Die Kombo zeigt links das Cover des Buches, das Antje Herden geschrieben hat. Ein Portrait von ihr ist rechts zu sehen.

Die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises auf der Buchmesse hatte sich Antje Herden schon etliche Male erträumt. Nun könnte die Darmstädter Autorin ihn abräumen. Auf ihren ganz persönlichen Oscar-Moment muss sie aber verzichten.

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Unter normalen Umständen wäre Antje Herden morgens zusammen mit ihrer Tochter zum Friseur gegangen, abends hätten sie zusammen mit ihrem Sohn die Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse besucht. Mit neuer Frisur, frisch lackierten Nägeln und in Abendgarderobe, wie die Autorin erzählt. Sie kniet dabei auf ihren kleinen Acker am Oberfeld in Darmstadt, inmitten von Tomatensträuchern und anderem rankenden Gemüse.

"Ich denke, sowas hast du nicht so oft im Leben", sagt Herden. Gemeint ist die Preisverleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2020: Dort ist sie als Autorin nominiert. 2019 war die 49-Jährige zum ersten Mal bei dem Event zu Gast - und wurde schon als unbeteiligte Zuschauerin zu Tränen gerührt.

"Es ist ja tatsächlich wie bei den Oscars", sagt Herden, "da kommen Kids mit den Umschlägen raus, und dann wird der aufgemacht und dann steht da der Name." Verlesen von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) im Saal Harmonie auf der Frankfurter Buchmesse, vor mehr als 1.000 Menschen. Das war vor Corona.

Oscar-Moment fällt wegen Corona aus

Die Preisverleihung am Buchmesse-Freitag (16. Oktober) sieht in diesem Jahr zwangsläufig anders aus - wesentlich bescheidener, ohne den erhofften Oscar-Moment. Wegen Corona findet die Verleihung nicht in Frankfurt statt, sondern wird im Berliner Kinder- und Jugendtheater Grips verliehen. Ohne Publikum und ohne die nominierten Autoren.

Bloß via Livestream zur Veranstaltung wird die 49-Jährige erfahren, ob ihr Name und ihr Romantitel "Keine halben Sachen" aus dem Briefumschlag gezogen werden - oder ob doch eines der anderen fünf nominierten Bücher den wohl renommiertesten deutschen Jugendbuchpreis gewinnt.

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Darum geht's in dem nominierten Buch

In Herdens Jugendbuch "Keine halben Sachen" geht es um die Geschichte eines Jugendlichen: Robin ist 15, pubertär, einsam und gelangweilt - in einem Sommer verfällt er den Drogen und gerät in einen Rausch. In dem Buch erzählt Robin seinem Freund Leo die Geschichte seines Absturzes. Die Geschichte orientiert sich dabei an den Erlebnissen von Antje Herdens Sohn, wie die Autorin sagt. 2019 ist der Titel bereits mit dem Peter-Härtling-Preis ausgezeichnet worden.

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Vorproduzierte Videos statt Reden auf der Bühne

Auf die Bühne kommen und eine Rede halten, das können die Preisträger in den verschiedenen Rubriken in diesem Jahr nicht. Damit es bei der Online-Preisverleihung dennoch eine Reaktion der Gewinner gibt, mussten die nominierten Autoren vorab ein Dankesvideo produzieren. "Es sollten nur 50 Sekunden sein", erklärte Herden. "Ich weiß aber nicht, wie viele Stunden meine Tochter und ich für diese 50 Sekunden gebraucht haben."

Konkret für den Preis bedankt habe sie sich nicht, das hätte sich komisch angefühlt. "Ich habe mich stattdessen einfach grundsätzlich bei den Menschen bedankt, die an diesem Buch beteiligt waren." Mit dem Zusatz, dass sie sicherlich gerade wie verrückt jubele, soll ihr Video im Falle eines Sieges im Livestream gezeigt werden.

Corona nimmt nicht nur die Freude über die Preisverleihung

Verfolgen wird Herden den Livestream in der Centralstation in Darmstadt. Dort hält sie eine Stunde vor Beginn der Online-Feier eine moderierte Lesung zu ihrem Roman - erstmals seit Corona vor Zuschauern, organisiert von einer guten Freundin. Für Herden sei die Lesung an dem Abend trotz des ausgefallenen "Oscar-Moments" eine Besonderheit.

Der Hintergrund: Seit der Bekanntgabe der Nominierung für den Preis im Februar habe sie von den Vorteilen der Nominierung kaum profitieren können. Üblicherweise folgten bis zur Verleihung auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst etliche Lesungen und Seminare zu den nominierten Büchern - diese mussten jedoch wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

"Das heißt, diese ganze Nominiertenzeit hat überhaupt keinen Impact gehabt. All das, was normalerweise damit einhergeht, war einfach nicht", erklärt Herden. Das Preisgeld - jede Rubrik im Jugendliteraturpreis ist mit 10.000 Euro dotiert - würde wohl bei ihr und ihren mitnominierten Autoren vorerst also die "durch Corona gerissenen Löcher stopfen".

Herden rechnet nicht mit Preis

Große Hoffnungen auf den Preis macht sich Herden allerdings nicht, wieder komme ihr Corona dazwischen: Ihr Buch sei ein "Egotrip" - das passe einfach emotional schlecht in die Corona-Zeit, die die Gemeinschaft in den Fokus rücke. "Keine halben Sachen" erzählt die Geschichte des 15-jährigen Robin - und wie er bewusst den Drogen verfällt und abstürzt.

Unter den anderen nominierten Titeln seien hingegen Geschichten, die die Gemeinschaft propagierten, wie die Autorin sagt. "Ich denke eher, dass es ein Trosttrinken geben wird - aber der Moment wird trotzdem super besonders sein und wir werden uns auf alle Fälle schöne Kleider anziehen", sagte Herden mit Blick auf den Abend in der Centralstation.