Protest gegen Rechte bei der Buchmesse 2017 - eine Frau hält einen Aufkleber "Kein Ort für Neonazis" hoch.
Protest gegen Rechts bei der Buchmesse 2017 Bild © Imago

Im vergangenen Jahr hatte es am Stand eines rechtsgerichteten Verlages auf der Buchmesse Tumulte gegeben. Auch in diesem Jahr will die Messe den Auftritt von rechten Verlagen nicht verbieten - sie hält aber inhaltlich dagegen.

Obwohl die Veranstaltung eines rechten Verlags auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr für Tumulute auf linker wie rechter Seite gesorgt hatte, wollen die Veranstalter die rechten Verlage in diesem Jahr nicht von der Messe aussperren. "Wir sind ein Ort, der alle Stimmen inkludiert, die nicht gegen das Grundgesetz verstoßen - auch wenn sie uns nicht gefallen", sagte der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos, am Dienstag in Frankfurt bei der Vorschau-Pressekonferenz zur Buchmesse im Oktober. Alles andere sei Zensur.

Bisher hätten sich laut Boos für die anstehende Buchmesse "eineinhalb Verlage" aus dem rechten Spektrum angemeldet - bei einer Gesamtanzahl von 7.300 Ausstellern. Der Verlag, bei dessen Veranstaltungen es im Vorjahr zu den Unruhen kam, sei in diesem Jahr nicht darunter. Eine "rechte Ecke" auf der Buchmesse werde es nicht geben.

Boos geht trotzdem davon aus, dass es zu heftigen Diskussionen kommen wird, gerade da sich auch hochrangige deutsche Politiker aus allen politischen Spektren angemeldet hätten. Doch auch missliebige Meinungen müsse man auf der Buchmesse aushalten: "Polarisierende Autoren und Meinungen auszuhalten und argumentativ zu widerlegen, sind Errungenschaften einer demokratischen Gesellschaft."

Die Buchmesse hält inhaltlich dagegen

Kampagnen-Plakat I'm on the same page
Kampagnen-Plakat "I'm on the same Page" Bild © Frankfurter Buchmesse

Eingreifen will die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr über einen speziellen Programmpunkt. Mit der Kampagne "On The Same Page" weist sie konkret auf die Bedeutung der Menschenrechte hin.

Anstelle das eigene offizielle 70. Jubiläum zu feiern, zelebriert die Buchmesse in diesem Jahr das 70-jährige Bestehen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Gerade im aktuell aufgeheizten politischen Klima sei es wichtig, dass die Buchmesse als öffentliche Plattform für Dialog und Debatten auftrete und nicht nur als Treff der Verlags- und Buchbranche, wie Boos betonte.

Während der Messetage vom 10. bis 14. Oktober finden zahlreiche Veranstaltungen wie Diskussionen und Gesprächsrunden zum Thema Menschenrechte statt - der Großteil davon wird im Weltempfang zu finden sein. Erwartet werden Gäste wie Günter Walraff, Deniz Yücel, Margarete Stokowski, Gretchen Dutschke und Bascha Mika.

"On The Same Page" soll verdeutlichen, dass der Großteil gemeinsam auf einer Seite steht. Die Kampagne ist ein Kooperationsbündnis aus Frankfurter Buchmesse, verschiedenen Medienhäusern und Verbänden. Erwartet werden in diesem Jahr mehr als 280.000 Besucher an den fünf Tagen. Zum Auftakt der Messe spricht die nigerianische Frauenrechtlerin und Autorin Chimamanda Ngozi Adichie.