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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Dieses Jahr ist die Longlist ein wichtiges Signal, dass das literarische Leben weitergeht"

Ein aufgeschlagenes Buch, darüber das Logo des Deutschen Buchpreises.

Wer erhält den Deutschen Buchpreis 2020? Darüber darf ab sofort spekuliert werden. 20 Namen haben es auf die begehrte Longlist geschafft.

Es ist ein Rekord-Bücherberg, durch den sich die Jury für den Deutschen Buchpreis 2020 gewühlt hat. 120 Verlage hatten 187 Romane ins Rennen geschickt. Das sind 13 Titel und zehn Verlage mehr als in den vorherigen Rekordjahren. Jeder Verlag durfte maximal zwei Titel einsenden. Außerdem konnten bis zu fünf Titel pro Verlag empfohlen werden, aus denen die Jury weitere auswählen durfte.

Das hat sie auch getan - und am Ende insgesamt 206 Romane bewertet. Aus diesem Füllhorn hat sich die Jury auf eine Longlist von 20 Romanen geeinigt.

Die nominierten Romane in alphabetischer Reihenfolge:

  • Helena Adler, Die Infantin trägt den Scheitel links (Jung und Jung, Februar 2020)
  • Birgit Birnbacher, Ich an meiner Seite (Paul Zsolnay, März 2020)
  • Bov Bjerg, Serpentinen (Claassen, Januar 2020)
  • Arno Camenisch, Goldene Jahre (Engeler, Mai 2020)
  • Roman Ehrlich, Malé (S. Fischer, September 2020)
  • Dorothee Elmiger, Aus der Zuckerfabrik (Carl Hanser, August 2020)
  • Valerie Fritsch, Herzklappen von Johnson & Johnson (Suhrkamp, Februar 2020)
  • Thomas Hettche, Herzfaden (Kiepenheuer & Witsch, September 2020)
  • Charles Lewinsky, Der Halbbart (Diogenes, August 2020)
  • Deniz Ohde, Streulicht (Suhrkamp, August 2020)
  • Leif Randt, Allegro Pastell (Kiepenheuer & Witsch, März 2020)
  • Stephan Roiss, Triceratops (Kremayr & Scheriau, August 2020)
  • Robert Seethaler, Der letzte Satz (Hanser Berlin, August 2020)
  • Eva Sichelschmidt, Bis wieder einer weint (Rowohlt Hundert Augen, Januar 2020)
  • Anne Weber, Annette, ein Heldinnenepos (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020)
  • Olivia Wenzel, 1000 Serpentinen Angst (S. Fischer, März 2020)
  • Frank Witzel, Inniger Schiffbruch (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020)
  • Iris Wolff, Die Unschärfe der Welt (Klett-Cotta, August 2020)
  • Jens Wonneberger, Mission Pflaumenbaum (Müry Salzmann, Oktober 2019)
  • Christine Wunnicke, Die Dame mit der bemalten Hand (Berenberg, August 2020)

Der Jury habe sich ein Panorama von überwiegend realistisch angelegten Romanen eröffnet, teilte Jurysprecherin Hanna Engelmeier am Dienstag bei der Bekanntgabe der Longlist mit. Besonders viele Romane nutzten das biographische Erzählen, stark vertreten seien in diesem Jahr zudem Titel, die sich mit historischen Themen auseinandersetzen.

"Die Longlist spiegelt diese Schwerpunkte wider, greift aber zusätzlich Romane auf, die sich jüngeren identitätspolitischen Debatten widmen", sagte Engelmeier. Andere versuchten, mit der Form des Romans zu experimentieren. "Im Gegensatz zur Lektüre der Nachrichten der vergangenen Monate bot die Beschäftigung mit den über 200 eingereichten Titeln vielfältige Lichtblicke", sagte Engelmeier.

Auf der diesjährigen Longlist stehen einige bekannte Namen: Neben Thomas Hettche, Leif Randt und Robert Seethaler ist auch der Autor Frank Witzel erneut dabei. Er hatte für "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" im Jahr 2015 bereits den Deutschen Buchpreis bekommen.

Die Jury zum Deutschen Buchpreis 2020

Diese sieben Literaturexperten entscheiden, wer den Deutschen Buchpreis 2020 erhält: Katharina Borchardt (SWR2), David Hugendick (Zeit Online), Chris Möller (Kabeljau & Dorsch), Maria-Christina Piwowarski (Buchhandlung ocelot), Felix Stephan (Süddeutsche Zeitung), Denise Zumbrunnen (Buchhandlung Never Stop Reading).

 Katharina Borchardt, Hanna Engelmeier, David Hugendick, Chris Möller, Maria-Christina Piwowarski, Felix Stephan, Denise Zumbrunnen

Sprecherin der Jury ist Hanna Engelmeier (Kulturwissenschaftliches Institut Essen). Die sieben Jury-Mitglieder wählen aus Büchern aus, die seit Oktober 2019 erschienen sind oder noch bis September 2020 erscheinen.

Und was passiert jetzt?

Die Jury kürt den Siegertitel in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Sechs Titel von der Longlist schaffen den Sprung auf die Shortlist, die am 15. September veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung, am 12. Oktober, erfahren die sechs Autorinnen und Autoren, wer von ihnen den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Der Gewinner erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2.500 Euro.

Die Preisverleihung findet traditionell im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt - in diesem Jahr allerdings ohne Publikum. Auf der Website des Deutschen Buchpreises wird die Veranstaltung live übertragen.

Seit 2005 zeichnet der Deutsche Buchpreis den Roman des Jahres aus. Den Deutschen Buchpreis 2019 gewann Saša Stanišić für seinen Roman "Herkunft".

Buchpreisblogger und kostenlose Leseproben

Während die Jury hinter verschlossenen Türen tagt, um sich auf die Top-6-Titel für die Shortlist zu einigen, diskutieren 20 Buchblogger über die Titel der Longlist, liefern Hintergrundinformationen und tippen, welcher Titel das Zeug für den Deutschen Buchpreis hat. #buchpreisbloggen

Das Lesebuch zur Longlist, in dem die diesjährigen Kandidaten vorgestellt werden und das Auszüge der Romane enthält, ist ab dieser Woche in vielen Buchhandlungen kostenlos erhältlich.

Sendung: hr-iNFO, 18.08.2020, 13.28 Uhr