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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Moses Pelham und Kraftwerk streiten vor dem Bundesgerichtshof

Moses Pelham

Seit über 20 Jahren streitet sich der Frankfurter Hiphopper Moses Pelham mit der Gruppe Kraftwerk: Es geht um einen Musikschnipsel, den Pelham für einen Song übernommen hatte. Jetzt hat der Bundesgerichtshof geurteilt. Doch das juristische Tauziehen ist noch nicht vorbei.

Es sind die wohl berühmtesten zwei Sekunden Musik der deutschen Rechtsgeschichte: Seit 23 Jahren tobt ein Streit zwischen der Elektropop-Gruppe Kraftwerk und dem Frankfurter Rapper und Musikproduzenten Moses Pelham um ein sogenanntes Sample, einen Musikschnipsel.

Pelham hatte damals für einen Song der Rapperin Sabrina Setlur eine zweisekündige Sequenz aus dem Kraftwerk-Titel "Metall auf Metall" kopiert und in veränderter Form unter ihr Stück gelegt - ein eigentlich gängiges Verfahren im Hiphop. Dagegen hatte Kraftwerk geklagt. Die Band sei vorher nicht gefragt worden. Der Fall wanderte durch verschiedenste Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof.

BGH-Urteil: EU-Richtlinie verschärfte Sampling-Recht

Nun rückt die finale Entscheidung näher: Am Donnerstag urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, der sich bereits zum dritten Mal mit dem Fall befasste. Nach Ansicht der Richter durfte Moses Pelham die Sequenz im Jahr 1997 zwar ohne zu fragen kopieren und unter den Song legen. Damals seien solche Samples weitestgehend von der Kunstfreiheit gedeckt gewesen.

Seit Dezember 2002 habe eine EU-Richtlinie die Vorschriften aber verschärft: Danach ist Sampling nur erlaubt, wenn der Tonschnipsel so verändert wird, dass er im neuen Song nicht mehr wiederzuerkennen ist. Und das, so urteilte der BGH, sei bei dem Setlur-Song nicht der Fall.

Ob nach 2002 allerdings überhaupt noch Tonträger mit dem Setlur-Song hergestellt wurden, ist unklar. Auch andere offene Fragen müssen jetzt noch geklärt werden. Deshalb landet der Fall nun ein weiteres Mal am Oberlandesgericht Hamburg - wo der Rechtsstreit vor vielen Jahren begann.

23 Jahre Rechtsstreit um zwei Sekunden - eine Chronologie:

  • 1977: Die Band Kraftwerk veröffentlicht ihren Titel "Metall auf Metall".
  • 1997: Moses Pelham verwendet eine zweisekündige Sequenz daraus und legt sie in veränderter Form als Endlosschleife unter das Stück "Nur mir" der Rapperin Sabrina Setlur.
  • 1999: Kraftwerk reicht beim Hamburger Landgericht eine Klage auf Schadenersatz und Unterlassung ein. Der Fall wird zunächst vor dem Oberlandesgericht Hamburg verhandelt. Pelham darf den Song und das zugehörige Album nicht mehr verkaufen.
  • 2008: Der BGH hebt das Urteil des Oberlandesgerichts auf und gibt damit vorerst Pelham Recht.
  • 2012: Zweite Verhandlung vor dem BGH. Dieses Mal lautet das Urteil: Pelham hätte das Sample selbst nachproduzieren können - und müssen. Damit bekommt vorläufig Kraftwerk Recht.
  • 2016: Das Bundesverfassungsgericht hebt das zweite BGH-Urteil auf und verweist auf das Gut der Kunstfreiheit. Es gibt den Fall zurück an den BGH, der ihn schließlich dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Einschätzung vorlegt.
  • Juli 2019: Der EuGH entscheidet: Musiker dürfen Audiofragmente aus anderen Stücken entnehmen - aber nur, wenn sie "in einem neuen Werk in geänderter und beim Hören nicht wiedererkennbarer Form" genutzt werden. 
  • Januar 2020: Der BGH verhandelt erneut über den Rechtsstreit.
  • 30. April 2020: Laut BGH-Urteil durfte Pelham den Song damals produzieren, nach einer erst 2002 erlassenen EU-Richtlinie ist er aber zu beanstanden. Der Ball liegt nun - für das womöglich endgültige Urteil - wieder beim Oberlandesgericht Hamburg.

Sendung: YOU FM, 30.04.2020, 12 Uhr