Anna Sara aus der Serie "from Heart of Lightness" und Ingrid Torvund, I found you unter earth, under blood - Film-Still, 2017

Noch nie gezeigte Wort-Kunst von Edvard Munch, Architektur, Mode, Möbel, Fotografie und Stickerei - das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zeigt vielfältige Blickwinkel auf Buchmesse-Ehrengast Norwegen. 10 Gründe, warum jeder die hochkarätige Ausstellung gesehen haben sollte.

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Bei einer Reise durch Norwegen begegnet man ganz unterschiedlichen Kulturen, Landschaften und klimatischen Bedingungen. Und so vielfältig wie das Land, ist auch seine Kunst. Das Museum Angewandte Kunst (MAK) in Frankfurt verwandelt sich bis zum 26. Januar in ein "House of Norway". Es ist ein Ausflug nach Norwegen mit extrem kurzer Anreise. In zehn Punkten verraten wir Ihnen, was es alles zu sehen gibt.

1. Noch nie gezeigte Munchs

Edvard Munch Text und Zeichnung

Jeder hat schon mal eine Version von Edvard Munchs "Schrei" gesehen. Was aber noch nie ausgestellt wurde, sind seine Prosatexte und Mini-Gedichte. Auf den Bildern zu sehen sind dicke, bunte Druckbuchstaben und Zeichnungen. Auch ohne die Übersetzung zu kennen, haben die Skizzen eine ganz besondere und anziehende Wirkung. Die Atmosphäre im Raum macht neugierig. Es ist dunkel und etwas schummerig, die deutsche Fassung ist etwas abseits angebracht.

2. Was sind denn Samen?!

Máret Ánne Sara "Gielastuvvon" (Gefangen, 2018)

Über die Samen, die indigene Bevölkerung die in Teilen von Norwegen, Schweden, Finnland und Russland lebt, wird in unseren Breitengraden so gut wie gar nicht berichtet. Im "House of Norway" bekommt die Randgruppe eine Stimme. Traditionelle Messer, Trommeln und Trinkgefäße werden zusammen mit modernem Schmuck und Installationen gezeigt. Dahinter versteckt sich oft Gesellschaftskritik an Norwegen. Behörden schränken zum Beispiel die Größe von Rentierherden ein und bedrohen damit die Existenzgrundlage der Sámi. Künstlerin Maret Anne Saras verarbeitet in ihrer Installation "Gielastuvvon" (gefangen) Lassos von Sami-Rentierhirten.

3. Modernes Mahnmal erinnert an Hexenverbrennung

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Norweger kommen

Mahnmak MAK
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Am äußersten Nordosten Norwegens erinnert ein Mahnmal an die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert in der Finnmark. 91 Menschen wurden wegen Hexerei zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Für jedes Opfer gibt es in der Gedenkstätte eine kleine Fensterluke und eine Glühlampe, die an die Taten erinnern soll. Trotz des modernen Aussehens schlägt das Mahnmal durch Elemente wie Erde, Wasser, Feuer und Licht eine Brücke in die Vergangenheit.

4. Verrückte Mode-Kunst

Mode-Kunst im MAK

Was ein bisschen wie Berlin-Kreuzberg während der Fashion Week aussieht, ist die exzentrisch-extrovertierte Mode von Edda Gimnes und Elisabeth Thorsen. Die beiden Designerinnen zeigen kreative High-Fashion-Stile mit aufwendigen Stoffen, Prints und Mustern.

5. Zittrige Espen

Ein Video-Loop zeigt zittrige Espen in Norwegen.

Die Schau ist so vielfältig, dass man in schneller Folge von einem Höhepunkt auf den nächsten trifft. Ein Video von sich im Wind wiegenden Espen entschleunigt den Museumsrundgang. Der Kurzfilm zeigt bunt-gelbe Bäume und lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten und die Natur zu genießen. Die Zitterpappeln verstärken das Fernweh auf eine Reise durch Norwegen im Herbst.

6. Vasen und Gefäße, die keinen Inhalt brauchen

MAK Vasen Kari Mølstad

Keine Blumen, kein bunter Inhalt wird für die präsentierten Keramik-Gefäße benötigt. Polychrome Glasskulpturen, geometrische Keramiken oder funktionale Behälter zeigen echtes Kunsthandwerk. In gediegenen Pastellfarben oder mit spannenden Verformungen ist norwegische Keramik-Kunst zu bewundern.

7. Sámi-Aufführung erstmals außerhalb von Norwegen Theater

Sami Aufführung MAK

Weitere Einblicke in die Kultur der Samen gibt es beim Gastspiel des Sámi National Theatre. Das Ensemble tritt vom 12. Oktober bis 9. November mit dem Stück "Johan Turi" in samischer Sprache auf. Das Stück wird erstmals außerhalb von Norwegen aufgeführt und basiert auf der Biografie des Rentierhalters Johan Turi und seiner Reise durch Skandinavien.

8. Zur Ruhe kommen - mit Main-Blick

Richard Meier-Stillraum MAK

Der Richard Meier-Stilraum ist lichtdurchflutet. Durch eine riesige Fensterfront kann man auf den Main und die Skyline von Frankfurt schauen. Gemütliche schwarze Ledersessel, ein grüner Fusselteppich und spannende Bildbände laden zum Verschnaufen und Verarbeiten ein. Eine schöne Ruhepause, nachdem man die Ausstellung auf drei Etagen erkundet hat.

9. Darauf kann man sitzen?

Peter Opsvik Stuhl

Es ist nicht so ganz leicht zu erkennen, wie man auf diesem "Stuhl" von Peter Opsvik sitzen soll. Ein Hilfsvideo zeigt verschiedene Sitz-Positionen. Obwohl der Stuhl "Globe Garden" bereits von 1985 ist, könnte er immer noch in jeder aktuellen Design-Zeitschrift erscheinen. Übrigens: Möbel kann man auch im Concept-Store des Museums bestellen.

10. Norwegens Kultur in unter drei Stunden kennenlernen

Per Heimly Samen House of Norway

Norwegen ist groß und vielseitig. Kurator und MAK-Direktor Matthias Wagner K reiste für die Zusammenstellung der Schau fünf Mal in jeden Winkel Norwegens. Sogar mit einem Rentierschlitten war er unterwegs. Wer Lust auf einen Ausflug in ganz unterschiedliche Kultur-Bereiche von Norwegen hat, wird mit neuen Impressionen und tollen Eindrücke aus der Ausstellung gehen - und mit Lust auf eine Skandinavien-Reise.

Sendung: hr-iNFO, 09.10.2019, 16.55 Uhr