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Muss man die Frankfurter Buchmesse boykottieren, weil rechte Verlage anwesend sein dürfen? In den sozialen Netzwerken ist eine hitzige Debatte entbrannt. Einige Autorinnen fühlen sich unter Druck gesetzt.

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zum Video Michel Abdollahi im Gespräch mit Tijen Onaran

Tijen Onaran
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Nach der Debatte um rechte Verlage sagten mehrere Autorinnen und Autoren ihre Auftritte auf der Frankfurter Buchmesse ab. Ihre Stellungnahmen machten die Autorin Jasmina Kuhnke, der Influencer Riccardo Simonetti und weitere Gäste über Twitter und Instagram öffentlich.

Das Thema beschäftigt natürlich auch die Autorinnen und Autoren, die bei der Buchmesse auftreten. Die Autorin Jagoda Marinić sagte am Donnerstag im Bühnengespräch rund um Cancel Culture und Diversität, dass auch sie sich noch am Morgen darüber auf Twitter gestritten habe. Sie sei attackiert worden, nicht klar genug zu sein.

Marinić: "Temperatur herunterdimmen"

"Ich finde es nicht gut, zu einem Boykott gegen die Buchmesse aufzurufen, weil wir gemeinsam reden müssen, weil wir hier unsere Ideen vertreten müssen", sagt Marinić. Sie kritisierte die Erhitzung der Debatten in sozialen Netzwerken wie Twitter und plädierte dafür, "die Temperatur herunterzudimmen".

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"Wir folgen alle der Logik der Polarisierung dieser Algorithmen, wo sich die Welt in klare Lager einteilt", so Marinić. Es müsse aber auch Möglichkeiten geben, zu differenzieren.

"Schwarz gegen weiß, jung gegen alt, Mann gegen Frau"

Auch die Autorin und Unternehmerin Tijen Onaran äußerte sich im Gespräch mit Moderator Michel Abdollahi zu der aktuellen Entwicklung in den sozialen Netzwerken. Sie beobachte dort die Diskussion um Diversität "mit großem Bauchschmerz, weil ich das Gefühl habe, egal was man macht: Man macht es falsch." Es gehe nur noch um "Schwarz gegen weiß, jung gegen alt, Mann gegen Frau", so Onaran. "Ich finde diese Zeigefingerpolitik wahnsinnig schwierig." Es brauche stattdessen Mut, Hoffnung und Optimismus um gesellschaftlichen Konsens zu finden.

Außerdem forderte Onaran, Vielfalt als positives Thema zu betrachten. "Es ist aber so negativ besetzt und krampfig geworden, dass viele Menschen einfach abschalten und das will ich nicht." Aus ihrer Sicht spiele diese Art der Debatte denen in die Hände, "die nicht demokratisch sind, die dieses Land mit Füßen treten; Parteien, die in diesen Parlamenten sitzen, die nicht in diesen Parlamenten sitzen sollten."

Tijen Onaran sprach sich dafür aus, zunächst auch anderen Meinungen zuzuhören. "Aber wenn ich von vornherein konfrontativ bin, dann werde ich die Tür nie öffnen", so Onaran.

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Moderatorin Ameziane: "Ich fühlte mich unter Druck gesetzt"

Bereits am Mittwoch äußerte sich auch Mona Ameziane, die die Eröffnungsfeier moderiert hatte, zum Thema Absagen. Sie erzählte, sie sei in zahlreichen Nachrichten dazu aufgefordert worden, sich zu dem Boykott zu positionieren. "Mal war das Ganze freundlich formuliert, mal überhaupt nicht", erzählt sie in einer Instagram-Story. Sie habe sich durch die Vielzahl der Nachrichten unter Druck gesetzt und in eine Ecke gedrängt gefühlt.

Ameziane betonte: "Selbstverständlich solidarisiere ich mich mit Menschen, die nicht zur Buchmesse fahren, weil sie sich gefährdet fühlen." Aus ihrer Sicht mache die Buchmesse es sich zu einfach damit, wenn sie sage, die Präsenz der Verlage falle unter die Meinungsfreiheit.

"Die Aussage, rechte Verlage dürfen auf der Messe keine Stände bekommen, ist aber in meinen Augen genauso kurz gegriffen", sagt Ameziane weiter. "Wo setzt man an, wer entscheidet darüber, auf welcher rechtlichen Grundlage?" Das sei eine "riesige Debatte", die sie nicht in Instagram-Direktnachrichten diskutieren könne.