Bundesaußenminister Maas (SPD, l.), und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse (2.v.l), begrüßen das norwegische Kronprinzenpaar

Die Frankfurter Buchmesse ist eröffnet. Die Auftaktveranstaltung stand im Zeichen politischer und gesellschaftlicher Umbrüche und rechtsextremistischer Bedrohungen. "Erschütterung allein reicht nicht mehr", sagte Außenminister Maas.

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Mit vielen prominenten Gästen, allen voran dem norwegischen Kroprinzenpaar Mette-Marit und Haakon, ist am Dienstagabend die Frankfurter Buchmesse eröffnet worden. Zum Start sprachen sich mehrere Redner für ein stärkeres gesellschaftliches Engagement aus. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) verwies auf den rechtsextremen Anschlag in Halle in der vergangenen Woche. "Erschütterung allein reicht nicht mehr", sagte er. "Unser 'Nie wieder' klingt nach jeder neuen Tat hohler." Selbstverständlich müsse "Terror von rechts" zuallererst von den Strafverfolgungsbehörden bekämpft werden, die hier "viel zu lange blind" gewesen seien, sagte Maas. "Aber damit ist es nicht getan."

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse

Jemand wie der Täter von Halle sei "Nachbar, Arbeitskollege, Familienmitglied, Bekannter" gewesen und damit ein Teil der Gesellschaft. "Und deshalb tragen wir, trägt diese Gesellschaft, eine Mitverantwortung, wenn wir alle paar Wochen wieder neue Opfer von Rassismus und Antisemitismus, von Hass und Hetze beklagen müssen." Ähnlich äußerte sich Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU): "Ich weiß nicht, ob es uns gelingt, die Welt zu retten, aber es wäre schon viel gewonnen, würden wir die vielfältige Gleichgültigkeit überwinden."

Solidarität mit verfolgten Kunst- und Kulturschaffenden

Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, mahnte ebenfalls, Freiheitsrechte seien "zunehmend Angriffen ausgesetzt". Antidemokratische Strömungen nähmen zu, "ausgrenzende, rechtsextremistische und antisemitische Haltungen" würden lauter, wie der Anschlag von Halle zeige. Angesichts solcher Entwicklungen frage er sich oft: "Mache ich genug?", berichtete Riethmüller. "Entscheidend ist für mich, anzufangen und den Weg zu finden, mit dem ich mich auf meine Art und mit meinen Möglichkeiten am besten einbringen kann."

Die Buchmesse etwa solle "Solidarität mit verfolgten und inhaftierten Kunst- und Kulturschaffenden bekunden". "Bis Sonntag sind wir dazu aufgerufen, uns damit zu beschäftigen, welchen Beitrag wir als Kultur- und Medienbranche zu den drängenden Fragen unserer Zeit leisten können", sagte Riethmüller in der letzten Eröffnungsrede seiner Amtszeit. "Lassen Sie uns gemeinsam eintreten für die Bedeutung unserer freiheitlich-demokratischen Werte, das Vertrauen in die Kraft des Wortes und die Vision von einer gerechteren und nachhaltigeren Welt."

Knausgård mit optimistischem Hölderlin-Zitat

Norwegen ist in diesem Jahr Ehrengast der Buchmesse. An der Eröffnungsveranstaltung nahm auch die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg teil. Zu den Rednern gehörten die norwegischen Autoren Karl Ove Knausgård und Erika Fatland.

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Knausgård verwies in seiner Eröffnungsrede auf die "Langsamkeit" und die lang andauernde Wirkung von Literatur. Diese habe das Phänomen, dass technologische Errungenschaften wie das Auto und gut gemeinte Taten wie die Veränderung der Erbmasse in ein unkontrollierbares Übel umschlagen könnten, schon seit langem beschrieben, sagte Knausgård. Er nannte Thomas Manns "Doktor Faustus" als Beispiel und den "vielleicht größten deutschen Dichter", Friedrich Hölderin. Dieser habe aber auch "etwas anderes, ebenso Wahres" geschrieben, zitierte der Schriftsteller Hölderlin in einem optimistischen Schlusszitat: "Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch."

Am Mittwoch öffnet die Buchmesse ihre Tore für das Fachpublikum. Die Zahl der Aussteller ist gegenüber dem Vorjahr um rund 150 gestiegen, wie die Buchmesse mitteilte. Erwartet werden rund 285.000 Besucher. Am Samstag und Sonntag öffnet die Buchmesse traditionell ihre Pforten für das leseinteressierte Publikum.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.10.2019, 19.30 Uhr