Amartya Sen

Der Preisträger wird zugeschaltet, der Bundespräsident befindet sich in Quarantäne: Bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen läuft einiges anders als geplant.

Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in diesem Jahr in außergewöhnlicher Form verliehen wird. Der 86-jährige Preisträger Amartya Sen nimmt die Auszeichnung in der Frankfurter Paulskirche nicht persönlich entgegen, sondern wird am Sonntagvormittag trotz der Zeitverschiebung live aus den USA zugeschaltet.

Schauspieler Klaußner vertritt Laudator Steinmeier

Die Laudatio in der Frankfurter Paulskirche sollte ursprünglich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier halten. Nach dem positiven Corona-Test eines Personenschützers musste sich das Staatsoberhaupt am Samstag jedoch in Quarantäne begeben. Die Rede Steinmeiers wird von Schauspieler Burghart Klaußner verlesen. Die ARD übertragt den Festakt am Sonntag ab 10.45 Uhr live.

Auf einer digitalen Pressekonferenz kritisierte Sen am Donnerstagabend das egoistische Verhalten vieler Länder. Großbritannien spalte sich mit dem Brexit ab, die USA bauten eine Mauer, um Zuwanderung zu verhindern – und auch Länder wie Ungarn und Indien agierten zunehmend nationalistisch, sagte der 86-Jährige. Man sehe immer wieder Trennung und die globale Idee gehe verloren, dabei könnten die Länder voneinander lernen. "Der richtige Rahmen, um über Gerechtigkeit nachzudenken, ist global und nicht national."

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Sen wurde 1933 in Shantiniketan (Westbengalen, Indien) geboren und lebt in Cambridge (Massachusetts). 1998 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaft. Er habe sich "als Vordenker seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandergesetzt", hieß in der Begründung des Stiftungsrats. Seine Arbeiten trügen zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit bei und seien heute so relevant wie nie zuvor.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist mit 25.000 Euro dotiert. Geehrt werden Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben.

Sendung: Das Erste, 18.10.2020, 10.45 Uhr