Die sechs nominierten Autorinnen und Autoren für den Deutschen Buchpreis: Raphaela Edelbauer, Norbert Scheuer, Tonio Schachinger, Jackie Thomae, Sasa Stanisic und Miku Sophie Kümel

Wer kann am Montag das Rennen um den Deutschen Buchpreis 2019 für sich entscheiden? Sechs Bücher von drei Autorinnen und drei Autoren stehen auf der Shortlist. hr2-kultur stellt die Kandidaten vor, von denen einige fröhlich aus dem Autoren-Nähkästchen plaudern.

Der "Shortlist-Abend" im Schauspiel Frankfurt ist für das Publikum alljährlich die Chance, die Nominierten für den Deutschen Buchpreis 2019 zu erleben. Zu Gast waren alle sechs Finalisten: Raphaela Edelbauer ("Das flüssige Land"), Miku Sophie Kühmel ("Kintsugi"), Tonio Schachinger ("Nicht wie ihr"), Norbert Scheuer ("Winterbienen"), Saša Stanišić ("Herkunft") und Jackie Thomae ("Brüder").

Bis zur Preisverleihung hat hr2-kultur täglich einen der Finalisten vorgestellt. Wir verraten Ihnen, was sie im Schauspiel Frankfurt alles aus dem Nähkästchen geplaudert haben. Der Sieger oder die Siegerin des Deutschen Buchpreises wird am Montag, 14. Oktober, kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse, bekanntgegeben.

Raphaela Edelbauer "Das flüssige Land"

In Raphaelas Edelbauers Roman "Das flüssige Land" geht es geradezu surreal zu. Eine theoretische Physikerin reist nach dem Unfalltod ihrer Eltern in deren Heimatort irgendwo in den Bergen. Dort sind Raum- und Zeitverhältnisse auf ganz merkwürdige Weise verzerrt, denn diese Stadt ist von einem gigantischen, sich fortwährend ausbreitenden Abgrund unterwandert. In dieser Stadt gerät also ständig alles ins Rutschen.

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Raphaela Edelbauer
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So ganz unrealistisch, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Situation aber gar nicht. In Raphaela Edelbauers Heimatort senkt sich das Erdreich tatsächlich. Einige der Figuren in ihrem Roman gleichen dann auch noch - wie zufällig - aktuellen österreichischen Politikern. "Als das Buch im Entstehen war, ist gerade 'Türkis-Blau eins' geboren worden und da habe ich mir gedacht: 'Servus, das Buch wird sich verkaufen wie warme Semmeln'." Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Miku Sophie Kühmel "Kintsugi"

Miku Sophie Kühmel ist die jüngste Debütantin, die auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht. Der Romantitel "Kintsugi" bezieht sich auf ein japanisches Handwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold wieder zu reparieren. Exakt das passiert in dem Beziehungsroman - es wird Porzellan zerschlagen, doch auf wundervolle Art wieder zusammengesetzt.

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Miku Sophie Kühmel
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Der Roman ist eine Art Kammerspiel um vier Berliner Bohemiens - ein schwules Ehepaar, ihr bisexueller Freund und dessen Tochter fahren in ein Wochenendhaus in der Uckermark. Das komplizierte Beziehungsgeflecht der vier Protagonisten aus Attraktion, Liebe und Zurückgewiesenheit zerbricht - und wird wieder zusammengesteckt. Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Tonio Schachinger "Nicht wie ihr"

Tonio Schachinger hat einen Roman über einen Fußballspieler geschrieben, der aber kein Fußballroman ist. Anders als sonst, ist es in "Nicht wie ihr" nicht entscheidend, was auf dem Platz passiert. Schachinger geht es um den Menschen hinter dem Spieler. Reportageartig nähert er sich dem Innenleben seiner Hauptfigur Ivo.

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Tonio Schachinger
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Ivo ist ein widersprüchlicher Typ, der sich den Zwängen des Sports zwar beugt, allerdings vieles kritisch sieht. Er durchschaut die Welt, in der er lebt. Wie Schachinger sich die Fußballsprache draufgeschafft hat und was ihn an manchen Kritiken seines Buches stört, verrät er im Gespräch mit Christoph Schröder.

Norbert Scheuer "Winterbienen"

Seit 20 Jahren arbeitet Norbert Scheuer an einem besonderen Projekt. Rund um die Gemeinde Kall in der Eifel entsteht ein Mosaik aus Erzählungen, Geschichten und Erinnerungen, dem Scheuer mit seinem Roman "Winterbienen" einen neuen Baustein hinzugefügt hat.

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Norbert Scheuer
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Cover Norbert Scheuer, Winterbienen
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Die Geschichte beginnt im Winter 1944 und die Bienen spielen eine besondere Rolle. Der Imker Egidius Arimond bringt jüdische Flüchtlinge in seinen präparierten Bienenstöcken über die Grenze nach Belgien in Sicherheit. Die Idee zu seinem Roman bekam Scheuer von einigen Eifelbewohnern, die sich regelmäßig im Supermarkt-Café seines Dorfes treffen. Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Saša Stanišić "Herkunft"

Ein Wort seiner Großmutter hat Saša Stanišić sein ganzes Leben begleitet. "Blesav" - übersetzt entspricht es in etwa dem Begriff "Querulant". Es bedeute aber auch "leicht verrückt. "Etwas, das man vielleicht einem Kind zuschreiben würde", erklärt Stanišić. "Aber egal ob 6, 26 oder 36 - ich war immer 'blesav' - leicht verrückt."

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Saša Stanišić
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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Saša Stanišić "Herkunft"

Cover Sasa Stanisic Herkunft
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Die Verrücktheiten, die seine Großmutter in ihm sah, hat Stanišić in seinem Roman "Herkunft" gepackt. Szenenapplaus bekam er im Schauspiel für seine Liebeserklärung an die Literatur. Mit der Sprache unglaubliche Welten erschaffen, Menschen zum Lachen bringen, oder sie aufrütteln - das alles können Bücher. Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Jackie Thomae "Brüder"

Biologische Brüder, Blutsbrüder, Brüder im Geiste, Wahlbrüder, Phantombrüder - so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint, ist der Titel von "Brüder" nicht. Erzählt wird die Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Brüder, die einander nicht kennen. Sie haben verschiedene Mütter, aber einen gemeinsamen Vater, der kurz nach der Geburt der Kinder in seine afrikanische Heimat zurückgekehrt ist.

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Jackie Thomae
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Was Jackie Thomae mit ihren beiden Protagonisten verbindet und wie sie bei der Arbeit zu ihrem Buch zur "Männerversteherin" wurde, verrät sie im Gespräch im Frankfurter Schauspiel.

Mehr über die sechs Titel der Shortlist, die Begründungen der Jury und Buchbesprechungen gibt es hier.