Polarlicht Norwegen

Polarlichter, Pullis und Königshaus - wer an Norwegen denkt, dem kommt so manch Banales in den Sinn. Wer jedoch nach Norwegen reist, der erlebt atemberaubende Natur, sagenumwobene Gestalten und zeitlose Kunst.

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Norwegen – Ein Land zwischen Öl, Lachsfarmen und Klimaschutz

Blick auf eine Lachszucht in einem Fjord in Tofte bei Brønnøysund in Norwegen
Ende des Videobeitrags

Denke ich an Norwegen, dann denke ich an den fein sprühenden Sommerregen, der mir aus den wabernden weißen Wolken direkt ins Gesicht spritzt. Unser Kreuzfahrtschiff hat gerade den Hafen von Bergen verlassen. In langsamer Fahrt geht es hindurch unter der großen Askøy-Brücke, die die gleichnamige Insel mit Bergen verbindet.

Dass es hier in der Hauptstadt Fjordnorwegens regnet, ist ganz normal. Die Stadt an der Westküste ist schließlich nicht nur die Regenhochburg Norwegens. Über 2.200 mm regnet es hier im Jahresschnitt, ungefähr drei Mal so viel wie in der Hauptstadt Oslo im Süden des Landes. Doch nicht nur das. Mit ungefähr 240 Regentagen im Jahr gilt Bergen sogar als "regenreichste Stadt" Europas.

Direkt am Hafen haben wir gleich eines der großen Wahrzeichen sehen können: Bryggen. Bergens ältester Stadtteil mit den markanten bunten Holzhäusern, ist ein Überbleibsel aus der Hanse-Zeit. 1360 errichtete die Vereinigung niederdeutscher Kaufleute eine Handelsniederlassung, die den Handel in Bergen 400 Jahre lang in seiner Hand behielt.

Bryggen Bergen Norwegen

Durch einen Brand im Jahr 1702 wurden die meisten der damals gebauten Holzhäuser zerstört. Zum Glück erfolgte danach der Wiederaufbau im alten Stil. Ein Grund dafür, dass wir beim Spaziergang durch den mittlerweile von der UNESCO als Welterbe anerkannten Stadtteil, den Glanz der glorreichen Vergangenheit immer noch spüren können.

Denke ich an Norwegen, dann denke ich aber auch an die Mythen und Sagen, von denen uns die belesene Reiseleiterin bei der Busfahrt durch die engen, kurvigen Gebirgsstraßen berichtet. Besonders in Erinnerung bleiben mir die Geschichten, von den Fabelwesen, die man angeblich nie zu Gesicht bekommt – den Trollen.

Es soll sie in allen Größen und Gattungen geben: Klein und unauffällig. Einäugig und jähzornig. Alt und schwerfällig. Fest steht: Die ersten Berichte über die Trolle gehen auf die nordische Sagenwelt zurück. Darin gelten sie als böse Geister, die den Menschen schaden oder gar nach ihrem Leben trachten wollen.

Norwegen Aussicht auf einen See

Zum Glück seien die Trolle aber leicht zu überlisten. Denn: Bei Kontakt mit Sonnenlicht erstarren sie automatisch zu Stein, heißt es in den Erzählungen. Kein Wunder also, dass so manches norwegische Naturschauspiel oder Bauwerk einen "Troll" im Namen trägt. Zum Beispiel die spektakuläre Serpentinenstraße "Trolstigen“, zu Deutsch: "Trollleiter", mit ihren elf Haarnadelkurven und steilen Schluchten.

Denke ich an Norwegen, so denke ich aber auch an den berühmtesten Schrei der Kunstgeschichte. Er findet sich in Oslo, dem Ort, den wir als letztes auf unserer Reise durch Norwegen mit dem Kreuzfahrtschiff anlaufen.

Im Nationalmuseum werden wir fündig. Es verfügt über die größte Kunstsammlung Norwegens. Von Picasso über Monet bis Matisse - hier hängt alles, was Rang und Namen hat. Und natürlich das bekannteste Werk des Osloer Künstlers Edvard Munch, "Der Schrei". Das Werk ist weltbekannt und hat eine bewegte Geschichte.

Es fängt alles schon damit an, dass es eben nicht nur den einen Schrei gibt. Unter dem Titel "Schrei" fertigte Munch nämlich vier Gemälde und eine Lithografie mit dem gleichen Motiv eines schreienden Mannes. Vielleicht zeigt es sogar Munch selbst, denn der verarbeitete damit  angeblich eine eigene Angstattacke auf einem Spaziergang.

Edvard Munch Der Schrei in Oslo

So nah und eindringlich ist das Motiv, dass es weltberühmt geworden ist und regelmäßig Kunsträuber auf den Plan ruft: 1994 wurde das Bild der norwegischen Nationalgalerie gestohlen, 2004 das Exemplar im Osloer Munch-Museum geraubt. Am Ende fanden beide Bilder ihren Weg aber wieder zurück ins Museum.

Denke ich an Norwegen, dann denke ich also an ein vielfältiges und beeindruckendes Reiseland. Denn egal, ob man es per Schiff, auf der Straße oder eben ganz einfach zu Fuß erkundet: Hinter jeder Ecke erwarten den Reisenden neue Eindrücke. Und mit denen ist es ein wenig wie mit den Trollen: Sie können einen überall überraschen!

Sendung: hr-fernsehen, hauptsache kultur, 17.10.2019, 22.45 Uhr