Shortlist Deutscher Buchpreis 2020

Wer kann am Montag das Rennen um den Deutschen Buchpreis 2020 für sich entscheiden? Sechs Bücher von vier Autorinnen und zwei Autoren stehen auf der Shortlist. hr2-kultur stellt die Kandidaten vor, von denen einige fröhlich aus dem Autoren-Nähkästchen plaudern.

Der "Shortlist-Abend" im Literaturhaus Frankfurt ist für das Publikum alljährlich die Chance, die Nominierten für den Deutschen Buchpreis zu erleben. Zu Gast waren vier der sechs Finalisten: Bov Bjerg "Serpentinen", Dorothee Elmiger "Aus der Zuckerfabrik", Deniz Ohde "Streulicht" und Anne Weber "Annette, ein Heldinnenepos". Thomas Hettche "Herzfaden" und Christine Wunnicke "Die Dame mit der bemalten Hand" nahmen nicht an dem Abend teil, der im Livestream übertragen wurde. Thomas Hettche stellen wir Ihnen in einem Gespräch vor, das im Rahmen des Rheingau Literatur-Festivals geführt wurde.

Bis zur Preisverleihung hat hr2-kultur täglich einen der Finalisten vorgestellt. Wir verraten Ihnen, was sie alles aus dem Nähkästchen geplaudert haben. Der Sieger oder die Siegerin des Deutschen Buchpreises wird am Montag, 12. Oktober, kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse, bekanntgegeben.

Bov Bjerg "Serpentinen"

"Worum geht es?" Das ist eine Frage, die der 7-jährige Sohn des Erzählers, ein Berliner Soziologieprofessor, immer wieder stellt. Der nimmt seinen Bub mit auf die Schwäbische Alb, auf der die Straße in Serpentinen auf und ab führen. Es ist eine scheinbar nostalgische Reise zu den eigenen Wurzeln, die allerdings ohne das Wissen der Mutter des Jungen geschieht und auf der die beiden von einer dunklen Macht verfolgt werden. Einer Macht, die schon den Vater, den Großvater und den Urgroßvater des Erzählers in den Selbstmord getrieben hat.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bov Bjerg, Gespräch und Lesung im Literaturhaus

Bov Bjerg
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Ein eigentlich düsteres Thema, Depressionen und Selbstmordgedanken - dennoch hat "Serpentinen" eine deutliche Heiterkeit im Unterton. "Ich wollte keinen Roman schreiben, der nur aus einer solchen Düsternis besteht", erzählt Bov Bjerg. Bei Lesungen sei es unmöglich, eine "typische Stelle" vorzulesen, um sich einen Eindruck von dem Buch zu verschaffen. Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Dorothee Elmiger "Aus der Zuckerfabrik"

Dorothee Elmigers Buch "Aus der Zuckerfabrik" ist eine Mischung aus Essay und erzählendem Text. Es ist der Versuch, Kolonialismus, Kapitalismus, Literaturgeschichte, Lektüren und das eigene Leben, Denken und Erleben der Erzählerin immer wieder in neue Konstellationen zueinander zu bringen. Verbindendes Element: Die europäische Gier nach Zucker.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dorothee Elmiger, Gespräch und Lesung im Literaturhaus

Dorothee Elmiger
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Sieben Jahre hat Elmiger an ihrem Buch, das auch auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis steht, geschrieben. Auslöser für ihre Arbeit war eine Dokumentation über den ersten Schweizer Lottokönig - der nach kurzer Zeit seinen Reichtum wieder verloren hat - sein Hab und Gut wird versteigert. Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Thomas Hettche "Herzfaden"

Thomas Hettche widmet mit "Herzfaden" der Augsburger Puppenkiste einen Roman. Wie er ausgerechnet auf dieses Thema gekommen ist? "Ich habe keine Ahnung warum ich mich für welche Themen entscheide - ich habe nur von der Familiengeschichte hinter der Augsburger Puppenkiste gehört und dachte, irgendwas daran interessiert mich - irgendein Geheimnis gibt es, dem möchte ich nachspüren."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Thomas Hettche, Gespräch und Lesung beim Rheingau Literatur Festival

Thomas Hettche
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Hettche fühlte sich von dem Stoff so angezogen, dass er sich sofort an die Arbeit machte. "Ich habe einen anderen Roman, an dem ich eigentlich gearbeitet habe, dann weggelegt." Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Deniz Ohde "Streulicht"

Auf den ersten Blick ist "Streulicht" ein klassischer Entwicklungsroman über den Weg eines Arbeiterkindes zur Akademikerin. Die Ich-Erzählerin ist die Tochter einer Türkin und eines Arbeiters, die ihre Kindheit in den 90er und Nullerjahren in einem Ort am Rande eines Industrieparks verbringt. In den Rückblenden entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der sich das Mädchen nie angekommen fühlte - obwohl es auf's Gymnasium geht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Deniz Ohde, Gespräch und Lesung im Literaturhaus

Deniz Ohde
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"Anfangs war ich sehr wütend über das, was ich da geschrieben habe", erzählt Deniz Ohde. Sie habe dann aber den Entschluss gefasst, keinen Roman zu schreiben, der so "offensiv wütend" daher komme. Die Texte, die so wütend waren, die habe sie rausgestrichen, um den "nüchternen Ton" anzunehmen, in dem das Buch verfasst ist. Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Anne Weber "Annette, ein Heldinnenepos"

Anne Weber hat einer außergewöhnlichen Französin ein Buch gewidmet, das es nun auf die Shortlist geschafft hat: "Annette, ein Heldinnenepos". Mit 16 Jahren tritt Anne Beaumanoir in der Résistance ein, rettet jüdische Kinder und wird Kommunistin. Später wird sie Medizinerin und geht im Kampf für ein unabhängiges Algerien in den Maghreb und dafür ins Gefängnis. Dann kommen Flucht und die Trennung von Familie und Kindern. Heute lebt die 96-Jährige im Süden Frankreichs.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anne Weber, Gespräch und Lesung im Literaturhaus

Anne Weber
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Ein Zufall führte Weber und Beaumanoir zusammen. In einem kleinen französischen Ort hatte Weber an einem Diskussionspodium teilgenommen. Eine Frau ergriff das Wort. "Eine Frau, von der ich gleich gemerkt habe, wie viel mehr sie zu erzählen hätte." Wie aus den Gesprächen ein Buch wurde, erzählte Weber im Literaturhaus. Hören Sie hier das ganze Gespräch.

Christine Wunnicke "Die Dame mit der bemalten Hand"

Christine Wunnickes neuer Roman heißt "Die Dame mit der bemalten Hand" und führt zugleich in exotische Gebiete und in die Historie. Dabei kämpft Wunnicke mit feinstem literarischem Florett, so MDR-Literaturkritikerin Katrin Schumacher.

Christine Wunnicke

Die Titelfigur gab es wirklich: Carsten Niebuhr, geboren 1733. Der Mathematiker und Kartenkundige wird mit 28 Jahren vom dänischen König auf Forschungsreise nach Arabien geschickt. Weil seine mitreisenden Forscher einer nach dem anderen sterben, wird Niebuhr zum Universalgelehrten wider Willen.

Niebuhr trifft auf Meister Musa, einen persischen Konstrukteur astronomischer Instrumente und das sich daraus entspinnende Gespräch auf den west-östlichen Diwan ist das Herzstück dieses herrlich verpeilten Romans, in dem sich Missverständnis an Missverständnis reiht. (Katrin Schumacher, MDR Kultur)

Mehr über die sechs Titel der Shortlist, die Begründungen der Jury und Buchbesprechungen gibt es hier.

Sendung: hr2-kultur, 5. bis 9. Oktober, 9.04 Uhr und 14.30 Uhr