Inger-Maria Mahlke
Inger-Maria Mahlke Bild © picture-alliance/dpa

Die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2018 ist Inger-Maria Mahlke. Sie erhält die Auszeichnung für ihren Roman "Archipel".

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"Ich bin gerade etwas überfordert, aber sehr glücklich", sagte Mahlke am Montagabend im Frankfurter Römer nach der Bekanntgabe des Siegers im Rennen um den Deutschen Buchpreis. Warum sich die Jury gerade für dieses Buch entschieden hat? In der Begründung heißt es dazu: "Inger-Maria Mahlke erzählt auf genaue und stimmige Weise von der Gegenwart bis zurück ins Jahr 1919."

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Cover Inger-Maria Mahlke "Archipel"

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Im Zentrum ihrer Geschichte, die auf der Insel Teneriffa spielt, stehen drei Familien aus unterschiedlichen sozialen Klassen, in denen die spanische Geschichte Brüche und Wunden hinterlässt. "Vor allem aber sind es die schillernden Details, die diesen Roman zu einem eindrücklichen Ereignis machen."

Das begeisterte die Jury. Das Alltagsleben, eine beschädigte Landschaft, aber auch das Licht seien in der Sprache sinnlich erfahrbar. Faszinierend auch der Blick der Autorin für die feinen Verästelungen in familiären und sozialen Beziehungen. "Es ist eine ganz großartige Familiengeschichte, die die historische Geschichte vereint", erklärte Jury-Mitglied Paul Jandl .

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"Ich habe keine Rede vorbereitet, aber es gibt eine Sache, die ich sagen möchte", leitete Mahlke ihren Dank an die vor einigen Tagen entlassene Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz ein. Es sei ein Dank für viele Jahre harter Arbeit für ihre Autoren und Bücher. "Sie war sich immer bewusst, dass ein Autorenleben und künstlerische Produktion sehr fragile Zustände sind."

Der Wechsel an der Spitze des renommierten Verlags, der zum Holtzbrinck-Konzern gehört, hat in den vergangenen Wochen erhebliche Turbulenzen in der Branche ausgelöst. Mahlke gehört zu den Autorinnen und Autoren, die sich in einem offenen Brief mit der geschassten Verlagschefin solidarisiert haben.

Die sechs Titel der Shortlist

Vier Autorinnen und zwei Autoren hatten es mit ihren Büchern auf die Shortlist geschafft. María Cecilia Barbetta ("Nachtleuchten"), Maxim Biller ("Sechs Koffer"), Nino Haratischwili ("Die Katze und der General"), Inger-Maria Mahlke ("Archipel"), Susanne Röckel ("Der Vogelgott") und Stephan Thome ("Gott der Barbaren"). Alle Autoren der Shortlist können Sie hier besser kennenlernen.

"Es gibt in diesem Jahr ein unausgesprochenes Motto über der deutschsprachigen Literatur", hatte Jury-Sprecherin Christine Lötscher bei Bekanntgabe der Shortlist festgestellt. Das Motto ist ein Faulkner-Zitat: "Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen."

Und genau das machen die sechs nach Ansicht der Jury gelungensten und wichtigsten Romane des Jahres: Sie folgen ganz unterschiedlichen Spuren in die Vergangenheit oder in mythische Schichten der Wirklichkeit.

Die Jury zum Deutschen Buchpreis 2018

Die Buchpreis-Jury (v.l.n.r.): Christine Lötscher, Paul Jandl, Marianne Sax, Christoph Bartmann, Tanja Graf, Uwe Kalkowski, Luzia Braun
Die Buchpreis-Jury (v.l.n.r.): V.l.n.r.: Christine Lötscher, Paul Jandl, Marianne Sax, Christoph Bartmann, Tanja Graf, Uwe Kalkowski, Luzia Braun Bild © Monique Wüstenhagen

Ursprünglich hatten 105 Verlage 165 deutschsprachige Romane ins Rennen geschickt, hinzu kamen noch 34 Titel, die die Juroren nachgeordert hatten. Die Jury erstellte daraus zunächst eine 20 Titel umfassende Longlist, aus der dann die Shortlist entstand.

Diese sieben Literaturexperten haben über den Deutschen Buchpreis 2018 entschieden: Christoph Bartmann (Goethe-Institut Warschau), Luzia Braun (ZDF), Tanja Graf (Literaturhaus München), Paul Jandl (freier Kritiker), Uwe Kalkowski (Literaturblog "Kaffeehaussitzer"), Christine Lötscher (freie Kritikerin) Marianne Sax (Bücherladen Marianne Sax, Frauenfeld). Sie wählten aus Büchern aus, die zwischen Oktober 2017 und September 2018 erschienen sind.

Der Preis wird traditionell einen Tag vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse vergeben. Der Sieger erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2.500 Euro.

Während die Jury hinter verschlossenen Türen tagte, stürzten sich sechs Blogger auf die nominierten Titel. Ihre Aktivitäten und Anekdoten rund um den Buchpreis sind in einem Blog gebündelt. In vielen Buchhandlungen gibt es ein kostenloses Lesebuch, in dem alle Titel der Longlist vorgestellt werden.