Collage aus georgischer Schrift und einem Foto von Daru Sulakauri, mit dem Schriftzug von Georgia Made by Characters
Bild © Montage hessenschau.de: Georgia Art Palace /Daro Sulakauri/Georgia Made by Characters

Goldschätze, Millionen Jahre alte Fossilien und Einblicke in die post-sowjetische Gegenwart: Ehrengast Georgien zeigt auf der Frankfurter Buchmesse in zahlreichen Ausstellungen die ganze Vielfalt des Landes.

Ein 1,8 Millionen Jahre alter Schädelfund, 1.800 Jahre alte Goldarbeiten und Einblicke in die zeitgenössische Kunst - rund um die Buchmesse präsentiert Georgien Kunst und Kultur von der Urgeschichte bis heute. Dabei arbeitet der Ehrengast mit zahlreichen Institutionen in Frankfurt und Offenbach zusammen, um dieses Ausstellungsangebot umsetzen zu können.

Goldschätze im Liebieghaus

Liebe, Zauberei und ein Goldschatz, der von einem Drachen bewacht wird - das sind die Zutaten des großen Argonauten-Mythos. Die Liebieghaus Skulpturensammlung zeigt "Medeas Liebe und die Jagd nach dem Goldenen Vlies" (5. Oktober bis 10. Februar 2019). Die Ausstellung präsentiert archäologische Funde und antike Kunstwerke, die sich mit dem Mythos rund um die Argonauten auseinandersetzen.

Kette mit edelsteinbesetzten Anhängern und Widderkopf
Kette mit edelsteinbesetzten Anhängern und Widderkopf, 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Bild © Georgisches Nationalmuseum, Tiflis

Es ist die Geschichte des griechischen Prinzen Jason, der ein übermenschliches Abenteuer zu bestehen hat. Eine gefährliche Schiffsexpedition, die Fahrt der Argonauten, führt Jason und sein Gefolge in das Land Kolchis. Dort sollen die Helden das Goldene Vlies erobern und in die Heimat zurückbringen. Die Schau erzählt anhand von Leihgaben aus dem Georgischen Nationalmuseum diesen Mythos und am Ende stehen die Besucher selbst vor einem großartigen Goldschatz.

Sensationsfund im Senckenbergmuseum

Das Senckenbergmuseum zeigt das wohl älteste Ausstellungsstück, das je im Rahmen einer Ehrengast-Ausstellung nach Frankfurt gebracht wurde. 1,8 Millionen Jahre ist er alt, der Schädel, der bei Ausgrabungen in Dmanisi ans Licht kam. Das fossile Fundstück wird erstmals außerhalb von Georgien zu sehen sein in der Schau "Homo georgicus - der Schädel aus dem Ursprungsland der ersten Europäer" (11. Oktober bis 18. November).

Schädelfund im georgischen Dmanisi
Ein Schädel, der im georgischen Dmanisi gefunden wurde, ist im Senckenbergmuseum zu sehen. Bild © Guram Bumbiashvili, Nationalmuseum Georgien / picture-alliance/dpa

Dmanisi, eine Stadt im Südosten Georgiens, ist seit 1936 eine wichtige archäologische Fundstätte: 1991 wurde hier der Kieferknochen eines Hominiden (Menschenaffe) gefunden; im Jahr 2000 wurden dort zudem Schädel entdeckt. Mithilfe der Sammlung aus Dmanisi können Wissenschaftler die Geschichte der Menschen vor über 1,8 Millionen Jahren erforschen. Das sind die ältesten menschlichen Überreste, die jemals jenseits von Afrika gefunden wurden.

Weltkulturerbe im Klingspor Museum

Das georgische Alphabet mit seinen 33 Buchstaben ist einmalig. Seine Anfänge gehen zurück ins 5. Jahrhundert nach Christus, seit 2016 ist es Unesco-Weltkulturerbe. Das Klingspor Museum in Offenbach präsentiert die Geschichte des Alphabets anhand von Manuskripten und Büchern des 16. bis 18. Jahrhunderts bis hin zur modernen Kunst der Typografie.

Georgische Schrift
33 Buchstaben und Unesco-Weltkulturerbe - das georgische Alphabet ist einmalig. Bild © Georgia Art Palace

Die Schau "Tiflis on your mind" ist vom 5. Oktober bis 18. November zu sehen. Eine Besonderheit sind Sopho Kintsuraschwilis taktile Objekte der 33 Buchstaben des georgischen Alphabets, sie lassen die Ausstellung auch für Sehbehinderte erlebbar werden.

Ein Blick nach Tiflis im Architekturmuseum

Kommen Sie mit auf einen spannenden Streifzug durch die georgische Hauptstadt Tiflis. Die Ausstellung "Hybrid Tbilisi. Betrachtungen zur Architektur in Georgien" im Deutschen Architekturmuseum (28. September bis 13. Januar 2019) zeigt, welche wichtigen politischen und historischen Erlebnisse sich in der Architektur widerspiegeln und welche ausländischen Einflüsse ihren Weg in die dortige Architektur gefunden haben.

Leitstelle der Polizei in Tiflis
Leitstelle der Polizei in Tiflis Bild © Mario Lorenz

Spektakuläre Neubauten und Sowjet-Brutalismus bilden einzigartige Kontraste, dazu verfallene Paläste und der Neubau kompletter Straßenzüge. Aufstrebend, chaotisch, verwirrend und faszinierend, das ist Tbilisi.

"Gold und Wein" im Archäologischen Museum

Die Ausstellung "Gold & Wein. Georgiens älteste Schätze" (6. Oktober bis 10. Februar 2019) zeigt ein umfassendes Bild der frühen kulturellen Entwicklungen Georgiens vom Beginn der Landwirtschaft im Kaukasus ab 6.000 v. Chr. bis zur Trialeti-Kultur der Mittelbronzezeit (2.100 bis 1.700 v. Chr.). Viele der Funde, die im Archäologischen Museum Frankfurt gezeigt werden, werden erstmals präsentiert.

Modell eines zweirädrigen Wagens und goldene Löwenfigur aus der 2. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr.
Modell eines zweirädrigen Wagens aus Badaani und goldene Löwenfigur aus der 2. Hälfte des 3. Jahrtausends vor Chr. Bild © J. Meyer/Archäologisches Museum Frankfurt

Zu den Höhepunkten der Schau zählen Funde aus dem ältesten Goldbergwerk der Welt und der erst 2012 ausgegrabene Grabhügel von Ananauri aus der Bronzezeit mit seinem imposanten Holzwagen. Für Kinder gibt es einen Mitmachbereich und ein Rätselheft.

Märchenhafte Begegnung im Struwwelpeter-Museum

Es war einmal ein Junge, der nur einen einzigen Freund hatte: den Stier Tsikara. Gemeinsam müssen sie vor der bösen Stiefmutter des Jungen flüchten. So beginnt das in Georgien sehr bekannte Märchen "Tsikara". In Frankfurt heißt es bald: Struwwelpeter trifft Tsikara - ein berühmtes georgisches Volksmärchen ist zu Gast bei einem berühmten deutschen Bilderbuch.

Illustration von Gio Jincharadze zum georgischen Volksmärchen "Tsikara"
Illustration von Gio Jincharadze zum georgischen Volksmärchen "Tsikara" Bild © Gio Jincharadze

Für die Ausstellung im Struwwelpeter-Museum (6. Oktober bis 6. Januar 2019) hat eine junge Künstlergruppe aus Tbilisi ausdrucksstarke Kunstwerke erstellt. Die Schau erzählt von charismatischen Helden und ihren magischen Objekten. Für Kinder gibt es in der Ausstellung viele Mitmachangebote. Aber auch für Erwachsene ist es eine spannende Reise durch das georgische Volksmärchen.

Geheimnisvolle Lara im Museum Angewandte Kunst

Tbilisi - zu Deutsch Tiflis - hat den Ruf, das neue Berlin zu sein. Jung, ein bisschen verrückt und extrem angesagt. Lange Partynächte und Raum für Entfaltung locken immer mehr Menschen in die Hauptstadt Georgiens. In der Ausstellung "Lara protects me" (21. September bis 20. Januar 2019) im Museum Angewandte Kunst erzählen Videoarbeiten, Fotografien, Zeichnungen und Designobjekte die Geschichten verschiedener Annäherungen.

Arbeiten zu "Lara protects me" im Museum angewandte Kunst
Arbeiten zu "Lara protects me" im Museum angewandte Kunst Bild © Grigor Devejiev / David Mekshi

Eine geheimnisvolle Botschaft, die Kuratorin Mahret Kupka auf ihrer Reise durch Georgien fand, wird zum Ausgangspunkt einer Suche. Wer ist die mysteriöse Lara, die die Botschaft verfasste? Georgische Kreative geben Antwort und laden ein, ihr Land zu erkunden.

Ausstellungen im Doppelpack im Atelierfrankfurt

Das Kunstzentrum Atelierfrankfurt verwandelt sich vom 14. September bis 14. Oktober in ein Zentrum georgischer Kunst und Kultur. Seit dem 14. September sind dort zwei Ausstellungen zeitgenössischer georgischer Kunst zu sehen. Die Gruppenausstellung "The Future is Ours" zeigt fotografische Arbeiten deutscher und georgischer Künstler, die sich mit den Jugendkulturen beider Länder auseinandersetzen.

Fotografie eine jungen Frau, die die Hände an Seite ihres Gesichts hält.
Fotografie aus der Schau "Die Zukunft ist unsere" Bild © Sandra Stein

"Description" zeigt Videokunst-Positionen georgischer Künstler, deren Arbeiten um die Themen Unabhängigkeit und Abhängigkeit kreisen - zwei zentrale Begriffe der georgischen Gesellschaft während des vergangenen Jahrhunderts. Ab dem 11. Oktober werden die Ausstellungen durch ein Kulturprogramm ergänzt.

Video-Screenshot von Aleksi Soselia
Video-Screenshot von Aleksi Soselia für die Schau "Descriptions" Bild © Aleksi Soselia

Georgien in Fotos im Fotografie Forum Frankfurt

Zwölf Foto-Künstler, zwölf unterschiedliche Stimmen aus Georgien. Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) zeigt vom 22. September bis 18. November die Schau "Picture Languages. Photographic Art from Georgia".

Beso Uznadze: "Ohne Titel" Aus der Serie "Delusion", 2017
Beso Uznadze: "Ohne Titel" Aus der Serie "Delusion", 2017 Bild © Beso Uznadze

Zu sehen sind historische Bilder, wie beispielsweise Landschaften und Porträts aus dem 19. Jahrhundert, fotojournalistische Aufnahmen zum Unabhängigkeitsstreben sowie der experimentelle Umgang mit dem Medium Fotografie junger Künstler. Die Arbeiten vermitteln facettenreich Eindrücke von Geschichte und modernem Alltag in Georgien sowie künstlerische Positionen seiner noch wenig bekannten Fotografie-Szene.

Performances mit der Bouillon-Group bei basis e.V.

Das sechsköpfige Künstler-Kollektiv Bouillon Group besteht seit zehn Jahren. In den Performances, die sich zumeist im öffentlichen Raum abspielen, nehmen Bouillon Group sowohl Bezug auf die vielschichtige georgische Kultur, als auch auf die Beziehungen zwischen ihrem Heimatland und den westlich-europäischen Staaten. Die post-sowjetische Lebensrealität wird hierbei hinterfragt und nicht selten einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Bouillon Group, Aerobic vor dem Georgischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, 2013
Bouillon Group, Aerobic vor dem Georgischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, 2013 Bild © Robert Mkhitarov

Vom 14. September bis 14. Oktober ist das Künstler-Kollektiv zu Gast bei der Produktions- und Ausstellungsplattform basis e.V. Im Rahmen der Ausstellung werden sowohl vergangene Projekte in Form von Video-Dokumentationen gezeigt, als auch neue Performances des Kollektivs präsentiert. Die Einzelausstellung zeigt die Arbeiten des Kollektivs erstmals umfassend in Deutschland.

Transformationen im KunstRaum Bernusstraße

Der Kunstraum Bernusstraße in Frankfurt zeigt vom 28. September bis 20. Oktober die Schau "Transformationen – ტრანსფორმაცია". Zu sehen sind Arbeiten des georgischen Künstlers und einstigen Städel-Schülers Avto, Avtandil Berdznischwili. Mit unterschiedlichsten Techniken gestaltet, pendeln seine Werke zwischen Konkretem und Abstraktion.

Werk von Avto Berdznishvili für die Ausstellung im Kunstraum Berusstraße
Werk von Avto Berdznishvili, Mischtechnik auf Leinen Bild © Avto Berdznishvili

Wiederkehrendes Detail, sind Fragmente der georgischen Schrift als eine Form von Zeichensetzung. Deren Bedeutung entzieht sich hiesigen Besuchern erst einmal. Sie dürften aber durch die lebendige Farbigkeit und Expressivität der Arbeiten eingefangen werden.

Ein maßgeschneidertes Werk für den Portikus

Die georgische Künstlerin Thea Djordjadze wird eine Installation in den Ausstellungsraum des Portikus einpassen. Vom 15. September bis 11. November ist die Schau "o potio n" zu sehen. Die Arbeiten, die Djordjadze im Portikus zeigt, entstanden zwar in ihrem Atelier in Berlin, doch werden sie erst vor Ort der spezifischen Architektur und Umgebung angepasst.

Installation der georgischen Künstlerin Thea Djordjadze im Portikus Frankfurt.
Installation der georgischen Künstlerin Thea Djordjadze im Portikus Frankfurt. Bild © Diana Pfammatter / Portikus

Durch diese bewussten Interventionen in den Raum entsteht ein subtiler Dialog zwischen den Werken und ihrer Umgebung.

Reiseerlebnisse im Haus am Dom

Zwölf deutsche und georgische Autorinnen und Autoren haben sich auf eine Reise durch Georgien gemacht. Aus den Reiseeindrücken, aus den Mythen und Landschaften sowie der uralten Schrift entstanden Collagen von Julia B. Nowikowa. Das Haus am Dom zeigt die Arbeiten unter dem Titel "Georgische Begegnungen" vom 7. bis 30. Oktober.

Collage "Georgische Begegnungen" von Julia B. Nowikowa
Collage "Georgische Begegnungen" von Julia B. Nowikowa Bild © Julia B. Nowikowa

Ein Mann im Taschenformat im Bibliothekszentrum Höchst

Ein kleiner Mann verliert sein Zuhause. Er hüpft bei einem Blinden in die Tasche und wird zu seinem Wegweiser. Das ist die Geschichte des Animationsfilms "The Pocket Man" von Ana Chubinidze. Vom 24. September bis zum 12. Oktober ist im Bibliothekszentrum Höchst eine Ausstellung zu der Koproduktion aus Georgien, Frankreich und der Schweiz zu sehen.

Einladungsplakat zur Ausstellung Pocket Man
Bild © Stadt Frankfurt am Main

Gezeigt werden handgemachte Puppen, Requisiten und Kulissen, die von georgischen und französischen Künstlern für den Film geschaffen wurden.