Kinder Sachbücher Junge vor Tafel

Klimawandel in kindgerecht, der Weg von den Hieroglyphen zum Emoji oder lustige Ausklapp-Bücher - der Bücher-Herbst bietet üppigen Input zwischen den Buchdeckeln. Ein bisschen Rat im Bücherdschungel gefällig? Bitteschön!

Peter Wohlleben "Weißt du, wo die Tiere wohnen"

Peter Wohlleben Weißt du, wo die Tiere wohnen?

Tiere, die in Wohngemeinschaften leben, Fische, die pupsen, um sich zu unterhalten: Auf jeder Seite von "Weißt du, wo die Tiere wohnen?" gibt es neue und spannende Fakten zu Tieren. So ein Heringspups kann sogar über sieben Sekunden dauern. Und in manchen Dachsbauten leben auch Füchse zur Miete. Ob Tiere kitzelig sind, zwischendurch auswandern und ob es Tier-Freundschaften gibt, erklärt Peter Wohlleben detailliert, kindgerecht und so spannend, dass auch Eltern an diesem Buch große Freude haben werden.

Zitat
„Um Tiere zu beobachten, brauchst du nicht in den Zoo zu gehen. Kleine Tiere leben überall.“
Zitat Ende

Tiere suchen, sich Zeit nehmen, hinschauen, entdecken - dazu werden die Kinder ermutigt und angeregt. Nach jeder Seite hat man Lust in den nächsten Wald zu spazieren und das Gelesene zu überprüfen und Tier-Sucher zu werden. Besonders schön: Die vielen Probier-Ideen, die jedes Kind nachmachen kann. Zum Beispiel Zuckerwasser oder Limonade verschütten und auf die Ameisenstraße warten. Oder Regen imitieren und auf Regenwürmer warten. Fast auf jeder Seite gibt es eine neue spannende Idee, einen neuen Hinweis, eine tolle Mitmach-Aktion oder ein Quiz.

K. Scharmacher-Schreiber/S. Marian "Wie viel wärmer ist 1 Grad?"

Wird es wirklich wärmer? Kann man ein Grad Unterschied überhaupt spüren? Keine Sorge, liebe Eltern, dieses Kindersachbuch kommt ganz ohne den moralischen Zeigefinger und Panikmache aus. Mit tollen Bildern werden die Folgen und Zusammenhänge unseres Klimas erklärt. Zunächst gibt es Grundlagen über das Wetter und die Klimazonen. Dann geht es ins Detail: Welche Einflüsse haben wir auf den Klimawandel? Auch der Weg vom Baumwollanbau bis zur fertigen Jeans im Kaufhaus wird erklärt. Oder wie Tiere und Pflanzen zusammenarbeiten und mit steigenden Temperaturen umgehen.

Kristina Scharmacher-Schreiber / Stephanie Marian Wie viel wärmer ist 1 Grad?

Nicht nur die Kinder werden etwas Neues lernen. Übersichtliche Bilder zeigen den Ausstoß von Treibhausgasen. Trotzdem darf jeder zu Wort kommen. Es wird erklärt, dass Menschen vom Land oft auf ein Auto angewiesen sind. Und die Frau im Sportwagen merkt an: "Ein schicker Wagen will bewegt werden!" Jedes Kind kann die Fakten lesen und sich eine eigene Meinung bilden.

Aber der Blick in die Zukunft zeigt nicht nur die negativen Konsequenzen der Erderwärmung. In einer Zeichnung bekommen die Gäste im Restaurant plötzlich Insekten vorgesetzt, in einer anderen wird Biotreibstoff getankt und wieder ein paar Seiten weiter geht es um begrünte Dächer. Es gibt Lösungen, die jedes Kind ganz individuell umsetzen könnte mit schönen Anstößen, für eine klimafreundlichere Zukunft.

Lucy Letherland & Ben Handicott "Die Wunder der Welt"

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Cover Lucy Letherland Die Wunder der Welt
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Juliane Spatz (hr2-kultur) mit Ben und Finn: Ben und Finn (beide 10 Jahre alt) hat gefallen, dass man in diesem Wimmel-Sachbuch etwas über die Welt erfährt. Durch 30 Wunder der Welt haben sie sich geblättert, unglaubliche Naturphänomene entdeckt und über großartige Bauwerke gestaunt. Am meisten beeindruckt hat sie das bunte Schauspiel der Nordlichter und die Konstruktion der 2,5 Millionen Nieten des Pariser Eiffelturms, für deren Zählung man vier Wochen benötigt.

Gefallen hat den beiden, dass man in dem Buch von Ort zu Ort springen kann und nicht an eine Reihenfolge gebunden ist. In den detailreichen Zeichnungen haben sie jede Menge Neues und Interessantes entdeckt, auch das Suchspiel mochten sie. Unglücklich hingegen fanden sie, dass einige der auf dem Cover abgebildeten Orte im Buch nicht zu finden waren. Den Text empfanden sie zu kurz für ihr Alter, teilweise haben sie sich mehr Informationen gewünscht. Von daher empfehlen sie das Buch für neugierige Kinder zwischen 5 und 8 Jahren.

Susan Schädlich / Alexander von Knorre "Wie war das in der DDR?"

Susan Schädlich, Alexander von Knorre Wie war das in der DDR?

Wie es in der DDR war, können sich Kinder der Generation Y schlecht vorstellen: ein geteiltes Deutschland, eine Mauer mitten durch Berlin und zwei Länder, die ganz unterschiedlich funktionieren. Dieses abstrakte und komplexe Thema wird in "Wie war das in der DDR?" verständlicher gemacht. Mit vielen Grafiken und Erklärungen wird die Geschichte der DDR erzählt.

Klappt man den Einband auf, ist dort zunächst ein Bild von Deutschland, das die Aufteilung in Ost und West zeigt. Dazu werden Abkürzungen wie DDR und BRD erklärt. Danach berichten die Kinder Susan und Michael über ihr Leben in der DDR, über die Verbote und die Mentalität, während sie aufwachsen. Denn das Leben in der DDR unterschied sich in vielen Dingen von dem Leben in der Bundesrepublik. Ein Zeitstrahl erklärt die Geschichte der DDR vom Kriegsende 1945, über den Bau der Berliner Mauer bis hin zur Wiedervereinigung. Begriffe und Politiker werden chronologisch und kindgerecht erklärt. Auch die SED, die Stasi und die wichtigsten Politiker werden erläutert.

Weitere Informationen

"Stell dir vor, du könntest manche deiner Gedanken nicht mal deinen Freunden verraten, weil du weißt, dass du Ärger bekommst, wenn jemand sie weitererzählt."

Ende der weiteren Informationen

Ein Tipp: Mit einem jüngeren Kind sollte "Wie war das in der DDR?" gemeinsam gelesen werden, um aufkommende Fragen direkt klären zu können. Aber auch ältere Kinder freuen sich sicher auf Erzählungen von Zeitzeugen und persönliche Anekdoten. Das Sachbuch ermutigt die Kinder, selbst auf Spurensuche zu gehen und DDR-Forscher zu werden.

Philip Steele "Ritterburg, Wolkenkratzer und andere gigantische Bauwerke"

 Philip Steele, Brendan Kearney - Ritterburg, Wolkenkratzer und andere gigantische Bauwerke

Das Prinzip ist bekannt: Bei Klappenbilderbüchern verstecken sich unter ausziehbaren Pappen Zusatztexte oder Bilder, die es zu entdecken gilt. Bei Philip Steeles "Ritterburg, Wolkenkratzer und andere gigantische Bauwerke" schaut man beim Ausziehen der Klappen in das Innere von historischen Bauten, Hängebrücken, Palästen und modernen Hochhäusern. Fünf Bauwerke werden näher vorgestellt. Beim Lesen und Entdecken gibt es gleichzeitig ein Wimmel-Suchspiel mit possierlich gezeichneten Figürchen.

Auf jeder Seite gibt es etwas Lustiges zu entdecken. Mal wird über einem Ritter der Nachttopf ausgeleert und mal tauchen drollige, glubschäugige Tiere an komischen Orten auf. Angedacht ist das Buch für Kinder ab fünf Jahren. Die haben mit den niedlichen, detaillierten Zeichnungen, den Klappen und Auszieh-Seiten auch sicher ihren Spaß, doch auch ältere Kinder oder die Eltern können das eine oder andere lernen: "Hypogäum" zum Beispiel, das ist das unterirdische System unter einem Amphitheater. Auf den Wimmelbildern ist nur durch den geringen Kontrast der ein oder andere Infotext etwas schlecht zu lesen.

Martin Brown "Tiere, die kein Schwein kennt II"

Martin Brown Tiere, die kein Schwein kennt II

Grauer Schlanklori, Katzenfrett, Altai-Argali, Tamandua - das sind alles Tiere, die kein Schwein kennt. In dem Sachbuch werden die niedlichen und zum Teil verrückten Tierarten vorgestellt. Zu jedem Tier gibt es einen knappen Text, Fakten über die Herkunft, die Größe und den Speiseplan. Dazu gibt es meist lustige Bilder mit drolligen Sprechblasen. Obwohl die Riesen-Kängururatte nur in etwa so groß ist wie ein kleines Meerschweinchen (mit einem ganz langen Schwanz), kann sie zwei Meter weit springen.

Der Tamandua hat eine riesige und lange Zunge, die für Ameisen und Termiten zum Verhängnis werden kann. Zweimal in einer Sekunde schnellt die Zunge des Termiten-Terminators hin und her und schleckt alles auf, was nicht bei drei im Ameisenbau verschwunden ist. Insgesamt ist die Fortsetzung von Martin Browns Buch wieder eine Pflichtlektüre, die ganz besondere Tiere für unbedarfte Stadtkinder oder Tier-Experten bereit hält.

Vitali Konstantinov "Es steht geschrieben"

Vitali Konstantinov Es steht geschrieben Von der Keilschrift zum Emoji

Wer dieses Buch lesen will, braucht viel Geduld und Durchhaltevermögen. Jede Seite ist nämlich überladen mit Text und comicartigen Bildern. Alles ist in schwarz-weiß-rot gehalten, ab und zu schleichen sich grüne und blaue Farbtupfer ins Bild. Die vielen Schriftzeichen und Sprechblasen in den monotonen Farben führen schnell zu einer Reizüberflutung. Nichtsdestotrotz kann man von diesem Buch einiges Lernen. Vor mehreren Tausend Jahren wurde die wichtigste Kulturtechnik der Menschen erfunden: Das Schreiben. Neben der Geschichte der Schrift wird man immer wieder mit kleinen, interessanten Fakten gefüttert. Zum Beispiel: Jeden Tag werden über 200 Milliarden E-Mails getippt.

Die vielen Bilder helfen, Schwieriges verständlich zu machen. Es gibt zum Beispiel Piktogramme, das sind Bildzeichen, und Ideogramme, das sind Ideenzeichen. Das bedeutet: Ein Bild von einem Herz bedeutet auch Herz. Oder im anderen Fall: Ein Bild von einem Herz steht für "Liebe". Dann gibt es noch Phonetik, Laute, Keilschrift, Hieroglyphen und vieles, vieles mehr zu entdecken. "Es steht geschrieben" ist eine Ansammlung von interessanten Fakten. Wer sich für das Thema Sprache begeistern kann, für den ist das Buch genau richtig - auch wenn man es zwischendurch mal zum Verschnaufen weglegen muss.