Diese Kunst-Auktion war ein Akt der Solidarität: Erfolgreiche Kunstschaffende spendeten Werke, die unter den Hammer kommen. Mit dem Erlös sollen Kreative gefördert werden, die unter der Corona-Pandemie besonders leiden. Tobias Rehberger hoffte vorab auf "weit geöffnete Geldbeutel" für eine Leuchtskulptur.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ein Akt der Solidarität unter Künstlern

Ein Mann in einem blauen Pulli steht vor einem Regal. In dem Regal liegen viele Kunstskulpturen.
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Anne Imhof, Thomas Bayrle, Tobias Rehberger - die Liste der Kreativen, die für eine Solidaritäts-Auktion Kunstwerke gestiftet haben, liest sich wie das Who is Who der internationalen Kunstszene. Am Samstag wurden ihre Arbeiten versteigert - insgesamt sind es 450 zeitgenössische Kunstwerke. Der Erlös von 53.300 Euro fließt in den Kultur-Notfallfonds der Stadt Frankfurt, der Künstler während der Corona-Pandemie finanziell unterstützt.

Rehberger sorgt sich um den Nachwuchs

Finanzielle Probleme kennt der international erfolgreiche Künstler Tobias Rehberger heute nicht mehr, doch die prekäre Lage vieler Kolleginnen und Kollegen ist ihm alles andere als gleichgültig. Er ist sauer. Sauer auf Politikerinnen und Politiker, die seiner Meinung nach die Sorgen und Nöte der Kreativen in Hessen nicht wahrnehmen.

"Es ist schon peinlich, wie mit der ganzen Sache umgegangen wird", sagt er. "Die meisten Leute kämpfen ums Überleben." Vor allem junge Leute, die noch nicht lange aus der Kunstakademie raus seien, hätten es schwer. "Manche sehen gerade kein Licht mehr am Ende des Tunnels." Das Problem: Nebenjobs in Cafés und Bars, mit denen sich der Kreativ-Nachwuchs häufig über Wasser hält, seien jetzt auch einfach weg.

Viele Kreative seit einem Jahr ohne Verdienst

"Die fallen einfach durch jedes Raster", bemängelt Rehberger. "Theater und Museen werden als schützenswert betrachtet, obwohl auch für die wenig getan wird. Aber es gibt viele Bereiche, die zwar nicht so etabliert, aber mindestens genau so relevant sind." Wenn nichts mehr nachwachse, weil es sich Menschen einfach nicht mehr leisten könnten, Kunst zu schaffen, brauche man auch bald keine Theater und Museen mehr.

Weil so viele Kreative "seit einem Jahr keinen Pfennig mehr verdienen", hat der Künstler eine Leuchtskulptur für die Auktion gespendet. Kein Herzensstück, wie er zugibt, aber ganz sicher auch kein Ramsch: "Es ist jetzt nicht so, dass es eine Arbeit ist, die ich eh loswerden wollte", lacht Rehberger.

Leucht-Skulptur von Tobias Rehberger - Screenshot des Auktions-Loses auf der Internetseite des Auktionshauses.

International hat er schon große Erfolge gefeiert. Vor gut 20 Jahren entwarf er für die EXPO 2000 in Hannover einen japanischen Garten, den er mitten im Sommer mit Schneekanonen in eine Winterlandschaft verwandelte. 2009 bekam er auf der Biennale von Venedig einen goldenen Löwen für sein Café aus Verbundmaterial.

Sehnsucht nach den großen Ausstellungen

Die großen Ausstellungen, sie fehlen nicht nur Rehberger. Auch Sandra Havlicek vom Künstlerkollektiv HazMatLab vermisst den Austausch mit anderen: "Mir fehlt es sehr, nicht so spontan mit Menschen zusammenkommen zu können", sagt sie. Das letzte Jahr habe sich für sie angefühlt wie Autofahren mit angezogener Handbremse.

Das versteht auch Rehberger gut. "Für mich ist alles ein bisschen zäh mittlerweile", klagt er. "Man lebt eben nicht nur ökonomisch von der Kunst, sondern auch davon, dass man sie zeigen kann."

Rehberger erhofft "weit geöffnete Geldbeutel"

Trotz abgesagter Ausstellungen und finanzieller Einbußen gehe es ihm aber immer noch sehr viel besser, als manchen anderen. Der Frankfurter möchte helfen. Seine Hoffnung vor der Auktion: dass auch die Bietenden in Geberlaune sein würden: "Idealerweise machen die Leute den Geldbeutel ein bisschen weiter auf und sehen das nicht nur als Chance, um günstiger als in einer Galerie an bestimmte Arbeiten zu kommen."

Die über 50.000 Euro, die bei der Auktion gesammelt wurden, sind für Rehberger auch eine Wertzschätzung der Kunst. Deshalb appelliere er ganz klar auch an die Politik, endlich mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, statt weiterhin solch eine Teelöffel-Wirtschaft zu betreiben. “Der Ärger ist groß, die Wut wird auch mit jeder Unfähigkeitsmeldung immer größer und man fragt sich manchmal wirklich, ob da an entscheidenden Positionen den Leuten wirklich klar ist, was das für manche Leute bedeutet", meint er.

Weitere Informationen

53.300 Euro für Künstlerinnen und Künstler in Not

Bei der Benefiz-Auktion am 6. März im Kunst- und Auktionshaus Döbritz sind insgesamt 53.300 Euro für den wegen der Corona-Krise gegründeten Kulturnotfallfonds zusammengekommen. Betroffene können daraus zwischen 500 und 5.000 Euro erhalten. Wer mitbieten wollte, konnte das live tun.

Der Kultur-Notfallfonds war im vergangenen Jahr durch Mittel des Frankfurter Kulturdezernats und Spenden auf rund 380.000 Euro aufgestockt worden. Die Mittel wurden komplett abgerufen.

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Sendung: hr2-kultur, 05.03.2021, 17.39 Uhr