Sebastiao Salgado

Überrascht war er, als er von der Auszeichnung erfuhr: Als erster Fotograf erhält Sebastião Salgado am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Seine Botschaft ist brandaktuell: Die Menschheit muss zusammenstehen, um ihre Lebensgrundlage zu retten.

Mit einem Appell an die Menschheit hat sich der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Sebastião Salgado, am Freitag auf der Buchmesse vorgestellt: "Alle zusammen können wir den Planeten retten", sagte der Brasilianer, der als erster Fotograf den renommierten Preis bekommt.

Salgado "handle die großen Themen unserer Zeit ab", deshalb werde er ausgezeichnet, sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. "Er begleitet die Menschheit, wie sie in der Globalisierung angekommen ist."

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Wim Wenders Film "Das Salz der Erde - Der Fotograf Sebastião Salgado" ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

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Und doch habe ihn die Auszeichnung überrascht, verriet Salgado, aber auch unheimlich gefreut: "Der Preis trägt den Begriff 'Frieden' im Titel." Und Frieden sei zurzeit ein sehr schwieriges Thema, gerade in seinem Land Brasilien, sagte Salgado. Seit der Rechtsnationalist Jair Bolsonaro im Oktober 2018 Präsident wurde, sei nicht nur die Situation im Amazonas-Gebiet ein Desaster, sagte Salgado, der Bolsonaro nicht beim Namen, sondern nur "diesen Mann" nannte.

"Für alle Teile der Gesellschaft ein Desaster"

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"Dieser Mann ist für alle Teile der Gesellschaft ein Desaster", sagte Salgado, "denn er zerstört gewachsene und funktionierende demokratische Institutionen. Und das für nichts." Vor allem die indigene Bevölkerung im Amazonas-Gebiet lebe zunehmend in Angst, da Bolsonaros Regierung die Finanzierung sämtlicher Schutzprogramme eingestellt hat.

Kaum sei "dieser Mann" im Amt gewesen, habe er Brasiliens Großfarmer zur Zerstörung des Regenwalds angestiftet. Nur Druck auf die Landwirtschaftslobby könne den Raubbau am Regenwald stoppen, sagte Salgado.

"Schönheit ist universell"

Auf Kritik, seine Fotografien würden Armut verklären antwortete Salgado: "Schönheit ist universell, ob ich sie nun in Deutschland oder in Afrika fotografiere." Und: "Ich bilde die Realität ab." Dass er dabei viele schreckliche Orte auf der Welt bereist, viel Gewalt und Armut gesehen habe, habe ihn zwischenzeitlich krank gemacht, verriet er.

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"Ich habe es mit anderen Themen versucht, Landschaftsfotografie, Sportfotografie. Was mich aber immer umtrieb, war die afrikanische Kultur." In Brasilien leben die meisten Nachfahren von Afrikanern außerhalb Afrikas. Ein Großteil aller nach Amerika verschleppten afrikanischen Sklaven wurde ab dem 16. Jahrhundert nach Brasilien gebracht. Für deren Herkunftsländer habe er sich interessiert, sagte Salgado.

"Regeneration ist möglich"

Seit er vor 30 Jahren begonnen habe, die Farm seiner Eltern wieder aufzuforsten, habe er Hoffnung geschöpft und es gehe ihm besser, berichtete Salgado. "Wir haben mehr als zwei Millionen Bäume gepflanzt, kümmern uns um Wasser, sammeln Gelder ein, bilden aus." Inzwischen seien die Tiere zurückgekommen, selbst der vom Aussterben bedrohte Jaguar.

"Das hat mir gezeigt: Regeneration ist möglich", sagte Salgado. Ob die Menschheit ihre Lebensgrundlage am Ende wieder aufbauen kann, sei nicht sicher: "Aber ich glaube, die Intelligenz des Menschen drückt sich in seiner Anpassungsfähigkeit aus."

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Zur Person

Sebastião Salgado wurde 1944 im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais geboren. Er wuchs auf einer Rinderfarm auf. Wegen seines Engagements gegen die Militärdiktatur emigrierte er mit seiner Frau Lelia 1969 nach Paris, das Paar hat zwei Söhne. Salgado studierte zunächst Ökonomie. 1973 gab er seinen Beruf auf, um als Fotograf zu arbeiten. Er berichtete unter anderem über brennende Ölfelder in Kuwait, den Völkermord in Ruanda oder unmenschliche Arbeitsbedingungen in den Goldminen. Nach einer seelischen Krise kehrte die Familie Anfang der 1990er Jahre nach Brasilien zurück, wo sie das "Instituto Terra" gründeten. Am Sonntag, 20. Oktober, erhält Salgado in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.10.2019, 19.30 Uhr