Eine Frau hält ein Schild mit der Aufschrift #metoo vor ihr Gesicht
#metoo - wer bei den Bad Hersfelder Festspielen arbeitet, soll sich künftig an eine Beschwerdestelle wenden können. Bild © Mihai Surdi via unsplash.com

Sexismus, Diskriminierung, Autoritätsmissbrauch: Die Bad Hersfelder Festspiele sollen nach dem Skandal um ihren Ex-Intendanten Dieter Wedel eine eigene Beschwerdestelle bekommen. Dem Bürgermeister gefällt das nicht.

Hat jemand seine Macht missbraucht? Gab es einen sexuellen Übergriff oder Diskriminierung? In Bad Hersfeld ist man bemüht, die Scherben aufzukehren, die der Skandal um Ex-Intendant Dieter Wedel hinterlassen hat. Wedel war nach Missbrauchsvorwürfen, die allerdings vor seiner Zeit als Festspiel-Indendant in Bad Hersfeld liegen, zurückgetreten. Nun soll es eine Beschwerdestelle richten - oder zumindest Fälle von Machtmissbrauch und Belästigung bei den Festspielen verhindern. Das beschloss die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend mit knapper Mehrheit.

Konsequenzen aus #MeToo

Den Antrag hatte die Neue Bürgerliste (NBL) gestellt. Sie wollten damit Konsequenzen aus dem Fall Wedel und der #MeToo-Debatte ziehen, die international die Film- und Theaterbranche bewegt. 17 Abgeordnete von SPD, Grünen und NBL stimmten für den Antrag. 14 Abgeordnete der CDU, der Unabhängigen Bürgerliste sowie der parteilose Bürgermeister Thomas Fehling waren dagegen. Sie verwiesen auf die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt - es gäbe also schon die entsprechenden Strukturen in der Stadt.

Image wieder aufpolieren

Sofort gelöste Konflikte führten nicht nur zu angstfreiem Arbeiten, begründete NBL-Fraktionsvorsitzende Andrea Zietz ihren Antrag, sondern könnten auch negative Schlagzeilen über die Festspiele verhindern. Die Festspiele müssten vor Vorwürfen geschützt werden.

Für Bürgermeister Fehling ist die Debatte über die Beschwerdestelle noch nicht zu Ende. Er legte Widerspruch gegen den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ein.

Wedel war im Januar zurückgetreten. Zuvor hatten mehrere Schauspielerinnen schwere Vorwürfe gegen den Star-Regisseur erhoben, die bis zu einer versuchten Vergewaltigung reichten. Die Vorfälle liegen mehrere Jahre zurück - und damit vor Wedels Zeit in Bad Hersfeld. Wedel wies die Vorwürfe zurück und sprach von einem "medialen Pranger".

Sendung: hr-iNFO, 23.03.2018, 7.00 Uhr