Babykonzert in der Frankfurter Freiherr-vom-Stein-Schule
In der Aula der Frankfurter Freiherr-vom-Stein-Schule finden regelmäßig Babykonzerte statt. Bild © hessenschau.de

Babykonzerte sollen Kleinkinder schon früh an klassische Musik heranführen und ihren Eltern eine kleine kulturelle Auszeit bescheren. Bei den Babys funktioniert das gut. So manche Eltern zeigen allerdings Konzentrationsschwächen.

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babykonzert interview Veranstalterin Katharina Fassler

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An einem kleinen Ludwig oder Johann Sebastian dürfte es unter den rund 160 Besuchern des Babykonzerts im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen nicht gefehlt haben. Nicht auszuschließen, dass es in Zeiten der Retro-Namen sogar ein Wolfgang Amadeus in die Aula der Freiherr-vom-Stein-Schule geschafft hat.

Geboten werden an jenem Sonntagvormittag kurz vor Weihnachten klassische Werke von Bartók oder auch Mascagni auf Cello und Harfe.

Kindliche Entwicklung und elterliche Auszeit

Seit gut einem Jahr organisiert Katharina Fassler in den Räumlichkeiten des Gymnasiums die Konzerte für Neugeborene von null bis zwei Jahren sowie für deren Eltern und Geschwister. Es geht um die kindliche Entwicklung, und die kann nicht früh genug beginnen. Außerdem soll den eingespannten Eltern eine klassische Auszeit ermöglicht werden.

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Termine, Preise und Programm gibt es auf www.babykonzert.de

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Ausverkauft, heißt es entsprechend auch Tage vor dieser 14. Auflage auf der Homepage der Veranstalter. "Es ist gut angelaufen", sagt Fassler. Als ausgebildete Musikerin und fünffache Mutter hatte sich die 38-Jährige nach ihrem Umzug nach Hessen eine neue berufliche Herausforderung gesucht: "Da bin ich auf die Babykonzerte gestoßen, die gab es in Frankfurt noch nicht."

Bitte nicht sprechen!

Auf Stühlen oder mitgebrachten Decken nehmen die großen und kleinen Konzertgänger in der eher unprätentiösen Schul-Aula Platz. Ein Holzboden wäre schön, weiß auch Katharina Fassler. Doch bezahlbare Veranstaltungsräume seien eben rar. Die beiden Musiker, "Echo"-Preisträger Victor Plumettaz am Cello und die in zahlreichen großen Orchestern erprobte Harfenistin Samira Memarzadeh, sitzen mit ihren Instrumenten mitten im Publikum.

Natürlich darf das obligatorische elterliche Rascheln und Knacken von Tupperboxen, Reiswaffeln und sonstiger überlebenswichtiger Spontanverpflegung für das gut halbstündige Event nicht fehlen. Der Nachwuchs kauert je nach Alters- und Müdigkeitsgrad liegend, sitzend oder stehend daneben. "Für die Kinder gibt es keine Regeln. Sie dürfen lachen, brabbeln, jauchzen, tanzen - oder auch mal weinen", sagt die Veranstalterin. Die meisten lauschen aber andächtig der Musik.

Konzentrationsschwächen offenbaren eher die Erziehungsberechtigten. "Die Eltern bitten wir, dass sie zuhören und leise sind", so Fassler: "Früher sagte ich 'bitte nicht flüstern', jetzt sage ich 'bitte nicht sprechen', denn die Unruhe überträgt sich auch auf die Kinder." Längst nicht jeder beherzigt an diesem Vormittag den gut gemeinten Rat.

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Kurzer Einblick in das "Babykonzert"

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Musiker positiv überrascht

Den beiden Protagonisten, die erstmals gemeinsam auftreten, ist der Trubel um sie herum egal. Mit spür- und vor allem hörbarer Freude tragen sie die mal mehr, mal weniger bekannten Stücke vor und bringen die Aula zum Schwingen. "Es war sehr witzig und interessant", meint Cellist Plumettaz nach seinem ersten Babykonzert. Den Geräuschpegel habe er weitaus störender erwartet: "Ich rechne immer mit dem Schlimmsten und war überrascht, dass es nicht so laut war", so der Musiker.

"Man kann es eben nicht mit einem normalen klassischen Konzert vergleichen", pflichtet seine Mitstreiterin Memarzadeh bei. Um bereits die Allerjüngsten an die Musik heranzuführen, nehme man die eher ungewöhnlichen Bedingungen aber gerne in Kauf. Ausgesprochen leise fällt bei einem Babykonzert indes der Applaus aus: Aus Rücksicht auf die Kleinen wird gewunken statt geklatscht. "So kann die Musik noch ein bisschen weiterklingen", lobt Memarzadeh das durchaus amüsante Abwinken.

Entspannter, aber nicht schlauer

Konzerte für Kinder gehören schon länger zum festen Erziehungsrepertoire ambitionierter Eltern. "Rabauken und Trompeten" heißt etwa die stets überlaufene Veranstaltungsreihe in der Frankfurter Alten Oper für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Mit den Babykonzerten, die auch 2019 wieder regelmäßig stattfinden sollen, kommen nun auch die Kleinsten nicht zu kurz.

"Die klassische Musik senkt den Stressspiegel und schüttet bei Wiedererkennung Endorphine aus", erklärt Organisatorin Katharina Fassler die Vorzüge. Sprich: Die Kinder werden glücklicher und entspannter, was man von den Eltern nicht immer behaupten kann. Ob das bloße Zuhören - wie gerne kolportiert - auch klüger oder besonders musikalisch macht, darf jedoch zumindest bezweifelt werden. Zu einem neuen Beethoven, Bach oder Mozart braucht es dann wohl doch mehr als den passenden Vornamen.