Friedenspreis

Die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga ist in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt worden. Während der Verleihung unterbrach eine Stadtverordnete die Ansprache des Oberbürgermeisters, um Rassismus auf der Buchmesse anzuprangern.

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hessenschau vom 24.10.2021
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Die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe hat am Sonntag in der Paulskirche in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Ihre langjährige Weggefährtin Auma Obama hielt eine sehr persönliche Laudatio für ihre Freundin. "Ich bin so stolz auf dich, auf alles, was du geleistet hast", sagte Obama, die Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. Sie erinnerte in ihrer Rede an die gemeinsame Studienzeit mit Dangarembga in Deutschland.

"Wie können wir uns am besten Gehör verschaffen, wie gesehen werden?", seien die Fragen gewesen, die sie damals beschäftigt hätten. Nun sei Dangarembga "laut geworden für die Stimmlosen in ihrem Heimatland". Obama betonte: "Du bist nicht gewöhnlich, Tsitsi. Ein gewöhnliches Leben war keine Option für Dich."

Auma Obama und Tsitsi Dangarembga

"Es ist wohl bekannt, dass Gewalt weitere Gewalt erzeugt"

Dangarembga war sichtlich bewegt. In ihrer Dankesrede schilderte sie, wie Literatur das Denken der Menschen und damit den Frieden beeinflussen kann. "Unsere Entscheidung, was und wie wir denken, ist letztlich eine Entscheidung zwischen Gewalt oder Frieden fördernden Narrativen", sagte sie. In ihrem Heimatland Simbabwe sei Gewalt an der Tagesordung - wie in vielen anderen postkolonialen Ländern. "Es ist wohl bekannt, dass Gewalt weitere Gewalt erzeugt, und das sehen wir heute auf der ganzen Welt, auch in den Heimatstaaten des Imperiums", prangerte Dangarembga die Migrationspolitik westlicher Staaten an.

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Dangarembgas Biografie

Tsitsi Dangarembga wurde 1959 in Mutoko im heutigen Simbabwe geboren. Sie studierte Psychologie und schrieb zunächst Theaterstücke. In den 90er Jahren studierte sie in Berlin Filmregie und gründete spärer eine Produktionsfirma in Harare.

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Die globale Struktur, die diese Art von Gewalt geschaffen habe, könne nicht einfach aufgelöst werden. Dennoch gebe es eine Lösung: "ethnisch determinierte und andere hierarchische Denkweisen abzuschaffen." Damit beziehe sie sich auf Merkmale wie das soziale und biologische Geschlecht, Religion, Nationalität und Klassenzugehörigkeit.

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hk
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"Schwarze Frauen auf der Buchmesse nicht willkommen"

Als der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sich am Anfang der Verleihung zur Debatte um Rechtsextremisten auf der Buchmesse positionierte und sagte, dass es in Frankfurt keinen Platz und kein Verständnis für Rassismus geben könne, kam ungeplant Mirrianne Mahn, Stadtverordnete für die Fraktion der Grünen, an das Podium.

Sie sagte, es sei ein Paradox, eine Schwarze Frau mit dem Friedenspreis für ihr Engagement gegen Rassismus auszuzeichnen, während "Schwarze Frauen auf der Frankfurter Buchmesse nicht willkommen waren, weil nicht dafür gesorgt wurde, dass sie sich sicher fühlen".

Wenn geduldet werde, dass rechtsradikale Menschen eine Plattform bekämen, sei das eine aktive Beteiligung an dem nächsten Hanau, so Mahn. "Menschen wie ich können hier nicht sitzen und zuhören, wenn die Buchmesse für einen Diskurs gelobt wird, der für andere existenziell ist", sagte sie.

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Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und die Stadtverordnete Mirrianne Mahn (Grüne)
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Schmidt-Friderichs: "Weithin hörbare Stimme Afrikas"

Nach Feldmann hielt Karin Schmidt-Friderichs ihre Ansprache nach Plan. Dangarembga sei eine "weithin hörbare Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur", sagte die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

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Das literarische Werk

1988 erschien Dangarembgas Debüt-Roman "Nervous Conditions" als erster Teil einer autobiografisch geprägten Trilogie. 2006 folgte "The Book of Not", 2018 der dritte Teil "This Mournable Body". Die Romane erzählen vom Aufwachsen und Leben einer nach Selbstbestimmung strebenden Frau in Simbabwe und thematisieren dabei die komplexen Strukturen der Unterdrückung.

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Sie wolle sich bedanken, dass die Romanfigur aus Dangarembgas Werk einen Zugang zu einer anderen Gesellschaft ermögliche. "Sie, Tsitsi Dangarembga, haben es geschafft, uns eine Gesellschaft so nahe zu bringen, dass sie uns zwar nicht restlos verständlich wird, wir sie aber auf uns beziehen können, auf uns und unsere eigenen Unzulänglichkeiten", so Schmidt-Friderichs.

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Der seit 1950 vergebene Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist mit 25.000 Euro eine der bedeutendsten Auszeichnungen des Landes. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ehrt damit eine Persönlichkeit, die zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.

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