Das mittlerweile ausgestorbene Wollnashorn

Das Wollnashorn ist schon seit mehreren tausend Jahren ausgestorben. In den Mosbach-Sanden in Wiesbaden fanden Bauarbeiter Überreste des imposanten Eiszeittiers.

Beim Bau einer neuen Gashochdruckleitung in Wiesbaden haben Bauarbeiter mehrere fossile Überreste gefunden - darunter auch die Überreste eines wohl 600.000 Jahre alten Ur-Nashorns. Nach Informationen des Wiesbadener Energieversorgers ESWE handelt es sich dabei um den Oberarmknochen eines ausgestorbenen Nashorns – vermutlich eines Wollnashorns. Das bis zu dreieinhalb Meter große Säugetier war eines der typischsten Bewohner des eiszeitlichen Europas.

Das Alter der Knochen konnten die Forscher laut Mitteilung vor allem über den Fundort bestimmen. Die Knochen lagen eingebettet in den sogenannten Mosbach-Sanden - einer der bedeutendsten Fossilfundstätten Europas für Eiszeittiere, wie der Archäologe Frank Lorscheider erklärte. Außer dem Oberarmknochen des Wollnashorns wurden noch weitere Überreste gefunden, diese stammen vermutlich von einem Urzeit-Rind und einem hirschartigen Tier.

Der 600.000 Jahre alte Wollnashorn-Oberarmknochen aus Wiesbaden

Knochen gelten als bewegliche Bodendenkmäler

Das Besondere: Der Boden am Fundort ist so mit Calciumcarbonat gesättigt, dass er keinen weiteren Kalk - wie beispielsweise aus der Knochensubstanz verschütteter Tiere - abbauen kann. Deshalb liegt das Oberarm-Fragment als gut erhaltene und imposante Versteinerung vor.

Knochen, wie das Fragment des Wollnashorns, gelten als "bewegliche Bodendenkmäler" und liefern auch für die Jetztzeit wichtige Informationen. "Ein Blick in unsere Zukunft funktioniert nicht ohne den Blick in die Vergangenheit und auf die fossilen Hinterlassenschaften vergangener Epochen", sagt Jan Bohaty, Leiter der paläontologischen Denkmalpflege in Hessen.

"Ein solcher Fund kann als weiteres Puzzle-Teil viele Fragen beantworten – zum Beispiel auch, wenn es um ehemalige Klimaveränderungen geht", so Bohaty weiter. Die Funde wurden von der archäologischen Abteilung des Landesamtes für Denkmalpflege begutachtet.

Besucher können Knochen anschauen

Die Knochenfunde sind Eigentum des Landes Hessen und als solches mit Inventarnummern erfasst. Der ESWE Versorgung wurden sie nun als Dauerleihgabe überlassen. "Die Stücke werden bei uns in eigens dafür angeschafften Vitrinen ausgestellt", erzählt Jörg Höhler, Vorstandsmitglied der ESWE Versorgungs AG.

Tafeln würden über die Grabung, den Fundort und das Wollnashorn informieren. "So können wir die Knochen der Öffentlichkeit präsentieren, etwa in unserem ESWE Energie Center, im Atrium unseres Verwaltungsgebäudes oder auf Messen", sagte Höhler.

Sendung: hr 4, 22.09.2020, 16.30 Uhr