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Audioseite Kinderbuchtipps aus Kanada

Kind mit Taschenlampe und Buch unter einer Bettdecke und das weiße Logo der Buchmesse und Ehrengastland Kanada

Zungenbrecher-Kunst, eine Ziege in New York und die tödliche Reise auf einem Segelboot: Buchmesse-Ehrengast Kanada hat spannende Bücher für Kinder und Jugendliche im Gepäck. Wir stellen sechs Lesetipps für 4 bis 12-Jährige vor.

Terry Farish und Ken Daley "Josephs große Fahrt"

Terry Farish und Ken Daley "Josephs große Fahrt"

Joseph wächst in einem Geflüchtetencamp in Kenia auf. Sein größter Traum ist es, einmal Fahrrad zu fahren, doch für das einzige Fahrrad im Camp sind seine Beine zu kurz. Irgendwann zieht er mit seiner Mutter in die USA. Auf der Straße entdeckt er ein kleines, rotes Fahrrad - ein Fahrrad, das die perfekte Größe für ihn hat.

Das Mädchen, dem das Fahrrad gehört, geht sogar in die gleiche Klasse wie Joseph. Immer und immer wieder fragt er, ob er es mal fahren darf. Erst als das Fahrrad kaputt ist und Joseph es wieder reparieren kann, lässt das Mädchen ihn fahren. Doch Fahrrad fahren ist viel schwieriger, als Joseph sich das vorgestellt hat.

Terry Farish erzählt von Freundschaft und von kleinen Träumen, die Kinder verbinden können - egal, wo sie herkommen. Die Autorin geht gar nicht näher darauf ein, wovor Josephs Familie geflüchtet ist und warum sie in die USA zieht. Im Vordergrund steht Joseph mit seinem Wunsch, Fahrrad zu fahren. Das rote Fahrrad zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte - auch in den dynamischen und lebhaften Bildern von Ken Daley.

Andrée Poulin und Marie Lafrance "Zwei Jungs und eine Hochzeit"

Andrée Poulin "Zwei Jungs und eine Hochzeit" Cover

Emil und Mathias spielen zusammen im Sandkasten und sind allerbeste Freunde. Als sie im Sand einen Ring finden, beschließen sie zu heiraten: Mit Kuchen, Konfetti, Zylinder und Krawatte.

"Dass zwei Jungs heiraten - das geht doch gar nicht!", heißt es schnell - auch von Emils Eltern. Doch die Kinder lernen: Eltern haben nicht immer recht, nur weil sie Eltern sind.

Andrée Poulin schreibt über Toleranz und gesellschaftliche Offenheit - ohne, dass man diese sperrigen Begriffe dafür verstehen muss. Die Botschaft ist einfach: Wenn man sich mag, ist das etwas Schönes. Ganz egal, ob das zu den Vorstellungen passt, die manche Erwachsene haben.

Jordan Scott und Sydney Smith "Ich bin wie der Fluss

Jordan Scott "Ich bin wie der Fluss" Cover

Autor Jordan Scott und Illustrator Sydney Smith lassen mit eindrucksvollen Bildern und wenigen Worten in die Welt eines Jungen eintauchen, der stottert – der viele Eindrücke um sich herum wahrnimmt, aber nur wenige Worte dafür hat.

Denn er schweigt lieber, statt sich in der Schule zu blamieren. Mit seinem Vater ist er am liebsten am Fluss. Dort muss er nicht reden, sondern kann das Wasser beobachten, wie es sprudelt, vorantreibt oder einfach nur ruhig ist.

Auf jeder Seite zieht ein neues, künstlerisches Bild mit dicken Pinselstrichen und dunklen Blautönen in die schwere Gefühlswelt des stotternden Kindes. Der Text klingt so poetisch, dass man fast meinen könnte, ein Erwachsener hat sich etwas zusammengereimt, was ein Kind niemals wirklich denken würde. Doch der Autor Jordan Scott schreibt aus eigener Erfahrung. Auch er hat als Kind gestottert - und sich gefühlt wie der Fluss.

Margaret Atwood "Drei drollige Dramen"

Margaret Atwood "Drei drollige Dramen" Cover

Die wohl bekannteste zeitgenössische Autorin aus Kanada, Margaret Atwood, hat ein Buch für alle Fans von Alliterationen, Zungenbrechern und Sprachakrobatik geschrieben. In den "drei drolligen Damen" geht es unter anderem um randalierende Radieschen, das bedauernswerte Bürschlein Baby Bob und Witwe Wischwaschs Waschsalon.

Übersetzer Ebi Naumann hat es geschafft, dass auch in der Deutschen Version von Atwoods "A Trio of Tolerable Tales" nahezu jedes Wort in einer Geschichte mit dem gleichen Buchstaben beginnt.

Beim lauten Vorlesen ist es gar nicht so einfach, die Zunge nicht völlig zu verknoten. Doch durch die teils sehr kuriosen Alliterationen gibt es auf jeden Fall etwas zu Lachen und ganz nebenbei auch zu Lernen: Denn so manches Wort kann wahrscheinlich sogar den Wortschatz von vielen erwachsenen Vorleser:innen noch bereichern.

Anne Fleming "Ziegen bringen Glück"

Anne Fleming "Ziegen bringen Glück" Cover

Ein Buch mit einer Ziege als Hauptfigur - man könnte meinen, die Geschichte spielt irgendwo auf dem Land, vielleicht in den Bergen. Doch Autorin Anne Fleming nimmt ihre jungen Leserinnen und Leser mitten zwischen Straßenlärm, Penthousewohnungen und Wolkenkratzer in die Großstadt New York.

Genau dorthin, in einen Wolkenkratzer, zieht die 11-jährige Kid aus Toronto mit ihren Eltern. Bald hört sie von dem Gerücht, dass eine Bergziege auf dem Hochhausdach leben soll. Die Ziege ist allerdings gut darin, sich vor Menschen zu verstecken und genau deshalb soll es angeblich sieben Jahre Glück bringen, wenn man sie zu Gesicht bekommt. Auf der Suche nach der Ziege lernt Kid so manche eigenwillige und kuriose Nachbarn kennen, die alle ihre eigenen Probleme, Macken und Liebenswürdigkeiten haben.

Allmählich überwindet Kid ihre Schüchternheit und findet neue Freunde. Anne Fleming schreibt gleichzeitig unterhaltsam und einfühlsam aus der Sicht eines jungen Mädchens, das sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden muss, und erzählt dabei eine kuriose Geschichte, die immer wieder überrascht.

Iain Lawrence "Skeleton Tree: Nur die Wilden überleben"

Iain Lawrence "Skeleton Tree: Nur die Wilden überleben"

Chris darf mit seinem Onkel und einem seltsamen Jungen, den er nicht kennt, auf eine abenteuerliche Reise mit dem Segelboot aufbrechen. Doch die Geschichte wird schnell viel abenteuerlicher, als Chris es sich gewünscht hätte. Das Boot kentert und nur Chris und der andere Junge - Franklin - überleben.

Sie schaffen es an ein Stück Land irgendwo in Alaska, wo weit und breit kein Mensch zu sehen ist. Zumindest kein lebendiger: In einem Baum in der Nähe entdeckt Chris einige Skelette. Es häufen sich unheimliche Geschehnisse mitten in der Wildnis Alaskas - mitten im Nirgendwo.

Dort müssen sich Chris und Franklin gemeinsam durchschlagen. Sie müssen Nahrung finden, sich gegen die Naturgewalten behaupten und ihren eigenen Ängsten stellen. Dass die beiden Jungen einander absolut nicht leiden können, macht es nicht einfacher.

"Skeleton Tree" ist eine Art Robinson-Crusoe-Abenteuergeschichte aus unserer Zeit. Der Ich-Erzähler gibt tiefe Einblicke in seine Gedanken und Gefühle, die geprägt sind von einem schwierigen Verhältnis zum verstorbenen Vater, Einsamkeit und der Angst ums Überleben.