Buch "Eigentlich nordwärts"

Einmal eine Auszeit nehmen, einfach raus aus dem Alltag. Viele träumen davon, Familie Varnholt aus Darmstadt hat es gemacht: Sie war drei Monate in Norwegen unterwegs - mit Kind und Hund. Mehrmals musste sie dabei umplanen.

Alles begann mit einer sehr speziellen Einladung: Vor etwa drei Jahren feierten Bekannte der Familie Varnholt einen gemeinsamen 111. Geburtstag. Auf der Rückfahrt von der Party stellten die Varnholts fest, dass auch bei ihnen ein spezielles Jahr anstand.

 "Wir haben ausgerechnet, dass meine Frau und ich im Jahr 2018 zusammen 100 Jahre werden, die Kinder zusammen 50 und dass wir 25 Jahre verheiratet sind", erzählt Familienvater Jörg Varnholt (49).

Es sollte eine Fahrradtour werden

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Das Buch

Jörg und Anja Varnholt: "Eigentlich nordwärts: Mit Kind und Rad durch Norwegen. Wie unser Familienabenteuer anders verlief als geplant und doch ans Ziel führte."
Adeo Verlag, 256 Seiten, 22 Euro (gebundene Ausgabe)

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Was tun? Ein Fest feiern? Oder lieber eine Auszeit nehmen? Schnell gingen die Überlegungen in Richtung Auszeit: "Unser jüngster Sohn stand vor der Einschulung und wir hatten noch drei Monate Elternzeit übrig", sagt Anja Varnholt (51).

Schnell war klar, dass es eine Fahrradtour werden sollte. Wohin es gehen sollte, war auch schnell klar: Norwegen, das Land von dem vor allem Jörg Varnholt schon seit der Schulzeit fasziniert war: "Norweger sind ein ganz eigenes Völkchen - etwas rau, aber ehrlich, nett, geradeaus und sehr entspannt", weiß er.

Dann kamen Zweifel: Drei Monate Auszeit, was würde das kosten? Das Haus musste abbezahlt werden, die beiden älteren Kinder versorgt sein. Und wer sollte sich in der Zeit um das Haus kümmern? Und um Jörg Varnholts Bienenstöcke? Überhaupt: Konnte man einem Sechsjährigen eine dreimonatige Fahrradtour zumuten? Und was sollte mit dem Familienhund Metti werden?

"Sie wollte Norwegen nochmal sehen"

Doch das Geld war bald kalkuliert, ein Sitter für Haus und Bienenstöcke gefunden. Und Metti? "Als wir die Reise konkreter geplant haben, war Metti schon 14 Jahre alt", erzählt Anja Varnholt. "Wir sind davon ausgegangen, dass sie nicht mehr bei uns sein würde, wenn es losginge." Also machten sie sich daran, ihre Fahrradreise von Darmstadt nach Norwegen und zurück zu planen.

Buch "Eigentlich nordwärts"

Dann rückte die Abreise näher und Metti lebte. "Sie war immer sehr auf uns bezogen, deshalb musste sie dann doch mit", sagt Anja Varnholt. Doch eine Fahrradtour war mit dem alten Hund nicht möglich. Die Familie stieg auf einen VW-Bus um. "Das Umplanen war schon schwierig für uns", erzählt Jörg Varnholt. "Vor allem, als es losging und wir auf Fahrradreisende getroffen sind."

Über Schweden erreichte die Familie schließlich Norwegen. Dann, kurz hinter der Grenze war klar: Jetzt und hier würde Metti sterben."Sie ließ sich nicht mehr streicheln und hat sich komplett von uns zurückgezogen", berichtet Anja Varnholt. In einer Tierklinik in der Stadt Tromso starb Metti dann mit 16 Jahren. "Sie wollte einfach Norwegen nochmal sehen", resümiert Anja Varnholt.

"Man ist so geerdet"

Nach dem Abschied von Metti stellten die Varnholts ihre Reise dann noch einmal um: Jetzt ging es doch mit dem Fahrrad weiter - und die drei entspannten zusehends: "Ab der fünften, sechsten Woche sind wir in einer Art Zeitlosigkeit gefahren, mit der Chance, im Moment zu leben", erinnert sich Jörg Varnholt.

Buch "Eigentlich nordwärts"

"Man ist so geerdet", fügt Anja Varnholt an. "Man befasst sich nur mit den Basics: Was brauche ich heute, was koche ich, wie weit fahre ich?" Langweilig sei es nie geworden: "Man hat ja trotzdem etwas zu tun, Lager suchen, das Zelt aufbauen und so weiter."

Durchhänger oder Streit habe es nicht gegeben: "Noah war sehr ausgeglichen, hat auf dem Rad gesungen. Und Jörg und ich können sowieso den ganzen Tag aufeinander hängen", sagt Anja Varnolt schmunzelnd.

Wieder in Norwegen gewesen

Nach ihrer Rückkehr behält die Familie die Ausgeglichenheit bei: "Wir haben eine positivere Einstellung zu Veränderungen", findet Jörg Varnholt. Und: Das Ehepaar hat einiges verändert. "Wir nehmen uns ein Wochenende im Monat frei, um rauszukommen", berichtet  Jörg Varnholt. "Ich habe außerdem meine Arbeitszeit reduziert und möchte die zusätzliche Zeit zu Hause nicht mehr missen."

Buch "Eigentlich nordwärts"

"Wir konsumieren auch weniger und bewusster", sagt Anja Varnholt. "Wir wissen jetzt, mit wie wenig wir auskommen." In einem Buch haben sie Eindrücke der Reise festgehalten, geben Reisetipps  ("Wobei wir kein Reiseführer sein wollen") und Einblicke in die norwegische Mentalität.

Dort waren sie inzwischen auch schon wieder: "Uns ist irgendwie nichts anderes eingefallen", sagt Anja Varnholt mit einem Augenzwinkern.