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Audioseite Kunstverein Frankfurt zeigt die "Intelligenz der Pflanzen"

Fotokombination: Thomas Feuerstein mit einer Glasapparatur mit grüner Flüssigkeit (rechts), daneben eine U-Boot-artige Installation, aus welcher viele Schläuche mit grüner Flüssigkeit herausragen.

Wie trinkt ein Baum? Wie erschafft eine Alge ein ganz neues Lebewesen? Und wie minimal ist der Unterschied zwischen Chlorophyll und menschlichem Blut? Eine Ausstellung im Frankfurter Kunstverein wirft einen ganz neuen Blick auf das geheime Leben der Pflanzen.

Wie lebt ein Baum? Wie atmet, wie trinkt er? Im Frankfurter Kunstverein gibt es dazu einen überraschenden Einblick. Mit Hilfe virtueller Realität lässt ein britisches Künstlerkollektiv Besucherinnen und Besucher in einen Baum hineingehen, mit ihm eins werden. Eine Erfahrung, die tiefgreifender nicht sein könnte.

Die Ausstellung "Die Intelligenz der Pflanzen" lotet die Schnittstellen zwischen Kunst und Wissenschaft aus und gibt erstaunliche Einblicke in die neueste Forschung. Das Helmholtz-Zentrum in Jülich zum Beispiel erforscht seit Jahren das Wurzelwerk von Pflanzen. In der Ausstellung erfährt der Besucher, wie sie sich ihrer Umwelt immer und immer wieder anpassen. In durchsichtigen Kästen können Besucher die Pflanzen beim Wachsen beobachten. Dabei gelingen den Wurzeln erstaunliche Entwicklungen, die man nur als "Intelligent" bezeichnen könne, sagt Franziska Nori.

Nächtlich beleuchteter Baum

Die Direktorin des Kunstvereins versucht in ihrer Ausstellung die Perspektiven von Wissenschaftlern und Künstlerinnen zusammenzubringen. Sie schlägt vor, die komplexen Verhältnisse zwischen uns Lebewesen auf diesem Planeten neu zu verhandeln, denn: "85 Prozent aller Lebewesen auf der Erde sind Pflanzen. Und ohne die kann der Mensch nicht existieren".

Algenblut und Menschenblut

Wie ähnlich Pflanzen dem Menschen sind, das zeigt auch der österreichische Künstler Thomas Feuerstein. Er hat im Frankfurter Kunstverein eine lebende Skulptur erschaffen. Meterlange Schläuche durchziehen den Raum und verbinden Kühlelemente mit einer großen, zylinderartigen Skulptur. In einer filigranen Glaskonstruktionen schwimmt eine leuchtend grüne Flüssigkeit aus Algen, genauer aus Chorella-Algen. "Das sind die Algen mit dem höchsten Chlorophyll-Anteil", erklärt der Konzeptkünstler. Chlorophyll oder Blattgrün ist der Farbstoff, den Organismen bei der Photosynthese bilden. Feuersteins Konstruktion zeigt die Ähnlichkeit dieses "grünen Bluts" mit dem menschlichen. Die chemische Zusammensetzung ist fast identisch.

Chlorella-Algen können außerdem etwas ganz Erstaunliches: Wenn sie in Berührung mit kleinen Polypen kommen, übertragen sie ihnen ihre Fähigkeit zur Photosynthese. Die Polypen fangen ebenfalls an Photosynthese zu betreiben. So entsteht aus dieser Symbiose ein neues Wesen.

Die Ausstellung als Stoffwechselprozess

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"Hydra" Thomas Feuerstein
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Symbiosen haben die Evolution auf der Erde seit Millionen von Jahren vorangetrieben. Deswegen untersucht der Künstler sie genauer: "Ich denke, es ist nicht nur biologischer Fakt, sondern auch eine sehr friedvolle Metapher dafür, wie wir mit anderen Nationen und Völkern zusammenleben." Und auch dafür, wie der Mensch in der Natur mit anderen Arten umgeht. In seiner Arbeit geht es Feuerstein immer um solch symbiotische Prozesse, denn auch eine Kunstausstellung habe immer mit Produktion und Fabrikation, mit einer Art Stoffwechsel zu tun: "Das verbindet die Biologie mit der Kunst".

Wer durch die Räume des Frankfurter Kunstvereins flaniert, taucht in eine neue, sinnliche, erstaunliche Welt ein. Die Welt der Pflanzen und ihrer Bedeutung für den Menschen. Beim Spaziergang wird klar, dass sich Kultur und Natur nicht trennen lassen. Der Mensch ist aufs Engste mit der Pflanzenwelt verbunden, evolutionsgeschichtlich sozusagen. Wir sind Pflanzen auf jeden Fall viel ähnlicher als wir glauben.

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Die Intelligenz der Pflanzen

16. Oktober bis 30. Januar 2022 im Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg.

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