Stiftsruine Bad Hersfeld
Die alte Stiftsruine in Bad Hersfeld Bild © picture-alliance/dpa

Nach dem überraschenden Rücktritt von Intendant Dieter Wedel stehen die Bad Hersfelder Festspiele vor einem Neustart. Sein Nachfolger steht bis zum Ende der Saison fest, im Spielplan gibt es eine große Änderung.

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Das Team bleibt bis auf Dieter Wedel dasselbe, im Spielplan gibt es eine Änderung: Diese Nachricht brachten Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) und Joern Hinkel am Montag für das Publikum der Bad Hersfelder Festspiele mit. Hinkel, bislang kommissarischer Intendant, wird bis zum Ende der Saison hauptamtlicher Intendant der Bad Hersfelder Festspiele sein, bestätigte Fehling auf einer Pressekonferenz.

"Dann setzen wir uns mit den Sponsoren und Förderern zusammen, um einen neuen Intendanten zu suchen", sagte Fehling. "Danach kann der Intendant durchaus wieder Joern Hinkel heißen."

Kein "Karlos-Komplott"

Die große Änderung: Hinkel nimmt die Wedel-Inszenierung "Das Karlos-Komplott" vom Spielplan. Dieter Wedel hatte das Stück selbst geschrieben und die Regie geführt. Es sei eine Wedel-Inszenierung, sagte Hinkel: "Ein Wedel ist ohne Wedel nicht machbar." Hinzu komme, dass das Stück keine Chance habe, vor dem Hintergrund der Missbrauchs-Vorwürfe an Wedel objektiv beurteilt zu werden. "Das wäre dem Stück nicht angemessen", sagte Hinkel, der gleich auch sein Interesse bekundete, Intendant der Festspiele zu bleiben.

Stattdessen eröffnen die Festspiele am 6. Juli (bis 2. September) mit dem Stück "Peer Gynt" von Henrik Ibsen, einem "sinnlichen, zeitlosen, phantasievollen Stück", wie Hinkel betonte. Karten für "Peer Gynt" sind ab dem 1. Februar verfügbar, wobei es eine Zehn-Tages-Frist für Zuschauer gibt, die ihre Karlos-Karten Eins-zu-eins umtauschen wollen. "Viele unserer Gäste legen Wert auf spezielle Plätze", sagte die kaufmännische Leiterin Andrea Jung.

Rücktritt nach Zeitungsartikel

Der bisherige Intendant Wedel hatte vor genau einer Woche überraschend seinen Rücktritt erklärt. Zuvor hatten mehrere Schauspielerinnen im Zeit-Magazin schwere Vorwürfe gegen den Star-Regisseur erhoben, die bis zu einer versuchten Vergewaltigung reichten. Die Vorfälle liegen mehrere Jahre zurück. Wedel widersprach den Vorwürfen und sprach von einem "medialen Pranger".

Inzwischen ermittelt aber auch die Staatsanwaltschaft München gegen den 75-Jährigen wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat. Es liege ein Anfangsverdacht gegen Wedel vor, hieß es. Als seinen kommissarischen Nachfolger hatte Wedel seinen bisherigen Stellvertreter und künstlerischen Leiter Joern Hinkel empfohlen.http://www.hessenschau.de/kultur/bad-hersfelder-festspiele-wedel-stueck-fliegt-aus-dem-spielplan,bad-hersfelder-festspiele-neustart-100.html