Titel der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018
Diese Titel stehen auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018 Bild © Christina Weiß

Noch sechs Titel sind im Rennen um den Deutschen Buchpreis 2018. Ihre Gemeinsamkeit: Es sind düstere Stories und eine Portion Geschichtsunterricht gibt es obendrein. Noch mit am Start sind unter anderem Maxim Biller, Nino Haratischwili und Stephan Thome.

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Buch mit Logo des Deutschen Buchpreises 2018

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Düstere Geschichten beherrschen die Shortlist

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Die Jury hat sich durch einen riesigen Berg an Neuerscheinungen gearbeitet und sich für diese sechs Titel der Shortlist entschieden:

Die nominierten Romane in alphabetischer Reihenfolge

"Es gibt in diesem Jahr ein unausgesprochenes Motto über der deutschsprachigen Literatur", stellte Jury-Sprecherin Christine Lötscher bei Bekanntgabe der Shortlist am Dienstag fest. Das Motto ist ein Falkner-Zitat: "Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen."

Und genau das machen die sechs nach Ansicht der Jury gelungensten und wichtigsten Romane des Jahres: Sie folgen ganz unterschiedlichen Spuren in die Vergangenheit oder in mythische Schichten der Wirklichkeit.

Einfache Wahrheiten sucht man vergebens

"Sie tun dies auf unterschiedliche Weise - fabulierend, spekulierend, verspielt; mit lakonischer Eleganz und bittersüßer Präzision, mit epischer Langsamkeit und spannungsgeladener Wucht", heißt es in der Jury-Begründung. Jury-Sprecherin Lötscher hält allerdings auch fest: "Antworten bekommen wir auf diesen Reisen durch Raum und Zeit nicht, und schon gar keine einfachen Wahrheiten."

Was sind das für Romane, die es auf die begehrte Shortlist geschafft haben? "Es sind dunkle Geschichten", fasst hr2-Literaturexperte Alf Mentzer die Gemeinsamkeit der Titel zusammen. Von Stephan Thomes Roman über den chinesischen Taiping-Aufstand im 19. Jahrhundert über Nino Haratischwilis Ermittlungen zu einem Verbrechen aus der Zeit des Tschetschenien-Krieges bis zu Inger-Maria Mahlkes Teneriffa-Roman Archipel, der auch eine Auseinandersetzung mit dem Erbe der Franco-Diktatur ist.

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Alf Mentzer

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zum hr2.de Audio "Es müsste eine Buchpreisträgerin werden." - Alf Mentzer

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Dazu kommen Maxim Billers Roman "Sechs Koffer" über ein dunkles Familiengeheimnis, der Roman Nachtleuchten der aus Argentinien stammenden Autorin María Cecilia Barbetta, in dem die Militärjunta 1974 die Machtübernahme vorbereitet und Susanne Röckels düster-mythischer Roman Vogelgott.

Stimmen der Jury zu den nominierten Romanen

Und das sagt die Jury zu den nominierten Titeln:

  • María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten

"Dieser Roman sprüht vor Ideen, er ist ein Vulkan voller verschachtelter Sätze, die uns atemlos Seite um Seite umblättern lassen."

  • Maxim Biller: Sechs Koffer

"Es ist große Erzählkunst, wie es Maxim Biller gelingt, seine verzweigte Familiengeschichte zu entfalten: äußerst ökonomisch auf schmalem Raum, elegant, lakonisch, mit feinem Humor und großer Zärtlichkeit für die Figuren."

  • Nino Haratischwili: Die Katze und der General

"Die Lust am Erzählen steckt hier in jeder Zeile. Von der ersten Seite an ist die Leserin, der Leser mittendrin in diesem Schuld und Sühne-Roman, verfolgt fiebrig den Racheplan des Generals. Die Figuren sind voller Vitalität und alles ist bildstark und sinnlich erzählt: Großes Kino!"

  • Inger-Maria Mahlke: Archipel

"Inger-Maria Mahlkes Roman „Archipel“ ist eine große Reise durch die Zeit und bis ans Ende Europas. Und so blättert man durch hundert Jahre wie durch ein Album voll schmerzhaft schöner und genauer Bilder."

  • Susanne Röckel: Der Vogelgott

"'Der Vogelgott' ist ein verstörendes Buch: ein zeitgenössischer Schauerroman, ein später Nachfahr der schwarzen Romantik."

  • Stephan Thome: Gott der Barbaren

"Stephan Thome gelingt die beeindruckende Schilderung einer Zeit, in der alles aus den Fugen zu geraten scheint. Das Erzähltempo des breit angelegten Werkes bleibt gemächlich, wirkt aber nie ermüdend - ein Umstand, der zum einen der eleganten Sprache zu verdanken ist."

Weitere Informationen

Autoren der Shortlist im Literaturhaus Frankfurt

Die Finalisten werden am Sonntag, 23. September, 18 Uhr, im Schauspiel Frankfurt in Lesungen und Gesprächen vorgestellt. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Ausschnitte der Lesungen sind vom 1. bis 6. Oktober (9.30 Uhr und 15 Uhr) in hr2-kultur zu hören. Bei hr2 können Sie noch Karten für die ausverkaufte Lesung gewinnen.

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Die Jury zum Deutschen Buchpreis 2018

Die Buchpreis-Jury (v.l.n.r.): Christine Lötscher, Paul Jandl, Marianne Sax, Christoph Bartmann, Tanja Graf, Uwe Kalkowski, Luzia Braun
Die Buchpreis-Jury (v.l.n.r.): V.l.n.r.: Christine Lötscher, Paul Jandl, Marianne Sax, Christoph Bartmann, Tanja Graf, Uwe Kalkowski, Luzia Braun Bild © Monique Wüstenhagen

Ursprünglich hatten 105 Verlage 165 deutschsprachige Romane ins Rennen geschickt, hinzu kamen noch 34 Titel, die die Juroren nachgeordert hatten. Die Jury erstellte daraus zunächst eine 20 Titel umfassende Longlist, aus dieser ist nun die Shortlist entstanden.

Bis am 8. Oktober der Gewinner verkündet wird, trifft sich die Jury noch ein einziges Mal. Diese sieben Literaturexperten entscheiden, wer den Deutschen Buchpreis 2018 erhält:

Christoph Bartmann (Goethe-Institut Warschau), Luzia Braun (ZDF), Tanja Graf (Literaturhaus München), Paul Jandl (freier Kritiker), Uwe Kalkowski (Literaturblog "Kaffeehaussitzer"), Christine Lötscher (freie Kritikerin) Marianne Sax (Bücherladen Marianne Sax, Frauenfeld). Sie wählten aus Büchern aus, die seit Oktober 2017 erschienen sind oder noch bis September 2018 erscheinen.

Preisverleihung am 8. Oktober

Erst am Abend der Preisverleihung, am 8. Oktober, dem Vorabend vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, erfahren die sechs Autoren, wer von ihnen den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2.500 Euro.

Während die Jury hinter verschlossenen Türen tagt, stürzen sich sechs Blogger auf die nominierten Titel. Ihre Aktivitäten und Anekdoten rund um den Buchpreis sind in einem Blog gebündelt. In vielen Buchhandlungen gibt es ein kostenloses Lesebuch, in dem alle Titel der Longlist vorgestellt werden.