Comics Cluster
Bild © Carlsen, Egmont, Cross Cult

In der Comic-Szene ist gerade mächtig viel los. Mit Flix darf erstmals ein Deutscher beim Klassiker "Spirou" mitmischen. Eine weltberühmte Maus wird 90 und Erstlingswerke sorgen für Furore. Ein Überblick für Comic-Freunde und solche, die es werden wollen.

Emil Ferris "Am liebsten mag ich Monster"

Buchcover Emil Ferris "Am liebsten mag ich Monster"
Bild © Panini Comics

Als Schüler hat wohl jeder mal sein Ringbuch mit dem Kugelschreiber vollgekritzelt. Auch die US-Amerikanerin Emil Ferris scheint diese Art der Zeichnung zu lieben. Was die Künstlerin aber mit dem vorliegenden Comic abliefert, ist eine Komposition. Kein Strich sitzt zufällig, alles ist perfekt angeordnet. Unglaublich, hier liegt ein Erstlingswerk vor - und das mit Mitte 50. Mit Schulbuchkritzeleien im Allgemeinen hat das Buch im Übrigen nur auf den ersten Blick zu tun. Denn die Zeichnungen sind ausgefeilt bis ins Letzte. Der Kugelschreiberlook ist atemberaubend. Stilecht kommt das Buch auch im Design eines Ringbuchs daher, mit linierten Seiten und einer angedeuteten Ringbindung. Da wird die Geschichte schon fast zur Nebensache, der man aber dennoch von Seite zu Seite fließend folgt und immer wieder überrascht ist von der nächsten Wendung.

Die Story selbst hat es in sich. Es ist nicht nur die mysteriöse Geschichte eines kleinen Mädchens, das im Comic seine Andersartigkeit durch monsterhafte Reißzähne ausdrückt. Es geht um mehr. Um Missbrauch, um Vergangenheiten, um das Chicago der 1960er Jahre. Das alles in einem Erzählfluss, der im Comic seinesgleichen sucht. Zu Recht hat der Band den bedeutendsten Comicpreis der Welt gewonnen: Einen Eisner-Award in der Kategorie Bester Künstler.

Schuiten/Peeters "Erinnerung an die ewige Gegenwart"

Buchcover Schuiten/Peeters "Erinnerung an die ewige Gegenwart"
Bild © Schreiber&Leser

Phantastische Architektur, geheimnisvolle Geschichten, das ist die Welt von Benoît Peeters und François Schuiten. Mit ihrer Reihe der Geheimnisvollen Städte schaffen sie seit Jahren immer wieder neue Universen, die den Leser Album für Album in ihren Bann ziehen. Dieses Mal haben sich die beiden auf Vorarbeiten bezogen, die der belgische Regisseur Raoul Servais gemacht hatte. Denn ursprünglich sollte die Geschichte nicht zu einem Comic, sondern zu einem Film werden.

Hauptfigur Aimé ist zehn Jahre alt und lebt in einer Ruinenstadt. Maschinen sind verboten, Zukunft und Vergangenheit dürfen nicht erwähnt werden. Es herrscht "ewige Gegenwart". Die Straßenbahn wird von Menschen gezogen, die Landschaft sieht aus, wie nach einem Bombenkrieg. Ist es ein Endzeitcomic oder eine Utopie? Der kleine Aimé läuft suchend durch seine Stadt, findet ein Buch über die Geschichte der großen Katastrophe. Im Geheimen liest er und fängt an, Fragen zu stellen. Warum ist er das einzige Kind? Wo sind all die Frauen? Was ist damals eigentlich passiert? Schnell gerät sein unschuldiger Lehrer unter Verdacht und muss in den Beichtstuhl - oder spielt der am Ende vielleicht doch ein doppeltes Spiel? Aimé wird es nie erfahren. Bei seiner Suche nach der Wahrheit verlässt er die ewige Gegenwart - und wird sie auch nie wiederfinden.

Zwei Titel zu 90 Jahre Micky Maus

Buchcover "90 Jahre Micky Maus"
Bild © Egmont

Kann es wirklich sein, dass die berühmte Maus mit den großen Ohren schon 90 Jahre alt ist? Am 18. November 1928 spielte Micky in "Steamboat Willie" neben Kater Karlo einen Matrosen - der erstmals vertonte Film wurde ein großer Erfolg und deshalb gilt der 18. November 1928 als Mickys wahrer Geburtstag, obwohl die weltberühmte Maus schon in zwei anderen Stummfilmen zuvor über die Leinwand flimmerte. Anlässlich des Geburtstages hat Egmont eine Auswahl der besten gedruckten Geschichten neu aufgelegt. "90 Jahre Micky Maus" wartet auf mit Klassikern von Carl Barks, Paul Murry, Floyd Gottfredson oder Romano Scarpa. Die jüngste Geschichte stammt von Paco Rodriguez aus dem Jahre 2004. Ein bunter Mix an Geschichten, der die jeweiligen Handschriften der Zeichner schön deutlich macht.

Buchcover "Micky Maus - Die Anthologie"
Bild © Egmont

In "Micky Maus - Die Anthologie" gibt es noch mehr Stories. Kleineres Format, ähnliche Autoren. Chronologisch zeigt der Band den Werdegang der schlauen Maus. Und er liefert Meilensteine der wichtigsten Zeichner. Kurze redaktionelle Texte zu ausgewählten Zeichnern und Themen runden die Veröffentlichung ab. Fans von Micky Maus dürften sich freuen, vor allem in der Anthologie viele Geschichten als deutsche Erstveröffentlichung zu lesen. Und selbst Anhänger von Donald Duck dürfen sich überzeugen lassen: Auch viele Maus-Geschichten bieten kurzweilige Unterhaltung.

Flix "Spirou in Berlin"

Buchcover Flix "Spirou in Berlin"
Bild © Carlsen

Die Szene feiert den Band als Sensation. Denn zum ersten Mal in der 80-jährigen Geschichte des francobelgischen Comic-Klassikers "Spirou und Fantasio" darf ein Deutscher ein Album umsetzen: es ist Flix - bekannt durch seine Comics in der FAZ und dem Berliner Tagesspiegel. Der Berliner Zeichner tritt nun in große Fußstapfen, vor allem in die des Belgiers André Franquin, der die Figuren der Reihe prägte und das Marsupilami erfand. Nach ihm folgten zwar einige andere Zeichner, doch noch nie durfte ein Deutscher ein Album entwerfen. Jetzt also "Spirou in Berlin". Flix versetzt den franco-belgischen Klassiker in das Ost-Berlin kurz vor dem Mauerfall. Schnell entsteht eine Mischung aus "James Bond" und "Das Leben der Anderen". Eine rasante Geschichte, bei der der Zeichner seinen Strich gelungen auf die Figuren überträgt.

Es ist der Winter 1988, die Planwirtschaft ist am Ende. Natürlich entführt die Stasi den Grafen von Rummelsdorf, er soll dabei helfen, den Staat mit unlauteren Mitteln wieder liquide zu machen. Doch Spirou macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Er geht gemeinsam mit seinem Freund Fantasio in den Berliner Untergrund, gerät dort in konspirative Kreise und wendet am Ende aber alles zum Besten. Besonders unterhaltsam: Für Kenner hat Flix ein paar Überraschungen eingebaut, Comicfiguren anderer Zeichner versteckt oder Anspielungen auf echte Personen.

Natalie Ostermaier "Kramer"

Buchcover Natalie Ostermaier "Kramer"
Bild © Zwerchfell

Der kleine aber feine Zwerchfell-Verlag ist immer wieder für eine Überraschung gut. Sei es wegen ungewöhnlicher Buchformate, die man im Programm hat, sei es wegen extravaganter Themen. "Kramer", das Debüt von Natalie Ostermaier gehört dazu. Furios geht die Geschichte los. Spannend, packend, düster. Der Teufel schlägt einen Pakt vor. Der kleine Abel geht zwar nicht drauf ein, aber unter dem Druck der Inquisitoren verzweifelt er und behauptet, die ebenfalls unschuldige Elsa hätte ihre Seele auch verkauft. Chefinquisitor Heinrich Kramer wird zum Verhör geholt, doch kämpft er zunächst mit seinen eigenen Dämonen - und das ganz und gar nicht jugendfrei.

Ein düsteres, mystisches Buch, über ein sehr, sehr dunkles Zeitalter. Der Comic ist eine Fabel über einen der schrecklichsten religiösen Fanatiker, den Wegbereiter der Hexenverfolgung. Einen Mann, der voller Hass und Zweifel ist und am Ende kaum noch zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Liebe und Tod, Gott und Teufel - Ostermaier spielt mit dem Hin und Her der Unsicherheit. Wird Kramer verführt oder ist es nur sein Traum? Ein Horror-Movie zwischen schwarzen Buchdeckeln. "Frage dich nicht, an welchen Gott du glaubst. Frage vielmehr: Welcher Gott glaubt an dich?" steht auf dem Buchcover. Ein beeindruckendes Verwirrspiel vor historischem Hintergrund.

Frank Giroud "Quintett - Gesamtausgabe Band 1"

Buchcover Frank Giroud "Quintett - Gesamtausgabe Band 1"
Bild © Comicplus

Viel zu früh ist jüngst Autor Frank Giroud verstorben. Einer der spannendsten französischen Comicautoren wurde gerade einmal 62 Jahre alt. Vor allem mit seiner Reihe "Zehn Gebote" hat er sich in die Herzen der Comicfans geschrieben. Zehn Alben, bei denen er mit zehn unterschiedlichen Zeichnern zusammenarbeitete. Auch bei Quintett arbeitete Giroud mit unterschiedlichen Künstlern. Markenzeichen seiner Comics ist eine gewisse Komplexität. In Quintett geht es um das Ende des Jahres 1916. Verschiedene Personen schildern aus ihrer subjektiven Sicht die letzten Wochen dieses Kriegsjahres auf einem kleinen, französischen Militärflugplatz im griechisch-mazedonischen Örtchen Pavlos.

Während es im ersten Teil des Sammelbandes um die Liebesgeschichte zwischen der Sängerin Dora Mars und ihrem angebeteten Piloten geht, erzählt Giroud im zweiten Teil eine parallel verlaufende Liaison zwischen einem französischen Soldaten und einem jungen Mann aus dem Ort. Niemand bemerkt, was da nebeneinander passiert. Und genau darum geht es Giroud. Natürlich können die einzelnen Alben unabhängig voneinander gelesen werden. Aber im Zusammenhang ergibt sich die von Giroud beabsichtigte Wirkung. Der Leser fängt an darüber nachzudenken: Was nehmen wir wahr? Und was ist die objektive Wahrheit?

Doug Moench und diverse "Planet der Affen, Archiv Band 1"

Buchcover Doug Moench und diverse "Planet der Affen, Archiv Band 1"
Bild © Cross Cult

Nostalgie pur. "Planet der Affen", das steht für einen Rollentausch, für den Kampf gegen Rassismus - und für Charlton Heston. Die erste Verfilmung dürfte vielen noch präsent sein, auch wenn sie genau 50 Jahre her ist. Im Comic wurde die Geschichte zwischen 1974 und 1977 in 29 Ausgaben veröffentlicht (von denen bislang nur 13 Ausgaben auf deutsch veröffentlicht wurden). Schwarzweiß gedruckt erzählte die Reihe mehr als das, was der erste Film zeigte. Es wurden neue Geschichten geschrieben und gezeichnet. Jetzt liegt mit dem ersten Archiv-Band eine gelungene Neuauflage vor.

Bibliophil aufbereitet, im Hardcover gebunden, mit Lesebändchen und einem kleinen redaktionellen Teil zur Entstehungsgeschichte bekommen die Affen einen würdigen Rahmen. Die Zeichnungen sind wunderbar detailliert und strahlen eine Dynamik aus, die man bei aktuellen Comics manchmal vermisst. Der Druck bringt auch die blasseren Hintergründe sehr gut zur Geltung. Und so kann sich der Leser auf eine Zeitreise begeben. Sich hineinversetzen in einen Zeitgeist, in dem die Hefte damals noch etwas Revolutionäres haben mochten. Als in den USA die Rassentrennung noch zu heftigen Auseinandersetzungen führten und der "Planet der Affen" deshalb fast eine aufklärerische Funktion hatte.

Jérémie Moreau "Die Saga von Grimr"

Buchcover Jérémie Moreau "Die Saga von Grimr"
Bild © Avant-Verlag

Grimr ist isländisch. Und Grimr ist der Name eines kleinen Waisenjungen. Er überlebt einen Vulkanausbruch, indem er sich in ein Fass setzt, das durch die Eruption ins Meer gespült wird. Gemeinsam mit seinem Vormund, Vigmar dem Dieb, wächst der Kleine heran und wird zu dessen Beschützer. Die Geschichte spielt im 18. Jahrhundert. Die Dänen verachten die Isländer und die Isländer verachten Vigmar. Als Vigmar umgebracht wird, wird es für Grimr ungemütlich. Der zum jungen Mann herangewachsene soll vor ein dänisches Gericht, dabei hat er eben erst damit begonnen, sein Leben zu sortieren und eine eigene Familie zu gründen. Er wird unschuldig zum Tode verurteilt, kann aber entkommen. Auf seiner Flucht kämpft er mit der Angst der Bewohner vor angsteinflößenden Sagengestalten. Manchmal wird er selbst zu einer. Grimr ist wild, wie die Vulkane Islands. Sein persönlicher Schmerz treibt ihn von einem Ort zum nächsten.

In großen Teilen kommt der Comic völlig ohne Text aus. Das passt zur Ruhe Islands, und zur Introvertiertheit der Hauptfigur. Am Ende deuten die Bewohner des Dorfes Grimrs merkwürdiges Verhalten als übernatürliches Zeichen - schließlich sind sie ihm zu großem Dank verpflichtet. Der Grundstein dafür, dass Grimr tatsächlich selbst zur Sagengestalt wird.

Lucas Harari "Der Magnet"

Buchcover Lucas Harari "Der Magnet"
Bild © Edition Moderne

Sind Steine stumm? Oder verbergen sie ein Geheimnis? Der junge Architekturstudent Pierre will ihnen auf den Grund gehen. Dabei ist er selbst geheimnisvoll. Warum hat er seine fast fertige Abschlussarbeit vernichtet? Was treibt ihn aus Paris in die Berge, zur Therme des berühmten Schweizer Architekten Peter Zumthor? Was findet er dort? Was macht ihm solche Angst? "Der Magnet" ist eine spannende Kriminalgeschichte, angesiedelt in den Bergen des Kantons Graubünden. Mit einem geheimnisvollen Fremden, einem uralten Eigenbrötler, dem niemand glaubt - und mit Pierre, dem immer ernsten Studenten, der ständig auf der Suche ist. Auch Ondine kann ihn kaum aufheitern, seine neue Freundin, ist er doch einer seltsamen Geschichte auf der Spur - er spürt dem Schlund des Berges nach.

Ist das nur eine der vielen weitergereichten Berggeschichten, oder steckt doch mehr dahinter? Luca Harari erzählt diesen Comic in klaren, grafischen Bildern. Der Zeichner selbst hat sein eigenes Architekturstudium abgebrochen, um Kunstdruck zu studieren. Das kommt seinem Graphic Novel-Debüt zugute, das er ausschließlich in Blau- und Rot-Tönen erzählt. So entsteht eine Story, die den Leser in ihren Bann zieht. So wie Pierre angezogen wird, von dem Geheimnis der Therme.

Tota/Van Hove "Der Bücherdieb"

Buchcover Alessandro Tota/Pierre van Hove "Der Bücherdieb"
Bild © Reprodukt

Ein Büchernarr im Paris der 1950er Jahre. Ein Literaturliebhaber, der gerne in den Kreis der Literaten gehören würde. Ein Dieb, ein Hochstapler. Das alles vor der Kulisse des Existenzialismus und den Cafés von Saint-Germain-des-Prés. Hauptfigur Daniel Brodin will dazugehören. Er klaut ein Gedicht und wird zum Underground-Star. Als er seinen Fehltritt gesteht, wird das als avantgardistische Aktion gefeiert. Er findet einen Förderer und weiß selbst nicht, warum und wie er sich fortan verhalten soll. Doch nicht nur er. Eine ganze Szene ist auf der Suche. Nach etwas Neuem, Revolutionärem. Dass Brodin keine guten Gedichte schreibt, merken die Intellektuellen schnell. Der junge Jurastudent wird fallen gelassen und findet sich am Ende als Einbrecher wieder, der auf der Flucht von seinem großen Roman träumt. Respektlos beschreiben die Autoren das Paris der 1950er Jahre. Eine Szene, die von vielen verklärt wird, beschreibt "Der Bücherdieb" als egozentrische Bande. Als übertriebene Literaten, unter denen en vogue ist, was gegen das Spießertum rebelliert.

Ein kurzweiliger, ironischer Comic, der in schlichten Zeichnungen einen Einblick in das Seelenleben eines Suchenden liefert, der sich am Ende im Ungewissen verliert.

Cazot/Rocheleau "Betty Boob"

Buchcover Vero Cazot/Julie Rocheleau "Betty Boob"
Bild © Splitter-Verlag

Brustkrebs als Comic-Thema? Es ist zumindest ein unorthodoxer Versuch, ein schwieriges Thema anzugehen. Elisabeth hat Brustkrebs. Sie verliert ihre Haare, die linke Brust wird abgenommen, ihr Freund verlässt sie. Fast ohne Worte skizziert der Comic Ängste und Alpträume einer einst lebenslustigen Frau. Angefangen bei der Diagnose im Krankenhaus bis zur Trennung ihres Partners zuhause. Nach der Operation quält sie sich mit immer wiederkehrenden Gedanken. Soll sie sich ein Implantat einsetzen lassen? Wenn ja, welches? Und was ist mit der Perücke? Es geht um die Suche nach dem eigenen Selbstwertgefühl.

Es geht um Wünsche und um Verunsicherung. Als ein Windstoß Elisabeth die Perücke vom Kopf weht, gerät sie zufällig in ein Burlesque-Theater. Dort ist alles möglich, auch der Auftritt einer Frau mit einer Brust. Elisabeth wird zu Betty (one) Boob (nicht zu verwechseln mit der Cartoonfigur Betty Boop), lässt sich feiern und hat trotzdem Angst - mehr als nur Lampenfieber. Kann sie ihren Körper akzeptieren? Wie gehen andere mit Elisabeth um? Am Ende überwiegt das neue Selbstbewusstsein. Die neue Rolle als Theaterstar überspielt die Zweifel nach der Operation.

Eine märchenhafte Geschichte mit Happyend, die trotz allen Kitsches ein Licht wirft auf den Umgang der Gesellschaft mit Brustkrebs. Deshalb: Brustkrebs als Comic-Thema. Ein unorthodoxer Versuch, aber ein bemerkenswerter.

Voloj/Campi "Joe Shuster - Vater der Superhelden"

Buchcover Julian Voloj/Thomas Campi "Joe Shuster. Vater der Superhelden"
Bild © Carlsen

Ein Comic über einen Comicmacher. Und nicht etwa über irgendeinen, beliebigen Comicmacher. Es geht um Superman-Erfinder Joe Shuster - den Vater der Superhelden. Aber es geht auch um mehr: um die junge amerikanische Comic-Industrie und ein System, in dem junge aufstrebende Künstler von Verlegern gerne ausgebeutet wurden. Während heute Superman, Batman und Spiderman zum allgemeinen Kulturgut gehören, waren Superhelden in Comics vor 80 Jahren noch völlig unbekannt.

Joe Shuster und Jerry Siegel, zwei befreundete Highschool-Absolventen schufen mit der Figur einen Mythos. Superman kommt nicht von Krypton, sondern aus Cleveland meint Julian Voloj deshalb auch in seinem Nachwort. Völlig überraschend schufen Shuster/Siegel einen Helden, der bald von Millionen Käufern gelesen werden und die Comicindustrie durcheinanderwirbeln sollte. Bald schon sehen sich die beiden Autoren im Kampf für ihre Rechte. Doch anders als in ihren Comics sollte das Gute nicht immer - oder jedenfalls nicht sofort siegen. Erst Jahrzehnte nach ihren ersten Erfolgen, sollten sie angemessen beteiligt werden. So zeichnet "Joe Shuster - Vater der Superhelden" ein interessantes zeitgeschichtliches Bild, bei dem deutlich wird, wie es vielen Comicpionieren ergangen ist.