die Wiesbadener Kuratorin Cornelia Saalfrank erklärt: "Die Kunst hat einen Freiraum. Und der Freiraum ist perfekt, um zu diskutieren. Man ist erstmal losgelöst von irgendwelchen Bestimmungen. Das hat man auch an den Ergebnissen gesehen."

Futuristische Skulpturen mit neuen Rohstoffen

Tiny Be Ausstellung im Frankfurter Metzlerpark

Die sind in der Tat losgelöst von jeglichen Bestimmungen: In der futuristisch anmutenden Skulptur "My-Co-Space" geht es darum, was wir Menschen von Pilz-Kulturen, ihren Netzwerken und Architekturen lernen können. Das Kollektiv MY-CO-X, das aus Künstlerinnen und Künstlern, Architektinnen und Architekten sowie Biotechnologinnen und Biotechnologen besteht, hat einen nachhaltigen Rohstoff aus Pilzen entwickelt.

"Ein Pilzmaterial", so Kuratorin Saalfrank, "das eventuell ein Baustoff der Zukunft sein könnte." Die einzelnen sechseckigen Platten der Außenhülle sind mit einer innovativen Pilz-Biotechnologie beschichtet. Der metallische Innenraum lässt an eine Raumfahrtkapsel denken.

Vorbild Jungsteinzeit

Tiny Be Ausstellung im Frankfurter Metzlerpark

Der Entwurf des Frankfurter Städel-Absolventen Onur Gökmen dagegen wirft einen Blick in die Vergangenheit. Er orientiert sich am Prototypen einer urbanen Gemeinschaft aus der Jungsteinzeit, der Stadt Çatalhöyük in der heutigen Türkei. Sie bestand aus hunderten von Häusern aus Lehmziegeln oder Stampflehm, ohne Straßen, eng aneinander gereiht - ähnlich einem Bienenstock. Man gelangte nur über eine Luke im Dach in die kastenförmigen Behausungen.

Genauso ist auch Gökmens Lehmskulptur "First" gestaltet, die am Landesmuseum in Darmstadt entsteht. Der Innenraum aus Lehm ist spartanisch und funktional. Cornelia Saalfrank erklärt: "Es geht um ein Modell, das einfach mal erlaubt, in ein Zuhause der Vergangenheit zu blicken und zu schauen, was dieser Lehm und diese Umgebung mit uns machen."

Und vielleicht hat man nach einer Nacht in einer der unkonventionellen Behausungen doch auch die eine oder andere Antwort für sich gefunden auf die Frage, was es zum Leben braucht.

Weitere Informationen

Ausstellung "Living in a sculpture"

Von 26. Juni bis zum 26. September 2021 sind insgesamt neun bewohnbare Skulpturen ausgestellt im Frankfurter Metzlerpark, am Landesmuseum Darmstadt und auf dem Kranzplatz in Wiesbaden. Die Skulpturen sind von außen jederzeit frei zugänglich. Für Zugang ins Innere können ab Anfang Juni Führungen sowie Day and Night Experiences über die Ticket-Plattform Eventim gebucht werden. Die Online-Versteigerung der ersten exklusiven Nächte in den Skulpturen läuft noch bis zum 27. Mai. Der Erlös geht an die gemeinnützige Kunstinitiative "Tiny Be". Mehr zu den Skulpturen und Orten gibt es hier.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 25.05.2021, 06.56 Uhr