Mit 2,44 Metern war Anton Frank einer der größten Menschen aller Zeiten. Sein über 400 Jahre altes Skelett hat in Marburg Kultstatus. Nun wurde ein Bild von ihm in einem Schloss in Österreich entdeckt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Langer Anton" auf Gemälde in Österreich entdeckt

Ölgemälde mit großem und kleinen Mann und Skelett
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Lange gab das Bild Rätsel auf: Zwei altertümlich gekleidete Männer stehen nebeneinander, einer ist fast übernatürlich groß, der andere reicht ihm gerade mal bis zur Oberkante der Kniestrümpfe. Bei dem kleinwüchsigen Mann handelt es sich um einen damals bekannten sogenannten Hofzwerg. Doch die Identität des riesenhaften Mannes war lange unklar.

Das Gemälde stammt aus dem ausgehenden 16. Jahrhunderts. Bislang ging man davon aus, der große Mann auf dem Gemälde sei der Italiener Giovanni Bona. Vor einigen Jahren kamen daran Zweifel auf. Nun ist klar: Es handelt sich um Anton Frank. Unter dem Spitznamen "Langer Anton" ist er in Marburg eine Berühmtheit. Sein Skelett wird im Museum Anatomicum ausgestellt, dem Medizinhistorischen Museum der Philipps-Universität.

Kurator: Es war eine Zufallsentdeckung

Das Bild gehört dem Kunsthistorischen Museum Wien und hängt im Schloss Ambras bei Innsbruck in Tirol. Dort stieß Kurator Thomas Kuster per Zufall auf die Identität des Mannes, wie er erzählt. Bei Recherchen zu einem Sammelband über Hofzwerge blickte er in ein Buch von 1609, in dem ein Arzt "Wunder der Natur" beschrieb, etwa Siamesische Zwillinge. Darin entdeckte Kuster einen Kupferstich von Anton Frank: "Mir kam das Gesicht so bekannt vor."

Beim direkten Porträtvergleich habe er große Ähnlichkeiten festgestellt: von der Frisur über die Nase bis zu einer markanten Narbe, die vom Kinn über die Lippen bis zur Nase verläuft. Die habe sich Anton Frank wohl bei einer Verletzung zugezogen. "Wir sind uns wegen dieser Details und der frappanten Physiognomie ganz sicher", sagt Kuster.

Wer war der Lange Anton überhaupt?

Die Marburger Forscherin Nina Ulrich hat sich in ihrer Doktorarbeit ausgiebig mit dem riesigen Skelett und der dazugehörigen Lebensgeschichte befasst. Demnach wurde Anton Frank zwischen 1544 und 1561 an der heutigen niederländischen Grenze geboren. Er litt unter einem gutartigen Tumor im Gehirn, der dazu führte, dass sein Körper zu viele Wachstumshormone produzierte. Während seine Zeitgenossen damals durchschnittlich nur 1,60 Meter groß wurden, maß er ganze 2,44 Meter.

Ulrich fand heraus, dass Anton Frank wegen seiner Größe unter Schmerzen litt und eine Krücke brauchte, die heute noch erhalten ist. Besonders mit steigendem Alter litten seine Knie- und Hüftgelenke, außerdem könnte er unter Begleiterkrankungen wie Diabetes gelitten haben. Man vermutet heute, dass er relativ jung starb: im Alter von 39 bis 52 Jahren.

Skelett "Langer Anton"

Anton Frank hatte als Leibwächter beim Herzog von Braunschweig gearbeitet. Dieser ließ an der damaligen Universität Helmstedt sein Skelett präparieren. Dieses brachte vor 210 Jahren ein Anatom schließlich nach Marburg.

Der größte und der kleinste Mensch

Im 16. Jahrhundert sollte das Gemälde in Innsbruck vermutlich den damals größten und kleinsten bekannten Menschen gemeinsam abbilden, erklärt der Kurator Thomas Kuster. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass Anton Frank dafür persönlich nach Innsbruck kam und Modell stand, sondern dass andere Abbildungen von ihm als Grundlage für das Gemälde dienten.

Buchdruck Langer Anton

Offenbar war der große Mann schon damals eine Berühmtheit: Kupferstiche von Anton Frank seien schon ab 1580 in ganz Europa bekannt gewesen, so Kuster.

Bei dem kleinen Mann handelte es sich um einen Mann, der am Hof von Fürst Ferdinand II. als "Hofzwerg Thomele" bekannt war. Geht man von dem Bild aus, maß er etwa 65 Zentimeter. Quellen beschreiben, dass Thomele am Hof der Belustigung der Hofgesellschaft diente. So sei er 1568 aus einer Hochzeitstorte gesprungen.

Teil einer "Wunderkammer"

Das Gemälde gehört zu einer "Wunderkammer" im Schloss Ambras, eine bis heute gut erhaltene Kunstsammlung. Fürst Ferdinand II. stellte sie aus Kunstgegenständen und Porträts von seinen Vorfahren, berühmten Persönlichkeiten und sogenannten Wundermenschen zusammen.

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Der Begriff "Zwerg"

Der früher für kleinwüchsige Menschen häufig verwendete umgangssprachliche Begriff wird heute von vielen Betroffenen negativ aufgenommen und abgelehnt. Widerstand dagegen gab es etwa vor einigen Jahren unter dem Hashtag #keinzwerg.

Der Kurator von Schloss Ambras, Thomas Kuster, findet es wichtig, bei Führungen und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit alten Darstellungen die heutige Perspektive und Sensibilität widerzuspiegeln. Damit so umzugehen, dass betroffene Menschen nicht davon verletzt werden, sei ein Balanceakt.

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