Otto Waalkes, Judith Williams, Harald Glööckler
Otto Waalkes, Judith Williams und Harald Glööckler Bild © picture-alliance/dpa

Sie sind Komiker, Unternehmerin oder Designer - doch mit ihren Büchern zeigen sie neue Seiten. Ob theologische Denkansätze von Harald Glööckler, heiteres Unperfekt-Sein mit Judith Williams oder Ottos Lebensgeschichte: Promi-Bücher sind immer wieder unterhaltsam.

Harald Glööckler "Kirche, öffne Dich!"

Cover Kirche, öffne Dich!
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Caroline Wornath (hessenschau.de): Boah, jetzt schreibt der Glööckler auch noch ein Buch über die Kirche, kann er nicht bei Klamotten und Tapeten bleiben? Wer das denkt, liegt komplett falsch, denn es ist ganz wunderbar, dass der Designer seine Ansichten zum Glauben und zur Kirche in ein Buch gepackt hat. Glööcker geht es wie vielen Menschen in Deutschland, die zwar einen ganz persönlichen Glauben haben, mit der Kirche aber nicht mehr viel anzufangen wissen. Und statt dem ganzen Kram den Rücken zu kehren, macht er sich Gedanken darüber, was die Kirche ändern müsste, um zukunftsfähig zu bleiben.

Schließlich, so Glööcklers Ansicht, habe die Kirche zwar die beste Botschaft der Welt, die Sache mit dem Marketing allerdings beherrsche sie leider gar nicht. An ihm selbst habe die Kirche versagt, schildert der Designer seine unglückliche Kindheit in einem kleinen Dorf. Die Gemeinde, die ihm hätte Zuflucht und Geborgenheit geben können, entpuppte sich als Hort strenger Moralpredigten. Liebe, Wärme und Rückhalt? Leider Fehlanzeige. So suchte und fand Glööckler seinen ganz persönlichen Glauben. Zwar hat er der Institution den Rücken gekehrt, beobachtet Entwicklungen jedoch sehr genau und weiß sie klug und theologisch durchaus fundiert einzuordnen. Seine Vorschläge, wie Kirche sich erneuern könnte und wieder zu einem Ort werden kann, an dem man Gott in Dankbarkeit und Freude unbeschwert feiern kann, sind dabei - zumindest in Teilen - gar nicht so schwer umzusetzen.

Dieses Glööckler-Buch zeigt einmal mehr, dass man nicht nur auf die bunte Hülle schauen sollte. Man darf sich gerne vom Inhalt überraschen und überzeugen lassen.

Judith Williams "Wie Träume fliegen lernen"

Cover Judith Williams
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Caroline Wornath (hessenschau.de): Judith Williams kann man aus dem Fernsehen kennen - also, sofern man sich ab und an auf einem Shopping-Kanal herumtreibt, Promis beim Tanzen zuschaut oder eine Schwäche für Erfinder und Unternehmensgründer hat, die Investoren für ihre Ideen begeistern wollen. Nun hat die erfolgreiche Geschäftsfrau ihr bisheriges Leben in ein Buch gepackt und das liest sich wie eine Mischung aus Familienidyll der Marke Bullerbü und Glücksratgeber. Dabei sind die guten Ratschläge so simpel wie sympathisch: Heiter und gelassen bleiben, sich was zutrauen und das Beste geben.

Williams erzählt aus ihrer glücklichen Kindheit, dem schwierigen Weg vom schüchternen Teenager zur jungen Frau, die auf der Suche nach dem Mann fürs Leben erst einige Nieten ziehen musste, bis hin zur erfolgreichen Geschäftsfrau, die auch die Familie nebenbei noch irgendwie wuppt.

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Judith Williams

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Heimlich denkt man, wie gut, dass aus dem Typen mit der Excel-Tabelle für die Apfelschorle-Kosten nichts wurde. Dass man sich "versehentlich verloben" kann, ist auch eine der guten Geschichten, die Williams fröhlich aus dem Hut zieht. Das liest sich alles amüsant und fluffig weg. Für alle, die zwanghaft versuchen Beruf, Familie und gesellschaftliche Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen und glauben, in allen Disziplinen perfekt sein zu müssen, ist dies die richtige Lektüre, um sich mal ein bisschen locker zu machen.

Otto Waalkes "Kleinhirn an alle"

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Otto Waalkes

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Ulrich Sonnenschein (hr2-kultur): Otto erzählt sein Leben mit einem charmant-schelmischen Unterton - er vermeidet aber daraus eine Otto-Show zu machen. Hier kommt der Autor, der Musiker und Performer zu Wort, der über sich, seine Kunst, seine Heimat und seine Herkunft nachdenkt. Dabei ist die Offenheit erstaunlich, mit der er hier aus dem Nähkästchen plaudert, ostfriesische Teezeremonien erläutert oder sich als zu leichtgläubig outet – Vertragsverhandlungen sollte man ihm besser nicht überlassen. Schließlich offenbart Otto sehr detailliert, wie seine Programme enstanden und immer noch entstehen.

In der Hörbuchfassung von "Kleinhirn an alle" liest Otto seinen Text, er performt ihn jedoch nicht. Die akkustische Biografie ist nicht nur etwas für Otto-Fans, auch wenn diese hauptsächlich für diejenigen geschrieben wurde, die es genau wissen wollen. "Kleinhirn an alle" ist eine Chronik bundesrepublikanischer Lachkultur. Vor allem die Frage, was ist Show und was ist Persönlichkeit, wird hier eindeutig geklärt.

Udo Lindenberg "Udo"

Cover Udo Lindenberg
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Stell Dir vor, du gibst eine Party, und das Ganze dauert ein bisschen länger. Nicht bis zum Morgengrauen. Nicht zwei oder drei Tage. Eher fünfzig Jahre. So genau weißt Du es nicht mehr. Es ist schließlich eine Party, und da kann es schon einmal passieren, dass man den Überblick verliert.

"Udo" erzählt die ganze Geschichte, die Abstürze und die Triumphe, die Niederlagen und Siege. Basierend auf Udo Lindenbergs Erinnerungen, auf Berichten von Wegbegleitern und Mitgliedern des Panikorchesters, aufgeschrieben von Thomas Hüetlin - ein Geschenk an alle Fans, ein einmaliges Dokument der Zeitgeschichte und ein rasanter Ritt durch sieben Jahrzehnte BRD, mit zahlreichen Illustrationen vom Meister selbst. [Buchtipp in hr1]

Max von Thun "Der Sternenmann"

Cover Max von Thun "Der Sternenmann"
Bild © ars Edition

Caroline Wornath (hessenschau.de): Jede Nacht macht sich der Sternenmann in seinem von Schäfchen gezogenen Sternenmann-Mobil auf den Weg, die Sterne am Himmel zu verteilen. Eines Tages fällt ihm auf, dass der kleinste aller Sterne fehlt. Wo kann er nur sein? Die Suche beginnt. Alle, die sich am Himmel auskennen, werden befragt. Doch auch der Sandmann, der Mondmann, die Sonne und eine Astronautin können nicht weiterhelfen. Dabei vermissen sie alle den kleinen Stern so sehr.

Schauspieler und Moderator Max von Thun hat seinem Sohn Leo mit dem Bilderbuch "Der Sternenmann" ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Es ist ein zartes, ganz leises Buch mit einer schönen Botschaft. Nur weil man klein ist, ist man noch lange nicht unwichtig. Die Illustrationen von Marta Balmaseda sind herrlich unaufgeregt. Die kartoffelnasigen Figuren agieren in detailreichen Szenenbildern, ganz zauberhaft sind die grinsenden Schäfchen mit ihren Pilotenbrillen, die das Sternenmann-Mobil ziehen. Abgerundet wird das Einschlaferlebnis mit einem Gutenachlied, das man auf der Verlagsseite anhören kann. Ein liebevolles Gesamtpaket von einem Papa an seinen Sohn.

Désirée Nick "Nein ist das neue Ja"

Buchcover Désirée Nick "Nein ist das neue Ja"
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Caroline Wornath (hessenschau.de): Sagen Sie auch viel zu häufig "Ja", obwohl sie eigentlich "Nein" meinen, sich aber nur nicht trauen, es zu sagen? Dann hat Désirée Nick, die Königin der brutalstmöglichen Ehrlichkeit, einen guten, 252 Seiten dicken Rat für Sie. In "Nein ist das neue Ja" erklärt sie, warum es ungesund ist, zu allem immer Ja und Amen zu sagen und wie man mit einem bisschen Diplomatie - ja, La Nick weiß wie es geht - am Ende genau das bekommt, was man eigentlich möchte.

In 23 Kapiteln sagt sie Nein zu einer ganzen Menge Zeug, als da unter anderem wären: merkwürdige Schönheitsideale, die was mit Melonenbrüsten und Schlauchbootlippen zu tun haben, Konsumzwang, Chaos, Glitzer und unerzogene Kinder - auch da soll ein "Nein" Wunder wirken. Die Reihenfolge, in der man die in Nickscher Art gewohnt wortgewandten Kapitel konsumiert, ist dabei komplett egal. Die Autorin empfiehlt: Sagen Sie nein zur Reihenfolge, die ist nämlich purer Zufall - in irgendeiner Folge muss so ein Buch ja gedruckt werden.

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Startbild Video Nick

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Im Grunde ist mit dem Titel "Nein ist das neue Ja" auch alles gesagt. Das Ja-Sagertum öfter mal an der Garderobe abgeben und dabei bloß kein schlechtes Gewissen haben. Dann erfahren Sie allerdings nicht, zu welchen Dingen man prinzipiell Ja sagen sollte und wie man trotz großer Anziehungskraft - beispielsweise - eines Schuhsalons, den rechtzeitigen Absprung schafft. Na, und für die Anleitung, wie man im Eiltempo zum Z-Promi wird, lohnt die Lektüre allemal.

Sabbag/Kelly/Tourlonias "Die kleine Hummel Bommel und die Zeit"

Cover Hummel Bommel
Bild © ars Edition

Caroline Wornath (hessenschau.de): Das Erfolgstrio Britta Sabbag (Text), Maite Kelly (Musik) und Joëlle Tourlonias (Illustration) stellt die kleine Hummel Bommel vor eine knifflige Aufgabe. Warum zieht sich die Zeit so schrecklich lange, wenn man auf etwas wartet? Und warum vergeht sie bei schönen Dingen wie im Flug? Und was ist "Zeit" eigentlich genau?

Wenn Eltern sagen, dass etwas "bald" passiert, dann ist das für Kinder oft nur schwer zu verstehen. Hummel Bommels Oma soll "bald" mit dem Zug ankommen, aber das Warten zieht sich ganz schön. Wenn man einen leckeren Honigkeks knabbert, sieht das schon ein bisschen besser aus und wie die Zeit im Flug vergeht, weiß Eintagsfliege Emil Einstein - der wie fast alle Tiere mit Alliterations-Namen unterwegs sind. Kalle Kakerlake, Marie Marienkäfer und Walpura Wespe - sind in großformatigen Zeichnungen sehr symphathisch festgehalten.

An der Stelle, an der es musikalisch wird, sollten Eltern - sofern sie nicht richtig gute Sänger sind - dann doch den Kelly-Song einspielen, denn den Liedtext mit seinen immer wiederkehrenden Zeilen "Zeit ist jetzt, Zeit ist Leben, Deine Zeit ist jetzt" nur vorzulesen, bremst den Vorlesefluss der Geschichte doch arg aus.

LeFloid "Willkommen im Real Life"

Buchcover LeFloid "Willkommen im Real Life"
Bild © Piper

Sophia Averesch (hessenschau.de): Hört man den Namen Florian Mundt sagt den meisten das erst einmal gar nichts. Hört man allerdings "LeFloid" denkt man direkt an schrille Vorschaubilder, an ein Männergesicht - die Cap auf dem Kopf, die dunklen Haarsträhnen im Gesicht. Ja, und irgendwie denkt man auch an Merkel.

"LeFloid" ist Deutschlands erfolgreichster YouTube-Star, er führt den Kanal mit den meisten Abonnenten. Und für die macht er in gewisser Weise Nachrichten, nur eben anders als man sie aus dem Fernsehen kennt. Der Mann, der als "Meinungsmacher der Generation YouTube" gilt, hat nun auch ein Buch geschrieben - beziehungsweise diktiert oder gesprochen. "Willkommen im Real Life" ist nämlich kein normales Buch, sondern vielmehr ein autobiografisches Gespräch zwischen ihm und Co-Autor Tommy Krappweis.

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YouTube-Star LeFloid

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zum Video Buchmesse: Promi-Talk mit YouTube-Star Le Floid

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Einsteigen kann man dabei an vielen Stellen - Fragen und Themenkapitel machen das 304-seitige Buch kurzweilig. LeFloid antwortet knapp, meist nur auf drei bis vier Seiten. Es ist wie auf YouTube: Schwafelt man zu lang oder um den heißen Brei drumherum, dann sind die Zuschauer weg. So authentisch kommt LeFloid in seinem Buch auch rüber. Dabei wirkt er darin doch tiefsinniger und nachdenklicher. Hier gibts die fundierte LeFloid-Meinung mit einer großen Portion Selbstreflexion.

Geredet wird dabei über Gott und die (YouTube)-Welt - und das ernst gemeint: Leser erfahren, dass LeFloid überzeugter Atheist ist oder, wie aus Florian Mundt "LeFloid" wurde. "Willkommen im Real Life" ist das perfekte Buch für LeFloids Abonnenten, sehr intim, sehr meinungsstark und gespickt mit moralischen Botschaften.