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Audioseite Henni Nachtsheim über den Badesalz-Podcast: "Das ist anarchisch"

Henni Nachtsheim und Gerd Knebel

Gerd Knebel und Henni Nachtsheim alias Badesalz sind zurück: Sie bringen ihren Podcast als Album heraus. Warum es in digitalen Zeiten eine Badesalz-CD braucht und wie es war, nach eineinhalb Jahren wieder auf der Bühne zu stehen, erzählt Henni Nachtsheim im Interview.

Seit fast 40 Jahren stehen Henni Nachtsheim und Gerd Knebel als Comedy-Duo Badesalz auf Deutschlands Bühnen. Im Corona-Shutdown moderierten sie als Nobbi und Ebbi ihre eigene Radiosendung: Radio Badesalz. Im Interview erzählt Henni Nachtsheim, wieso es die jetzt ausgerechnet als CD gibt.

hessenschau.de: Henni Nachtsheim, Sie sind im hr relativ häufig zu Gast in diversen Radiosendungen. Wie kamen Sie auf die Idee, ein eigenes Radio zu starten?

Henni Nachtsheim: Das war ein extrem Corona-bedingtes Ding. Spätestens im Sommer 2020 war uns klar: Das mit Corona dauert länger, wir können jetzt erstmal nicht live spielen. Dann saßen der Gerd und ich zusammen und er schwärmte mir von einer englischen Sendung in der BBC vor.

In der Sendung gibt es zwei Moderatoren, die immer ein Hauptthema haben, darüber quatschen und lustige Gäste dazu holen. Da habe ich gesagt: 'Weißt du, das machen wir auch! In meinem Haus habe ich unten einen Raum, der ist sowieso nur zugestellt. Den entrümpeln wir, renovieren ihn und machen ein Studio draus. Und sobald es geht, machen wir einmal die Woche Radio Badesalz.'

Genau das haben wir gemacht und uns Verstärkung von zwei Leuten mit technischem Know-how geholt. Und jetzt gibt es einmal die Woche eine Stunde Sendung. Aber keine Sorge, wir sind keine Konkurrenz zu den Öffentlich-Rechtlichen (lacht).

hessenschau.de: Wie war die Resonanz?

Nachtsheim: In der ersten Stunde ist tatsächlich der Server abgekracht, weil so viele Leute zuhören wollten. Inzwischen hat der Podcast um die 200.000 Abonnenten.

hessenschau.de: Für die Menschen, die Radio Badesalz nicht kennen: Moderieren da Gerd und Henni?

Nachtsheim: Wir machen das nicht als Gerd und Henni, sondern als Nobbi und Ebbi. Das sind zwei Alter Egos von uns, die schon eine Serie namens "Asso TV" haben. Zwei ganz schlimme Typen. Die moderieren das. Natürlich produzieren wir auch immer ganz viel vor, zum Beispiel Straßeninterviews, die wir selber sprechen. Es ist schon so: Da können wir uns Badesalz-mäßig so richtig austoben.

Irgendwann haben die Leute gesagt: Eigentlich liefert ihr uns hier jede Woche eine Badesalz-CD ab. Deswegen dachten wir, nachdem wir jetzt schon in der vierten Staffel sind, vielleicht ist es eine schöne Idee, aus den 14 Stunden Material der ersten Staffel eine CD zu machen, auch weil wir die erste Staffel, die für uns einen historischen Wert hat, würdigen wollten.

hessenschau.de: Ist eine CD nicht etwas oldschool?

Nachtsheim: Die CD ist ja nur eine Darreichungsform - für die Leute, die noch einen CD-Spieler haben und für diejenigen, die ein Booklet mögen. Diejenigen, die so etwas erwerben, kriegen dann etwas besonders Schönes dazu. Unser Grafiker, mit dem wir schon ewig arbeiten, macht das immer sehr liebevoll. Und die Statistiken sagen auch: Die CD hat bei den Tonträgern immer noch einen wahnsinnig hohen Anteil, es ist schon erstaunlich. Aber klar, natürlich kann man sich auch den Podcast runterladen.

hessenschau.de: Wie können wir uns die Genese einer Radio-Badesalz-Sendung vorstellen?

Nachtsheim: Naja, wo wir klar im Vorteil sind: Wir können machen, was wir wollen. Wir können sagen: Wir machen eine Staffel mit zehn Folgen, oder - wenn wir nicht viel Zeit haben - auch mal eine kleinere Staffel mit nur vier Folgen. Damit geht es schon mal los. Dann sitzen wir hier und fragen: Über welche Themen wollen wir reden? Der eine sagt: über Pflanzen. Oder Medizin. Wir hatten eine Sendung, die hieß einfach nur "Interessant".

Dann denken wir uns kleine Serien aus und wenn wir merken, der Stoff gibt nicht mehr so viel her, werfen wir die raus. In der ersten Staffel hatten wir am Ende jeder Sendung "internationale Gäste" wie die Sprinkle Pipers aus Irland und dann haben wir mit irgendwelchen Instrumenten Songs gespielt - das ist alles sehr freestylemäßig, die Moderatoren quatschen auch nur improvisiert. Nur die Vorproduktionen schreiben wir teilweise, aber auch die sind teils improvisiert. Es macht uns einfach einen Riesenspaß.

hessenschau.de: Wie finden Sie die Themen?

Nachtsheim: Wir bereiten uns immer allein auf die Themen vor und dann kommen wir zusammen, nehmen unsere Zettel mit den Notizen und reden. Und dann erzählt mir der Gerd auf einmal etwas zum Thema Pflanzen. Da hatte er sich 20 absurd klingende Pflanzennamen besorgt. Ich weiß nicht, wo er die her hatte. Das war so lustig und absurd, wir hatten echt unseren Spaß.

hessenschau.de: Beim Improvisieren hilft die fast 40-jährige Berufsehe mit Gerd Knebel wahrscheinlich sehr? Oder ist die auch manchmal hinderlich?

Nachtsheim: Es hilft! Wir verstehen uns gut und sind auch immer ein Regulativ für den anderen. Wenn zum Beispiel einer seine Idee noch nicht komplett ausgearbeitet hat, dann fällt das dem anderen sofort auf und er sagt: Ja, ist gut, aber an der und der Stelle könnte es noch besser sein. Das nehmen wir uns auch nicht übel! Man weiß ja, wie es gemeint ist und von wem es kommt. Es ist eine wichtige Freundschaft für mich mit dem Gerd.

Gerd Knebel und Henni Nachtsheim vom Comedy-Duo Badesalz

hessenschau.de: Haben Sie sich eigentlich von realen Radio-Vorbildern inspirieren lassen?

Nachtsheim: (lacht) Nein, also für Nobbi und Ebbi gibt es keine Vorbilder. Wir haben über die Jahre viele Moderatoren getroffen, da gibt es Leute, die wir unbestritten wahnsinnig mögen. Aber die sind keine Vorbilder für unser Freestyle-Ding. Radio Badesalz ist ja viel anarchischer als eine normale Radio-Sendung, auch, was die Länge angeht. Es geht immer um 19 Uhr los und soll eine Stunde gehen - es dauert auch mal länger. Ab und zu schreibt einer: "Wegen euch habe ich die 'Tagesschau' verpasst!" Aber das geht ja noch. (lacht)

hessenschau.de: Hat es im Kultur-Shutdown auch etwas Geld in die Kasse gespült?

Nachtsheim: Da muss ich ehrlich sagen: Werbung generieren mit Podcasts ist unglaublich schwierig, einfach, weil es Millionen davon gibt. Das ist nichts, von dem du leben kannst, auch wenn 200.000 Abonnenten viel mehr sind, als wir uns anfangs erhofft hatten. Immerhin haben wir die Kosten für Studio und Technik rausbekommen.

hessenschau.de: Wie sind Sie generell durch die Corona-Zeit gekommen?

Nachtsheim: Das Radio Badesalz hat eine Riesenrolle gespielt, weil es die Moral aufrechterhalten hat. Im März kam der erste Lockdown. Wir hätten danach eine ganze Reihe Auftritte gehabt, die dann immer wieder verschoben worden sind. Im September haben wir das Radio gestartet, das auch für den Kontakt zu unserem Publikum die beste Idee war, die wir haben konnten.

Die Leute haben uns geschrieben, haben uns Fotos geschickt, auf denen die ganze Familie um den Computer herum saß. Wir haben Süßigkeiten geschickt bekommen von Leuten, die sich bedanken wollen. Das war das wichtigste, den Kontakt zu erhalten und uns mit Dingen zu beschäftigen, die Spaß machen. Deswegen haben wir in den Sendungen auch nie über Corona gesprochen. Darüber spricht man privat schon genug.

hessenschau.de: Haben Sie sich als Künstler von der Politik genügend unterstützt gefühlt?

Nachtsheim: Schwierige Frage. Es war schon schwierig, dass es bei uns immer am längsten gedauert hat, bis es weiterging. Viele haben nicht kapiert: Eine volle U-Bahn ist möglich, ein volles Theater aber nicht. Das mag jetzt etwas populistisch klingen, aber es ist das, was in unserer Branche viele Leute denken. Klar, ich möchte auch nicht in der Haut derjenigen stecken, die das immer entscheiden mussten.

hessenschau.de. Wird Radio Badesalz den Fans erhalten bleiben?

Nachtsheim: Ja, das macht uns einen Riesenspaß. Wenn wir hier donnerstags produzieren, gibt es vorher Kaffee und Kuchen, dann gehen wir alle runter und machen die Sendung und danach wird Pizza bestellt, es wird gequatscht, es werden die ersten Mails dazu gelesen. Das ist inzwischen ein tolles Ritual für alle Beteiligten.

hessenschau.de: Wie sieht es mit Live-Auftritten aus?

Nachtsheim: Die gibt es seit Oktober wieder. Anfang Oktober haben wir zweimal in Gießen und zweimal in Mainz gespielt. Das waren sehr schöne Abende. In Mainz waren es am ersten Abend sogar über 800 Leute. Das war unfassbar. Ich gehe in dem Programm am Anfang alleine auf die Bühne, da gab es erstmal drei Minuten Applaus. Gar nicht für mich, sondern einfach aus Freude, dass wieder live etwas los ist.

Das Gespräch führte Sonja Fouraté.

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