Buchhandlung in Frankfurt: Bücherpakete zum Abholen

Monatelang waren die Buchläden coronabedingt geschlossen. Das Geschäft brach in den ersten Jahreshälfte regelrecht ein. Und doch kam die Branche stabil durch die Krise - dank boomenden Online-Handels.

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Für Lisa Schumacher war es kein einfaches Jahr: Sie hatte zu Beginn der Corona-Pandemie die 185 Jahre alte Steinmetz’sche Buchhandlung in Offenbach übernommen und musste - quasi mit Geschäftsübernahme - ihren Verkauf umbauen.

"Die Kunden riefen an, schrieben E-Mails und bestellten über den Online-Shop. Und für uns hieß es quasi: "Wir wurden über Nacht zu einem kleinen Logistikunternehmen", sagte die junge Buchhändlerin dem hr. Was Schumacher beschreibt, gilt für viele, die in der Pandemie ihren Laden am Laufen lassen wollen: Die Ladenkäufe gingen zurück, das Online-Geschäft wuchs. Das resümierte auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Frankfurt.

Plus durch Online-Handel "teuer erkauft"

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Die Händlerinnen und Händler meldeten demnach zwischen Januar und Ende Juni dieses Jahres ein Minus von 23 Prozent beim Umsatz in den Buchhandlungen - verglichen mit dem selben Zeitraum im Jahr 2019. Im vergangenen Jahr, dem ersten Corona-Jahr, lag das Minus bei 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dass der gesamte Buchhandel im Jahr 2020 dennoch weitgehend stabil blieb – mit einem Umsatz von 9,3 Milliarden Euro – sei auf die gestiegenen Online-Verkäufe zurückzuführen, erklärte Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Frankfurt.

Dieser Online-Zuwachs sei aber teuer erkauft, urteilt Skipis: "Wenn das über Auslieferer geschieht, dann muss für jede Bestellung ein Päckchen gepackt werden, zur Post gebracht und versendet werden. Das ist teuer, deswegen sind die Margen sehr gering." Der Büchermarkt habe, so Skipis weiter, über eine Million Neukunden im Onlinehandel gewonnen. Dabei sei das Verhältnis zwischen Amazon, dem größten Online-Händler, und dem Buchhandel ungefähr 50:50.

Online gibt es ein Plus von 27 Prozent

Die Bilanz: Amazon habe nur sieben Prozent mehr Online-Umsatz mit Büchern gemacht im vergangenen Jahr, die Buchhändler dagegen rund 27 Prozent mehr. Auch während des Shutdowns Anfang des Jahres haben sich Buchhändlerinnen und Buchhändler bereits gefreut, weil sie früher öffnen durften als andere Läden.

Friederike Herrmann ist Inhaberin der Buchhandlung Bindernagel in Friedberg und in Butzbach. Sie spürt den Zuwachs bei den Online-Bestellungen hautnah. "Wir haben für einen Bruchteil des Umsatzes einen immens hohen Aufwand gehabt, auch mit der Annahme der ganzen Bestellungen. Das war teils irre, wir haben 15-Stunden-Tage gehabt", sagte sie.

Friederike Herrmann, Buchhändlerin aus Friedberg

Wie sieht die Buchhandlung von morgen aus?

Mehr gelesen während der Pandemie haben insbesondere jüngere Menschen im Alter zwischen 10 und 29 Jahren, meint der Börsenverein. Davon profitiert haben Kinder- und Jugendbücher. Unterhaltungs-, Schul- und Reiseliteratur waren dagegen weniger gefragt. Wie lange der Buchhandel noch unter den Folgen von Corona zu leiden hat, ist unklar.

Alexander Skipis vom Börsenverein will deshalb die Buchhandlung aufwerten zu Kulturinstitutionen vor Ort: Lesungen, Diskussionen, Konzerte – vieles wäre denkbar in der Buchhandlung von morgen, an vielen Orten Deutschlands gibt es dieses Angebot allerdings schon längst.

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