Kinder sitzen auf einem Teppich und lesen

Ein übellauniger Mistkäfer, ein dementer Opa mit einem fantastischen Geheimnis oder ein fluchendes Heimkind auf Familiensuche, das sind einige der Kinderbuch-Helden, die wir Ihnen ans Herz legen möchten.

Katalina Brause "Die Bartfrau"

Jonathan hat Eltern, die man niemandem wünscht. Die Schrecksters wollen das perfekte Kind. Jonathan ist eigentlich schon ziemlich gut, aber das reicht den Schrecksters nicht. "Du bist eben rundum nicht perfekt. Man könnte sagen eine Art Fehlkonstruktion." Bisher haben sie immer nur mit der gefürchteten Bartfrau gedroht. Das ist in Mumpitz so üblich. Wenn Eltern wollen, dass ihre Kinder spuren, drohen sie mit der Bartfrau und dem Griff zum schwarzen Telefon.

Cover Katalina Brause "Die Bartfrau"

Als Jonathans Eltern ernst machen und die Bartfrau bei ihnen einzieht, fürchtet der Junge das Schlimmste. Doch die Schreckfigur entpuppt sich als Segen. Ihr wahres Spezialgebiet sind schwer erziehbare Eltern und
denen vergeht schon bald das Lachen.

Katalina Brause hat eine herrlich verrückte Geschichte erdacht, die sie mit viel Wortwitz und einer gehörigen Portion garstigem Humor erzählt. Die schrägen Ideen und extremen Figuren hat Kai Schüttler wundervoll illustriert - man freut sich über die vielen abwechslungsreichen Details und ist beim Blättern ein bisschen enttäuscht wenn eine Seite ohne Illustration auskommt.

Britta Teckentrup "Die Schule"

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Cover Die Schule Britta Teckentrup
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Juliane Spatz (hr2-kultur) mit Philippa und Henry: Vieles, was man in diesem Buch findet, kennt im Prinzip jeder. Auch Philippa und Henry, beide 11 Jahre alt, wussten natürlich schon längst, dass Schule aus mehr als Noten und Pausen besteht. Sie kennen lustige, freche oder auch traurige Kinder, sie haben strenge, milde oder ermutigende Lehrer. Alle gemeinsam bilden, ob sie sich nun mögen oder hassen, die Schulgemeinschaft.

Die beiden jungen Rezensenten waren trotzdem erstaunt, was alles in einer Schule passiert und wie vielfältig gleichzeitig erlebte Erfahrungen sein können: Mobbing, Scheitern, Überwindung und Erfolg, Freund- oder Feindschaften, alles ist eine Frage des Blickwinkels. Sie empfehlen das Buch allen, die irgendwie mit Schule zu tun haben - Kindern, Lehrern und Eltern. Denn Britta Teckentrup hat genau hingesehen und den Alltag im Mikrokosmos Schule mit faszinierenden Illustrationen lebendig gemacht.

Verena Reinhardt "Herr Schnettelbeck und das Geheimnis ..."

Cover Verena Reinhardt Herr Schnettelbeck und das Geheimnis der verschwundenen Sterne

Charlotte Jacobsohn (hessenschau.de): Herr Schnettelbeck ist ein fieser, schlecht gelaunter Mistkäfer, der sich über alles aufregt und eigentlich am liebsten sterben will. Doch dann bemerkt er, dass die Sterne weg sind. Herr Schnnettelbeck ist empört und macht sich gemeinsam mit Menschenmädchen Tinea auf die Suche nach den verschwunden Sternen. Ihre abenteuerliche Reise führt durch eine auf dem Kopf hängende Stadt und fast bis ans Ende der Welt. Auf der Reise lernen die beiden viele Tiere kennen: Fledermäuse mit einem Hang zur Dramatik, schillernd-tanzende Skarabeuskäfer oder hinterlistige Libellen.

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zum Video Verena Reinhardt stellt ihren Schnettelbeck vor

Verena Reinhardt
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Auch Rassismus und Politik spielen bei Herrn Schnettelbeck eine Rolle. Es gibt soziale Ungerechtigkeit oder Vorurteile gegenüber Wirbeltieren. Der nölige und populistische Mistkäfer wird am Ende zum echten Freiheitskämpfer. Verena Reinhardt schafft es, dass einem auch ein wenig liebenswürdiger Mistkäfer ans Herz wächst. Mit vielen Details, einer fabelhaften Sprache und Wortwitz wird nebenbei noch Biologie gelernt. Das Buch beruht auf der wissenschaftlichen Tatsache, dass Mistkäfer sich an den Sternen orientieren, um ihre Dungkugeln zu rollen.

Dirk Kummer "Alles nur aus Zuckersand"

Fred und Jonas sind beste Freunde. Sie leben in Ost-Berlin und spielen am liebsten in einem alten Fabrikgelände in der Nähe der Grenze zu West-Berlin. Als Jonas' alleinerziehende Mutter einen Ausreiseantrag stellt, gerät das zuvor unbeschwerte Leben der Jungs aus den Fugen. Heimlich beginnen sie, einen Tunnel zu graben, der sie nach Australien führen soll. Als Jonas die DDR verlässt, scheint die Freundschaft für immer verloren.

Dirk Kummer Alles nur aus Zuckersand

Autor, Regisseur und Schauspieler Dirk Kummer ist einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Vor zwei Jahren wurde sein Film "Zuckersand" mit Preisen überhäuft. Entstehen Filme meist aus Büchern, so ist es hier andersherum. Erst der Film und nun das Buch, das allerdings eine ganz andere Wendung nimmt als auf der Leinwand. Ein berührendes Buch, das Kindern eine Idee davon vermitteln kann, was die Teilung Deutschlands
für Menschen und ihre Beziehungen zueinander bedeutete.

Vanessa Walder "Die Unausstehlichen und ich"

In Ennis Leben läuft nichts rund. Die 11-Jährige hat ihre Erfahrung gemacht mit Heim und Pflegefamilien. Das neue Pflegepaar scheint in Ordnung, es hat einen eigenen Sohn, Noah, der wird für Enni zum guten Freund. Doch als die Familie in die Schweiz zieht, wird Enni in ein Internat in den Bergen geschickt. Die anderen Schüler sind Enni reichlich suspekt. Der stumme Karan, der geheimnisvolle Dante und die hinterhältige Lilith - und was ist das überhaupt für ein merkwürdiges Internat? Enni ist klar: Sie muss so schnell wie möglich fort von dort und Noah suchen.

Vanessa Walder Die Unausstehlichen & ich - Das Leben ist ein Rechenfehler

Vanessa Walder ist mit "Die Unausstehlichen und ich" ein guter Serienstart gelungen. Enni ist eine Hauptfigur, die neugierig macht. Viele Dinge werden angedeutet, aber noch nicht aufgeklärt. Die gezielt eingestreuten Illustrationen von Barbara Korthues greifen Schlüsselszenen auf und stoßen das Kopfkino an. Eine spannende, abgeschlossene Geschichte, die mit vielen offenen Fragen aber recht laut nach Band 2 ruft.

Eine Besonderheit des Buches fällt einem beim ersten Blättern auf. Einzelne Begriffe sind zugekritzelt. Wann immer Enni eigentlich fluchen würde - und das tut sie ausgiebig - sind die Worte getilgt. Beim Lesen sucht man also ständig nach den schönsten Flüchen, die man an die Stellen setzen könnte. Daran dürften Kinder großen Spaß haben.

Nora Alexander "Opa und die Nacht der Wölfe"

Der 9-jährige Olli liebt seinen Opa, aber gleichzeitig findet er ihn auch ziemlich anstrengend und würde sich lieber davor drücken, auf ihn aufpassen zu müssen. Er ist ein "Kindergarten-Opa", den man keinen Moment aus den Augen lassen darf, denn er ist dement. Zu allem Überfluss befindet sich Ollis Bande auch noch im Streit mit einer Konkurrenz-Clique, die auf keinen Fall mitkriegen soll, zu wem der wunderliche Alte im Park gehört.

Nora Alexander Opa und die Nacht der Wölfe

Doch dann geschieht etwas ausgesprochen Sonderbares. In Vollmondnächten ist Ollis Opa besonders unruhig und seine Kumpels aus dem Altenheim auch. Die alten Herrschaften verbindet ein Geheimnis, mit dem man nun
wirklich nicht rechnen konnte.

Zu Beginn von Nora Alexanders "Opa und die Nacht der Wölfe" ahnt man nicht, in welche Richtung die Geschichte gehen wird. Das Verhältnis zwischen Olli und seinem Großvater wird eindrücklich geschildert. Die jungen Leserinnen und Leser erfahren, wie sich ein Mensch mit Demenz verhält, welche Fürsorge und Geduld der Umgang fordert und wie schwer es für die Angehörigen sein kann. Mit dem Fantasy-Dreh, den die Story nimmt, rückt das wichtige Demenz-Thema zunächst in den Hintergrund - die Botschaft aber kommt an. Schwach, stark, was spielt das für eine Rolle? Auf den Zusammenhalt kommt es an. Die detailreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Julia Christians, die jedem Kapitel vorangestellt sind, lassen die Figuren lebendig werden und geben einen Ausblick auf die kommende Handlung.

Katja Reider "Cool in 10 Tagen"

Die schüchterne Juli findet es reichlich doof, wie ein Monat zu heißen. Zu allem Überfluss zieht ein Junge mit Namen August in die Nachbarschaft. Als Julis Mutter sie dazu verdonnert, sich um den Neuen zu kümmern, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Die beiden merken aber schnell, dass sie sich gar nicht so unähnlich sind. Sie sind nicht cool, nicht schlagfertig und kein bisschen spontan. Das wollen sie mit Hilfe eines Coolness-Trainingsprogramms ändern.

Katja Reider Cool in 10 Tagen

Eine Coaching-Broschüre für Erwachsene wird dazu fluggs ein bisschen angepasst und schon können die täglichen Übungen beginnen. Das Lösen der Aufgaben stellt sich jedoch als schwieriger heraus als gedacht, denn immer wieder kommt es zu ungeahnten Problemen. Dabei kann es doch nicht so kompliziert sein, jemanden nach dem Weg zu fragen. Oder einmal etwas zu tun, das man noch nie gemacht hat. Eine unerwartete Wendung stellt die junge Freundschaft auf die Probe

Katja Reider erzählt die Geschichte von Juli und August recht unaufgeregt. Alle peinlichen und zuweilen auch verzwickten Situationen könnten tatsächlich so passieren. Bei den Zeichnungen von Anke Kuhl reicht ein Blick in die Augen der Protagonisten, um in ihre Gefühlswelt einzutauchen. Ein rundum gelungenes Buch über Freundschaft, Mut und Überwindung.