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Andrea Abreu "So forsch, so furchtlos"

Mit ihrem ersten Roman hat Andrea Abreu in Spanien für Furore gesorgt. "So forsch, so furchtlos" mischt feministische Ideen und kanarische Tradition zu einem kleinen Meisterwerk mit einem unvergleichlichen Sound. ttt hat die Autorin auf Teneriffa getroffen.

In dem Haus, in dem Andrea Abreu aufwuchs, gab es keine Bücher. Dass die 27-Jährige heute in ihrer Heimat als literarischer Shootingstar gilt, wurde ihr alles andere als in die Wiege gelegt. Ihr Vater war Bauarbeiter und verdiente sein Geld beim Bau von Ferienanlagen. Ihre Mutter putzte in den Hotels und Touristenhäusern auf Teneriffa.

Andrea Abreus Zuhause Icod de los Vinos liegt im Norden der Insel - dort wo es das ganze Jahr über viel regnet und die Wolken grau und tief hängen. Die Eltern sah sie selten, wie so viele andere Kinder ihres Dorfes auch.

Einsame Kindheit mit Platz für Kreativität

"Fast alle meine Verwandten lebten vom Tourismus in irgendeiner Weise. Aber als Kind bekam ich davon nichts mit. Die typischen Touristenorte im Süden der Insel lagen in weiter Ferne." Ihre Kindheit bezeichnet sie als "ein wenig einsam", aber wahrscheinlich habe das ihre Kreativität gefördert, vermutet die Autorin.

Obwohl Abreus Eltern wenig Zeit für die Lektüre von Büchern hatten, besaßen sie eine Gabe, über die viele Bewohner in den abgelegenen Bergdörfern auf Teneriffa verfügen: sie konnten gut Geschichten erzählen. So lernte die Tochter die Kunst des Erzählens.

Die Geschichte einer ganz besonderen Freiheit

Eigentlich wollte Abreu Journalistin werden, begann an der Universität von Teneriffa in La Laguna ein Studium, wechselte später an die Uni in Madrid. Doch das Leben dort sei teuer und frustrierend gewesen. "Mir fehlte die Insel. Ich hatte genug vom Stress der Metropole."

Cover des Buches "So forsch, so furchtlos" von Andrea Abreu

Ihr Debütroman "So forsch, so furchtlos" erzählt die Geschichte zweier 10-jähriger Mädchen auf Teneriffa. Die Leserinnen und Leser werden in ein ganz eigenes subversives Mädchen-Universum hineingezogen.

"Diese Figuren, die am Rande der Gesellschaft leben, genießen eine Freiheit, die andere soziale Gruppen nicht haben", sagt Abreu über ihre Protagonistinnen. "Da niemand sie beachtet, können sie sich ungestört danebenbenehmen. Sie schämen sich auch nicht, wenn sie Schimpfwörter benutzen oder unanständig reden."

Von kleinen Mädchen werde Sauberkeit und Reinheit erwartet - diese Erwartungen will Abreu nicht erfüllen. "Ich habe oft Lust, die Welt zu einem dreckigen Ort zu machen. Allein schon deshalb, weil wir Mädchen so selten Gelegenheit dazu hatten."

Mit dem Debüt einen Volltreffer gelandet

Abreus Buch ist auch eine Feier des typischen Lebensstils und der Esskultur auf Teneriffa. Schon früh geht es bei den Mädchen darum, wie dick oder dünn sie sind - was sie essen und was die Großmütter ihren auftischen. Betrachtungen zur weiblichen Körperlichkeit schwingen immer mit. Feministische Ideen und kanarische Tradition ergeben einen speziellen Mix.

"So forsch, so furchtlos", im Original "Panza de burro", wurde nach der Veröffentlichung in Spanien 2020 zu einem literarischen Erfolg. Dabei ist das Buch in einer Sprache geschrieben, die selbst für Spanier nicht so leicht zu verstehen ist. Tabulos, offen, direkt, enthält es viele sprachliche Besonderheiten und Wörter, die es nur auf Teneriffa gibt.

"Schreiben heißt für mich, in die Tiefe zu gehen, auf das zu schauen, was ich kenne und was mich umgibt. Dank dieser Verwurzelung fühle ich mich lebendig und einzigartig", beschreibt die 27-Jährige ihr Leben und ihre Arbeit. Mit "So forsch, so furchtlos" ist ihr auf Anhieb ein Meisterwerk mit ureigenem Sound gelungen.

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