Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Schriftstellerin und Filmemacherin aus Simbabwe hat eine lange Beziehung zu Deutschland.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Warum Dangarembga mit dem Friedenspreis ausgezeichnet wird

Foto von Tsitsi Dangarembga mit Maske und Mütze.
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Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021 geht an Tsitsi Dangarembga. Sie sei nicht nur eine der wichtigsten Künstlerinnen Simbabwes, sondern auch eine weithin hörbare Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur, teilte der Stiftungsrat am Montag mit. In ihren Filmen thematisiere sie Probleme, die durch das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne entstehen.

"Als jemand, der seit Jahrzehnten über mein Land schreibt, bin ich wirklich froh, dass dieser Preis die Themen meines Schreibens ins Rampenlicht rückt", sagte die designierte Friedenspreisträgerin nach der Bekanntgabe.

International erfolgreiche Trilogie

Tsitsi Dangarembga wurde am 14. Februar 1959 in Mutoko im damaligen Rhodesien (heute Simbabwe) geboren. Sie studierte Psychologie und schrieb ihre ersten Theaterstücke. 1988 erschien ihr Debüt-Roman "Nervous Conditions" als erster Teil einer autobiografisch geprägten Trilogie. 2006 wurde der zweite Teil, "The Book of Not" veröffentlicht, 2018 folgte "This Mournable Body".

Die drei international erfolgreichen Bücher erzählen vom Aufwachsen und Leben einer nach Selbstbestimmung strebenden Frau in Simbabwe und veranschaulichen dabei nach Meinung des Börsenvereins die komplexen Unterdrückungsmechanismen von Gender, Kolonialismus und Rassismus.

Dritter Band erscheint im September auf Deutsch

In Deutschland erschien der erste Band erst 2019 unter dem Titel "Aufbrechen" bei dem kleinen Berliner Verlag Orlanda. Die Mitarbeiter waren beim African Book Festival in Berlin auf Dangarembga aufmerksam geworden, das diese 2019 kuratiert hatte. Der dritte Band folgt unter dem deutschen Titel "Überleben" im September.

Das zweite Buch - bei dem rechtliche Fragen ungeklärt waren - soll möglichst bald folgen, wie Geschäftsführerin Annette Michael am Montag sagte. "Wir hoffen, dass der Preis dazu beiträgt, die Sichtbarkeit für weibliche afrikanische Literatur zu erhöhen."

"Ich habe mir selbst Deutsch beigebracht"

"Meine Beziehung zu Deutschland begann als junges Mädchen", sagte Dangarembga am Montag. Nach eigenen Angaben las sie mit zehn Jahren "Das Tagebuch der Anne Frank", in der sie sich "natürlich in einem weniger starken Ausmaß" wiedererkannte. "Ich habe mir selbst Deutsch beigebracht und interessiere mich seitdem für das Land."

Dangarembga studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin von 1989 bis 1996 Filmregie. Die 62-Jährige schreibt auch Drehbücher und führt Regie bei Spiel- und Dokumentarfilmen. Im Jahr 2000 kehrte sie ganz nach Simbabwe zurück. Dort stärke sie die nachhaltige Kreativwirtschaft und fördere insbesondere Frauen, wie der Börsenverein weiter mitteilte. Dangarembga und ihr Ehemann Olaf Koschke leben in Harare. Sie haben drei erwachsene Kinder.

Aktivistin für feministische Anliegen

Sie engagiert sich seit vielen Jahren als Aktivistin für feministische Anliegen und politische Veränderung in Simbabwe. Nachdem sie im Juli vergangenen Jahres zur Teilnahme an einer Anti-Korruptions-Demonstration aufrief, wurde sie inhaftiert. "Ich war eine der wenigen, die das Gefühl hatten, dass uns unser Recht genommen wurde, friedlich zu demonstrieren", sagte sie der Deutschen Welle damals.

Dangarembga wurde zwar am Tag nach ihrer Verhaftung freigelassen, aber "beschuldigt, an einem Treffen teilgenommen zu haben mit der Absicht, zu öffentlicher Gewalt, Friedensbruch und Bigotterie aufzustacheln", sagte die Autorin.

Verleihung in der Paulskirche geplant

In diesem Jahr erhielt Dangarembga den PEN Pinter Prize sowie den PEN International Award for Freedom of Expression, mit dem Autorinnen und Autoren ausgezeichnet werden, die trotz Verfolgung ihr Schreiben fortführen.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Geehrt werden Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben. Überreicht wird der Friedenspreis traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse - in diesem Jahr ist das der 24. Oktober - in der Paulskirche, "unter den zu diesem Zeitpunkt geltenden Gesundheitsbestimmungen", wie der Börsenverein mitteilte.

Im vergangenen Jahr wurde der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen ausgezeichnet. Er konnte wegen der Corona-Pandemie aber nicht anreisen. Die traditionelle Preisübergabe in der Paulskirche musste im kleinsten Kreis stattfinden.

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